Geld ge­gen Macht

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FERBER

Ein Kon­flikt we­ni­ger. Der tie­fe Seuf­zer der Er­leich­te­rung von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ist im gan­zen Re­gie­rungs­vier­tel zu ver­neh­men. Kurz vor Weih­nach­ten ha­ben Bund und Län­der den jah­re­lan­gen Dau­er­streit um die Neu­re­ge­lung der kom­pli­zier­ten Bund-Län­der-Fi­nanz­be­zie­hun­gen und die Neu­or­ga­ni­sa­ti­on des Län­der­fi­nanz­aus­gleichs end­gül­tig bei­ge­legt. Noch im De­zem­ber soll das um­fang­rei­che Ge­set­zes­pa­ket, das auch et­li­che Grund­ge­setz­än­de­run­gen not­wen­dig macht, vom Ka­bi­nett be­schlos­sen wer­den.

Ums Geld ging es beim neu­er­li­chen Bund-Län­der-Gip­fel im Kanz­ler­amt – aus­nahms­wei­se – nicht. Schon im Ok­to­ber hat­ten sich Mer­kel, Schäu­b­le und die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ge­ei­nigt, dass die

Län­der ab 2020 jähr­lich vom Bund gut 9,52 Mil­li­ar­den Eu­ro er­hal­ten. Im Ge­gen­zug er­klär­ten sich die Län­der be­reit, zahl­rei­che Kom­pe­ten­zen an den Bund ab­zu­tre­ten. Doch der Grund­satz­ei­ni­gung folg­te ein neu­er Kon­flikt zwi­schen dem Fi­nanz­mi­nis­ter und den Län­der­chefs um die De­tails. Schäu­bles Ge­setz­ent­wür­fe gin­gen den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ent­schie­den zu weit. Zwar woll­ten sie das Geld vom Bund – aber klam­mer­ten sich auch an ih­re Kom­pe­ten­zen. Nun ist die Kuh vom Eis. Die Län­der sind zuf­rie­den, das Geld kann ab 2020 flie­ßen. Und doch sind sie lang­fris­tig die Ver­lie­rer. Der Bund wird noch mäch­ti­ger als er be­reits ist, die Ab­hän­gig­keit der Län­der vom Bund wird noch grö­ßer. Und der Fö­de­ra­lis­mus wird wei­ter ge­schwächt.

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