Kri­tik an Brüs­se­ler Re­gu­lie­run­gen

Lan­des­jus­tiz­mi­nis­ter Wolf denkt beim Tri­ber­ger Sym­po­si­um an ei­ne Än­de­rung der EU-Ver­trä­ge

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Michael Reis­sen­ber­ger

Tri­berg. „Der Pa­ti­ent Eu­ro­pa braucht ei­ne scho­nungs­lo­se Dia­gno­se“. Mit die­sen Wor­ten will der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Jus­tiz- und Eu­ropa­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU) auf dem 37. Tri­ber­ger Sym­po­si­um, ei­ner tra­di­tio­nel­len Fach­ta­gung der Lan­des­jus­tiz, der all­zu „knö­cher­nen“EU wie­der zu mehr Ge­schmei­dig­keit ver­hel­fen – nach dem Mot­to „We­ni­ger Eu­ro­pa ist mehr“.

Im 60. Jahr der Un­ter­zeich­nung der Rö­mi­schen Ver­trä­ge nei­ge Eu­ro­pa zur Über­re­gu­lie­rung und über­zie­he wei­te Be­rei­che des all­täg­li­chen Le­bens mit Re­ge­lun­gen, de­ren Not­wen­dig­keit für die Men­schen nicht ein­leuch­tend sei, er­klär­te Wolf. Als Bei­spie­le nann­te er et­wa Ver­bo­te der „hei­me­li­gen Glüh­lam­pen“, en­er­gie­hung­ri­ger To­as­ter oder von ge­sund­heits­be­zo­ge­nen Wer­be­aus­sa­gen, wo­nach ei­ne Bier­sor­te nicht mehr als „be­kömm­lich“zu be­zeich­net wer­den darf. Die im Eu­ro­päi­schen Recht ver­an­ker­te Rechts­an­glei­chung im Bin­nen­markt, wer­de als „All­zweck­waf­fe“et­wa bei der um­strit­te­nen Richt­li­nie zum Ta­bak­wer­be­ver­bot her­an­ge­zo­gen.

Auch bei gro­ßen Zu­kunfts­the­men wie dem Eu­ro­päi­schen Zi­vil­ge­setz­buch oder der eu­ro­päi­schen Ban­ken­uni­on ver­hal­te sich die Kom­mis­si­on „über­grif­fig“. Sie stüt­ze sich da­bei auf ein Ein­falls­tor für mög­li­che Kom­pe­tenz­an­ma­ßun­gen, die so­ge­nann­te Fle­xi­bi­li­täts­klau­sel, die im Ver­trag über die Ar­beits­wei­se der EU die Abrun­dung von Kom­pe­ten­zen er­mög­licht. Die für die Ban­ken­uni­on vor­ge­se­he­ne EU-Ver­ge­mein­schaf­tung der na­tio­na­len Ein­la­gen­si­che­rung sei ge­ra­de für die hie­si­gen Spar­kas­sen und Ge­nos­sen­schafts­ban­ken so nicht ak­zep­ta­bel. Wolf will mehr Raum für den oft miss­ach­te­ten Sub­si­dia­ri­täts-Grund­satz schaf­fen, der die Auf­ga­ben­tei­lung von EU und Mit­glied­staa­ten ei­gent­lich be­stim­men soll­te: Da­nach sind nur Maß­nah­men, die auf der Ebe­ne der Mit­glied­staa­ten nicht aus­rei­chend ver­wirk­licht wer­den kön­nen, An­ge­le­gen­heit der Brüs­se­ler Kom­mis­si­on. Die Bü­ro­kra­tie dort lie­fe­re aber re­gel­mä­ßig Ge­setz­ge­bungs­ent­wür­fe ab, die nach Wolfs Ein­druck „in den sel­tens­ten Fäl­len ei­ne wirk­li­che Aus­ein­an­der­set­zung“mit die­sem wich­ti­gen The­ma ge­ra­de für grö­ße­re Mit­glieds­län­der wie Deutsch­land er­ken­nen las­se. Wolf will jetzt an die­ser „Sub­si­dia­ri­täts­schrau­be“dre­hen. Er kün­dig­te an, sich da­für ein­zu­set­zen, das In­stru­men­ta­ri­um der Sub­si­dia­ri­täts­rü­ge an die Adres­se der EU-Kom­mis­si­on durch Bun­des­tag und Bun­des­rat künf­tig häu­fi­ger als bis­lang ein­zu­set­zen.

Als Er­geb­nis der Tri­ber­ger wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­on, in der We­ge zu ei­ner ver­bes­ser­ten Auf­ga­ben­tei­lung in der EU dis­ku­tiert wur­den, emp­fahl Gui­do Wolf, an ei­ne even­tu­el­le Än­de­rung der EU-Ver­trä­ge und bei der eu­ro­päi­schen Ge­setz­ge­bungs­ar­beit auch an neue Initia­tiv­rech­te für die Bun­des­län­der zu den­ken.

Foto: dpa

LAUT GUI­DO WOLF neigt Eu­ro­pa zur „Über­re­gu­lie­rung“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.