OSZE-Tref­fen lei­tet Ab­schied ein

St­ein­mei­er übt be­reits für die Rol­le des Prä­si­den­ten

Pforzheimer Kurier - - FORUM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Tho­mas La­nig

Ham­burg. Je tie­fer die Grä­ben und je schär­fer die Kon­flik­te, des­to wich­ti­ger der Chef. Beim OSZE-Mi­nis­ter­rat in Ham­burg ist das Au­ßen­mi­nis­ter Fran­kWal­ter St­ein­mei­er. Als am­tie­ren­der OSZE-Vor­sit­zen­der gibt er ein „pre­si­den­ti­al state­ment“ab, al­so ei­ne Er­klä­rung des Prä­si­den­ten. Das hat jetzt noch nichts da­mit zu tun, dass der SPD-Po­li­ti­ker auf dem Weg ins Amt des Bun­des­prä­si­den­ten ist. Im März ist wohl so weit. Aber prä­si­di­al kann St­ein­mei­er schon jetzt. Ukrai­ne, Sy­ri­en, Trans­nis­tri­en, Berg-Ka­ra­bach – Krieg, Bür­ger­krieg, Blut­ver­gie­ßen, Ter­ro­ris­mus, Ex­tre­mis­mus, Cy­ber­an­grif­fe: Nir­gend­wo gibt es in Ham­burg ech­te Fort­schrit­te, aber St­ein­mei­er (Foto: dpa) hält an sei­nem Man­tra fest: Mit­ein­an­der re­den, im­mer wie­der, und wenn es noch so müh­sam ist. „Es geht nur so“, sagt er.

Mehr­mals und aus­dau­ernd spricht er mit dem rus­si­schen Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row, mit US-Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry, mit vie­len an­de­ren. Die Or­ga­ni­sa­ti­on für Si­cher­heit und Zu­sam­men­ar­beit in Eu­ro­pa, her­vor­ge­gan­gen aus der KSZE, die 1975 in Hel­sin­ki die Ent­span­nung zwi­schen Ost und West auf den Weg brach­te, ist ein­zig­ar­tig. Die USA und Russ­land ge­hö­ren da­zu, aber auch Ar­me­ni­en und Aser­bai­dschan, Mal­ta und Mol­da­wi­en. Wich­tig sind in Ham­burg nicht die of­fi­zi­el­len Er­klä­run­gen, son­dern die in­for­mel­len Kon­tak­te und Ge­sprä­che am Ran­de, heißt es im­mer wie­der.

„Mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men“: Die­se zen­tra­le For­de­rung von Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck hat auch St­ein­mei­er im­mer wie­der er­ho­ben. Da sind sich der al­te und der künf­ti­ge Bun­des­prä­si­dent zu­min­dest ei­nig, wenn auch si­cher nicht in al­len an­de­ren au­ßen­po­li­ti­schen Fra­gen. Vor al­lem im schwie­ri­gen Ver­hält­nis zu Russ­land hat Gauck ei­nen deut­lich an­de­ren Stand­punkt als St­ein­mei­er. „Die Ge­schich­te lehrt uns, dass ter­ri­to­ria­le Zu­ge­ständ­nis­se den Ap­pe­tit von Ag­gres­so­ren oft nur ver­grö­ßern“, sag­te er schon 2014 an die Adres­se Mos­kaus in der Ukrai­ne-Kri­se ge­rich­tet. St­ein­mei­er da­ge­gen hat ge­ra­de bei sei­nem Ab­schied im Brüs­se­ler Na­to-Haupt­quar­tier er­lebt, dass vie­le ihn dort als zu russ­land­freund­lich ein­schät­zen. „Sä­bel­ras­seln und Kriegs­ge­heul“in Rich­tung Moskau hat­te er kri­ti­siert. Die Weih­nachts­an­spra­che in die­sem Jahr hält noch ein­mal Gauck, aber am 17. März ist Schluss für ihn im Schloss Bel­le­vue. St­ein­mei­er wird das Aus­wär­ti­ge Amt schon eher ver­las­sen, ver­mut­lich im Ja­nu­ar, wenn die SPD die Nach­fol­ge ge­klärt hat. Die OSZE-Kon­fe­renz in Ham­burg war al­so so et­was wie ei­ne Ab­schieds­ver­an­stal­tung für ihn.

Frank-Wal­ter St­ein­mei­er

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