Die Grü­nen als „Hü­ter des Ko­ali­ti­ons­ver­trags“

Andre­as Schwarz führt die größ­te Land­tags­frak­ti­on oh­ne je­den Hang zum dra­ma­ti­schen Auf­tritt

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Karls­ru­he. Für Andre­as Schwarz hat Renn­rad­fah­ren ei­ni­ges mit Po­li­tik zu tun: In bei­den Fäl­len braucht es Aus­dau­er und Te­am­geist, wie der Frak­ti­ons­chef der Land­tags­grü­nen an­läss­lich ei­nes Re­dak­ti­ons­be­suchs bei den BNN zu ver­ste­hen gibt. Im zu­rück­lie­gen­den Som­mer hat er mit Freun­den ra­delnd das fast 2 800 Me­ter ho­he Stilfser Joch mit sei­nen 48 Keh­ren er­klom­men. In der Par­la­ments­sai­son reicht es al­len­falls für ge­le­gent­li­che Ab­ste­cher auf die Schwä­bi­sche Alb.

Denn das Pen­sum des 37-Jäh­ri­gen ist be­acht­lich. Als zen­tra­le The­men be­nennt Schwarz den Kli­ma­schutz mit­samt der Ener­gie­wen­de so­wie den ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­halt. Sei­ne Frak­ti­on ver­steht er als „Hü­te­rin des Ko­ali­ti­ons­ver­trags“und als „Takt­ge­be­rin“für Grün-Schwarz. Wenn es ge­lin­ge, den Ver­trag ab­zu­ar­bei­ten, ste­he das Land am En­de der Le­gis­la­tur 2021 bes­ser da als 2016, ist Schwarz über­zeugt. Die Uni­on hat der Grü­ne bis­lang als ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Part­ner er­lebt; bei CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart spürt Schwarz das In­ter­es­se, „dass gut re­giert wird.“Zur Ver­an­schau­li­chung der gu­ten Ko­ope­ra­ti­on nennt Schwarz die Ver­ein­ba­rung von Initia­ti­ven, um bis zur Mit­te des Jahr­hun­derts kom­plett aus der Koh­le­ver­stro­mung aus­zu­stei­gen. Das wä­re so mit den So­zi­al­de­mo­kra­ten als Part­ner wahr­schein­lich nicht mach­bar ge­we­sen, sin­niert der Frak­ti­ons­chef, der im Bun­des­tags­wahl­kampf kei­ne Ge­fähr­dung für die Ko­ali­ti­on er­kennt.

Kopf­zer­bre­chen be­rei­tet dem groß ge­wach­se­nen und nicht eben zur Dra­ma­tik nei­gen­den Nach­fol­ger von Edith Sitz­mann je­doch die AfD. Die Neu­par­tei ha­be sich der „post­fak­ti­schen Ar­gu­men­ta­ti­on“ ver­schrie­ben und blei­be bis­lang sinn­vol­le Vor­schlä­ge schul­dig. Pflegt der Frak­ti­ons­chef im Gespräch zu­meist ei­ne eher nüch­ter­ne Rhe­to­rik, so bricht es hier mit Lei­den­schaft und Laut­stär­ke aus ihm her­aus. Dass der nach an­ti­se­mi­ti­schen Äu­ße­run­gen nun au­ßer­halb der AfD-Frak­ti­on ope­rie­ren­de Ab­ge­ord­ne­te Wolf­gang Ge­de­on noch im­mer Ap­plaus vom rech­ten Par­la­ments­rand be­kom­me, hält Schwarz für be­zeich­nend. Pro­test­wäh­ler will er mög­lichst zu­rück­ho­len. Zum Bei­spiel durch Haus­be­su­che in je­nen Quar­tie­ren, wo die AfD be­son­ders stark ab­ge­schnit­ten hat.

Wenn es um den Au­to­mo­bil­bau im Süd­wes­ten und den Wech­sel vom Ver­bren­nungs­hin zum Elek­tro-An­trieb geht, weiß Schwarz sich eins mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann. Die­ser Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess wer­de et­was dau­ern, aber man müs­se schnel­ler sein als Chi­na, Ja­pan und Süd­ko­rea. Die Wert­schöp­fung müs­se in Ba­den-Würt­tem­berg blei­ben. Zu­gleich be­schei­nigt Schwarz dem Chef der Bun­des­tags­frak­ti­on, An­ton Ho­frei­ter, die rich­ti­gen Prio­ri­tä­ten in der Ver­kehrs­po­li­tik. Mehr Bah­nen und Bus­se sei­en ein Ge­bot von Kli­ma­schutz und Teil­ha­be.

DIE GRÜN-SCHWAR­ZE KO­ALI­TI­ON ist das täg­li­che Brot von Andre­as Schwarz, dem Frak­ti­ons­chef der Grü­nen im Land­tag (3.v.l.). Ge­gen­über der BNN-Re­dak­ti­on stand er Re­de und Ant­wort. Links die Ab­ge­ord­ne­ten Alex­an­der Sa­lo­mon und Bet­ti­na Lis­bach. Foto: Ho­ra

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