Tier­schutz­par­tei be­kennt sich

Drück­jagd-Blo­cka­de sorgt für Wir­bel / Bun­des­tags­kan­di­da­tin un­ter Ak­ti­vis­ten

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Rai­ner Obert

Malsch/Karls­ru­he. Für viel Wir­bel und hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen in Jä­ger­krei­sen sorgt ei­ne Ak­ti­on von Tier­schutz-Ak­ti­vis­ten, sie ver­hin­der­ten mas­siv ei­ne Drück­jagd bei Malsch. Die „Blo­cka­de“der ge­neh­mig­ten Jagd wur­de nach In­for­ma­tio­nen der BNN von der Tier­schutz­par­tei or­ga­ni­siert. Mit­glie­der ei­nes Bun­des­ar­beits­krei­ses der Or­ga­ni­sa­ti­on (BAK ge­gen Jagd und An­geln) ha­ben sich zur „Blo­cka­de“be­kannt. Des­sen Lei­te­rin ist Patri­cia Ko­pietz aus Wims­heim, zu­letzt Land­tags­kan­di­da­tin im Wahl­kreis Pforz­heim, ak­tu­ell Bun­des­tags­kan­di­da­tin und Lan­des­ge­ne­ral­se­kre­tä­rin der Par­tei.

In ei­ner den BNN vor­lie­gen­den Er­klä­rung von Ko­pietz, die an der Blo­cka­de teil­ge­nom­men hat, wird das Vor­ge­hen als not­wen­dig und rich­tig dar­ge­stellt. An­lie­gen von sechs Ak­ti­vis­ten sei es ge­we­sen, „den Wald­be­woh­nern ein fried­li­ches Le­ben zu er­mög­li­chen“. Man leh­ne je­de Form von Ge­walt ab. Ko­pietz schil­dert, dass sich die Grup­pe ge­gen 6 Uhr am Mal­scher Wald traf. Man ha­be dann ver­sucht, zwi­schen Trei­ber und Wild zu kom­men. „Da­mit die Jä­ger auf den An­sit­zen nicht schie­ßen kön­nen.“Die Jagd be­gann. Ein Schuss sei ge­fal­len, der aber nicht das Ziel – ein Wild­schwein – traf. „Wir stan­den ge­nau rich­tig. Wei­te­re Schüs­se wa­ren nicht mög­lich“, schreibt Ko­pietz.

Im frag­li­chen Wald­stück wa­ren vor der Drück­jagd An­sit­ze zer­stört wor­den. Im Bericht des BAK ist hier­zu zu le­sen: „Zu un­se­rer Ver­wun­de­rung war es 15 bis 20 Jä­gern nicht mög­lich, auf ih­ren An­sitz zu stei­gen“. Die BAK ha­be da­mit nichts zu tun, „an­de­re Jagd­geg­ner“hät­ten wohl die Hoch­sit­ze zer­stört.

Ko­pietz da­ge­gen kri­ti­siert das Ver­hal­ten der Jä­ger­schaft. Sie spricht von teils ag­gres­si­vem Ver­hal­ten und be­schwert sich dar­über, dass die Ak­ti­vis­ten ge­filmt und fo­to­gra­fiert wor­den sei­en. Nur des­halb ha­be man sich „ver­mummt“, um die Per­sön­lich­keits­rech­te zu wah­ren. Die Jä­ger­schaft sprach da­ge­gen von be­son­ne­nem Han­deln ih­rer­seits, so Kreis­jä­ger­meis­ter Tho­mas Mai­er. Stolz ist die Tier­schutz­par­tei auf ih­re Bi­lanz: „Ge­ra­de mal vier Schüs­se, von wel­chen min­des­tens ei­ner ein Fehl­schuss war.“Die Jä­ger alar­mier­ten die Po­li­zei, die Ak­ti­vis­ten wur­den kon­trol­liert. „Die Lo­den­rö­cke hät­ten zu ger­ne ge­se­hen, wie wir uns in ei­nem Tu­mult mit der Po­li­zei die Blö­ße ge­ge­ben hät­ten“, glaubt Ko­pietz. Man ha­be je­doch ko­ope­riert. Sie kün­digt an: „Dies war nicht die letz­te Blo­cka­de, aber fried­lich wird es von un­se­rer Sei­te im­mer blei­ben.“In­zwi­schen er­mit­telt die Kri­mi­nal­po­li­zei Karls­ru­he we­gen der Vor­komm­nis­se rund um die Jagd. Wie ein Spre­cher des Po­li­zei­prä­si­di­ums er­klär­te, han­delt es sich bei der Jagd­stö­rung um ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit, zur Sach­be­schä­di­gung er­mitt­le man wei­ter.

Den BNN ge­gen­über gab der für Forst und Jagd zu­stän­di­ge Stutt­gar­ter Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Hauk ei­ne Stel­lung­nah­me ab: „Ich ha­be kein Ver­ständ­nis für Jagd­geg­ner, die ih­re Kri­tik durch Sach­be­schä­di­gun­gen zum Aus­druck brin­gen und da­durch Men­schen­le­ben ge­fähr­den.“Die Jagd sei „in un­se­rem Ge­mein­we­sen zwin­gend not­wen­dig“. Be­son­ders die Wild­schwein­po­pu­la­ti­on neh­me durch den Kli­ma­wan­del stark zu, gro­ße Schä­den in der Land­wirt­schaft so­wie er­höh­te Seu­chen­ge­fahr sei­en die Fol­ge.

Mi­nis­ter Hauk: Jagd zwin­gend not­wen­dig

INS VI­SIER ge­nom­men wer­den mo­men­tan bei Drück­jag­den im Land ins­be­son­de­re Wild­schwei­ne, de­ren gro­ße Po­pu­la­ti­on zu teils mas­si­ven Schä­den führt. Foto: Phi­lip Schul­ze

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