Karls­ru­her Leucht­turm­pro­jekt für So­lar­ener­gie

KIT-Wis­sen­schaft­ler prä­sen­tie­ren Ver­tre­tern aus der Wirt­schaft ih­re neu­es­ten Er­kennt­nis­se zur Bat­te­rie­for­schung

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

Karls­ru­he. Kreuz und qu­er ste­hen die in Me­tall­rah­men ge­fass­ten Fo­to­vol­ta­ikMo­du­le auf ei­ner Bra­che am Nor­d­rand des ehe­ma­li­gen For­schungs­zen­trums. Fast auf je­dem der über 100 Fo­to­vol­ta­ikTi­sche sind So­lar­mo­du­le in ei­nem an­de­ren Win­kel zur Son­ne aus­ge­rich­tet und ver­mit­teln das Bild ei­ner acht­los auf­ge­bau­ten An­la­ge. Doch der ers­te Ein­druck täuscht hier – denn die schein­bar zu­fäl­li­ge An­ord­nung der ein­zel­nen Ti­sche ist Teil ei­nes For­schungs­pro­jekts zur op­ti­ma­len Spei­che­rung und Steue­rung von Son­nen­strom. Vor zwei Jah­ren wur­de Deutsch­lands größ­ter So­lar­strom-Spei­cher-Park auf dem Cam­pus-Nord des KIT als Leucht­turm­pro­jekt zur Ener­gie­wen­de of­fi­zi­ell er­öff­net.

Das ei­gent­li­che Herz­stück der Ein-Me­ga­watt-An­la­ge ist das zen­tral ge­le­ge­ne Bat­te­rie­ge­bäu­de. Hier wird die über­schüs­si­ge So­lar­ener­gie ge­spei­chert und die um­lie­gen­den Ge­bäu­de auch nachts noch mit re­ge­ne­ra­tiv er­zeug­tem Strom ver­sorgt. „Durch die un­ter­schied­li­chen Aus­rich­tun­gen er­lan­gen wir die not­wen­di­gen Er­kennt­nis­se über die op­ti­ma­le Last­ver­tei­lung“, sagt So­lar­park­lei­te­rin Ni­na Munz­ke vom KIT-Pro­jekt „Com­pe­tence E“. Sind die Mo­du­le et­wa be­reits am Vor­mit­tag der vol­len Son­nen­aus­strah­lung aus­ge­setzt, kann der über­schüs­si­ge Strom ge­spei­chert und nachts ver­braucht wer­den.

Ur­sprüng­lich wur­de die 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro teu­re An­la­ge vor al­lem zur Sen­kung der Strom­kos­ten auf dem Cam­pusNord kon­zi­piert, doch in­zwi­schen ha­ben die Wis­sen­schaft­ler von Munz­kes Team je­de Men­ge Er­fah­run­gen zum mög­lichst wirt­schaft­li­chen Ein­satz von Son­nen­strom ge­sam­melt. „Un­ser Spei­cher­sys­tem ist ein ech­ter Pro­to­typ und wä­re dank der in­no­va­ti­ven Steue­rung auch für Neu­bau­sied­lun­gen oder Kon­ver­si­ons­ge­bie­te ei­ne ech­te Al­ter­na­ti­ve“, so Munz­ke. De­zen­tra­le Ener­gie­ver­sor­ger wie Stadt­wer­ke sei­en eben­falls mög­li­che Ab­neh­mer für das Spei­cher­kon­zept.

In die­ser Wo­che konn­te Munz­ke gleich meh­re­re Ver­tre­ter aus der Wirt­schaft per­sön­lich von den Vor­zü­gen ih­res Pro­jekts über­zeu­gen. Die Füh­rung durch den So­lar­strom-Spei­cher-Park war da­bei Teil ei­ner Ver­an­stal­tung der Rei­he „Re­se­arch to bu­si­ness li­ve“. Da­bei in­for­mier­ten gleich meh­re­re Wis­sen­schaft­ler des KIT die Be­su­cher über die ak­tu­el­len wis­sen­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen rund um das Ta­gungs­the­ma „Neue Kon­zep­te für Bat­te­ri­en und Ak­kus: Klein, si­cher, leis­tungs­fä­hig“.

So ent­wi­ckelt die For­schungs­grup­pe von Joa­chim R. Bin­der am In­sti­tut für An­ge­wand­te Ma­te­ri­al­wis­sen­schaf­ten ein neu­es Ka­tho­den­ma­te­ri­al für her­kömm­li­che Li­thi­um-Io­nen-Bat­te­ri­en. „Da­durch kön­nen sich die Bat­te­ri­en schnel­ler auf- und ent­la­den“, so Bin­der. „Wir wol­len Wirt­schaft und Wis­sen­schaft be­reits in ei­nem frü­hen Ent­wick­lungs­sta­di­um mit­ein­an­der ver­net­zen“, er­läu­tert Ta­gungs­or­ga­ni­sa­to­rin Frau­ke Helms vom In­no­va­ti­ons­ma­nage­ment des KIT den Sinn und Zweck der Ver­an­stal­tungs­rei­he. Künf­tig soll „Re­se­arch to bu­si­ness li­ve“des­halb zwei- bis drei­mal jähr­lich mit wech­seln­den Schwer­punkt­the­men über die KIT-Büh­ne ge­hen.

AUCH BEI TRÜBEM WETTER IN­TER­ES­SANT: Ni­na Munz­ke (Mit­te) vom KIT führt Be­su­cher durch Deutsch­lands größ­ten So­lar­strom-Spei­cher-Park. Foto: Kin­kel

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