Ett­lin lässt (Licht-)Wun­der ge­sche­hen

Die 1836 ge­grün­de­te Fir­ma ist mit High-Tech-Ge­we­ben er­folg­reich / Ko­ope­ra­ti­on mit Fran­zo­sen

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Mo­ni­ka John

Ett­lin­gen. Stau­nen­de Be­su­cher sind für Rolf Heit­lin­ger und Oli­ver Maetsch­ke, Vor­stän­de der Ett­lin AG in Ett­lin­gen, nichts Neu­es. Denn die rie­si­ge, drei­di­men­sio­na­le Licht­ge­stal­tung an der Wand hin­ter dem Be­spre­chungs­tisch in der Fir­ma gibt neu­gie­ri­gen Be­trach­tern Rät­sel auf. Ei­ne Licht­quel­le ist auf den ers­ten Blick nicht aus­zu­ma­chen. Da­bei ge­ben die far­bi­gen Licht­struk­tu­ren dem Raum nicht nur ei­ne un­glaub­li­che Tie­fe, sie va­ri­ie­ren so­gar je nach Blick­win­kel. Zu ver­dan­ken ist die­ser ge­heim­nis­vol­le Ef­fekt dem neu­en, in­no­va­ti­ven Pro­dukt der Spin­ner- und We­be­rei, dem licht­tech­ni­schen Spe­zi­al­ge­we­be Ett­lin Lux Mi­ra­cle. Es er­zeugt aus dem hin­ter dem Ge­we­be an­ge­brach­ten LEDLicht span­nen­de 3-D-Ef­fek­te.

Spe­zi­ell an De­cken und Wän­den so­wie in Fahr­stüh­len lässt sich da­mit nicht nur op­tisch reich­lich Raum­tie­fe ge­win­nen, es sorgt in je­dem Fall auch für ei­nen Aha-Ef­fekt bei den Be­su­chern. Um die­ses Ge­we­be mög­lichst groß­flä­chig in den Markt ein­zu­füh­ren, hat die Ett­lin Spin­ne­rei und We­be­rei Pro­duk­ti­ons Gm­bH & Co. KG mit der welt­wei­ten Num­mer eins im Be­reich der Spann­de­cken, Bar­ri­sol – Nor­ma­lu S.A.S., kürz­lich ei­ne „ex­klu­si­ve Zu­sam­men­ar­beit ver­ein­bart“. Der Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag mit dem im fran­zö­si­schen Kemps an­säs­si­gen Un­ter­neh­men ist zu­nächst auf fünf Jah­re be­fris­tet, heißt es von Sei­ten des Vor­stands.

Da­bei wa­ren die An­fän­ge des Un­ter­neh­mens ganz an­ders. An den Start ging es im Jah­re 1836. Groß­her­zo­gin Ste­fa­nie von Ba­den, die Mark­gra­fen Wil­helm und Ma­xi­mi­li­an von Ba­den so­wie Karl Egon Fürst zu Fürs­ten­ber­ge aus Do­nau­eschin­gen grün­de­ten es als ers­te Ak­ti­en­ge­sell­schaft der deut­schen Tex­til­in­dus­trie. Ziel war es, Ar­beits­plät­ze zu schaf­fen, um die Be­völ­ke­rung vom Aus­wan­dern in die USA ab­zu­hal­ten. Gan­ze Dör­fer zog es da­mals auf der Su­che nach Ar­beit in die Fer­ne. Die AG hat­te Er­folg. En­de des 19. Jahr­hun­derts stan­den be­reits rund 1 800 Men­schen in Lohn und Brot. Heu­te zählt der Kon­zern mit sei­nen Un­ter­neh­mens­be­rei­chen Ett­lin Tex­ti­les, Ett­lin Smart Ma­te­ri­als und Ett­lin Im­mo­bi­li­en 228 Mit­ar­bei­ter.

Den Kon­zern­um­satz be­zif­fert Maetsch­ke auf 37 Mil­lio­nen Eu­ro. 60 Pro­zent der Pro­duk­ti­on wird ex­por­tiert. Das sind ne­ben Gar­nen und Zwirn tech­ni­sche Ge­we­be so­wie das neue Smart Ma­te­ri­al. Ein wei­te­res Ge­schäfts­feld ist die Im­mo­bi­li­en­ent­wick­lung an den Stand­or­ten im Groß­raum Karls­ru­he so­wie im Groß­raum Ber­lin.

Heit­lin­ger und Maetsch­ke be­rich­ten, dass seit der Über­nah­me der Spinn­we­be­rei Uhin­gen Gm­bH im Ju­ni 2014 na­he­zu al­le tex­ti­len Ver­fah­ren im Spin­nen und We­ben aus ei­ner Hand an­ge­bo­ten wer­den. Ent­wick­lung und Fer­ti­gung al­ler Pro­duk­te wer­den im fir­men­ei­ge­nen Ge­wer­be­park in Ett­lin­gen, in der Spin­ne­rei in Wald­kirch oder der We­be­rei in Uhin­gen rea­li­siert. „Ein Schwer­punkt der Pro­duk­ti­on ist Trä­ger­ge­we­be für Schleif­mit­tel al­ler Art“, er­klärt Heit­lin­ger. „In dem Be­reich sind wir Markt­füh­rer.“Drei Mil­lio­nen Me­ter Ge­we­be – ei­nen Me­ter breit – sind laut Maetsch­ke per­ma­nent auf La­ger. Heit­lin­ger er­gänzt: „Pro Tag wer­den 70 Ki­lo­me­ter Stoff pro­du­ziert.“

Seit ei­ni­gen Jah­ren be­schäf­tigt sich die For­schungs­ab­tei­lung, für die der 51-jäh­ri­ge pro­mo­vier­te Ma­schi­nen­bau­in­ge­nieur Maetsch­ke ver­ant­wort­lich ist, mit in­no­va­ti­ven Tech­no­lo­gi­en und neu­en Funk­tio­nen in der tex­ti­len Welt. Licht­tech­ni­sche Ei­gen­schaf­ten zur de­ko­ra­ti­ven Be­leuch­tung spie­len hier ge­nau­so ei­ne Rol­le wie die Be­schat­tung in der Ar­chi­tek­tur. Das Spe­zi­al­ge­we­be Ett­lin Lux Mi­ra­cle zur 3-D-Licht­ge­stal­tung ist der neu­es­te „Ren­ner“im Haus.

Das pa­ten­tier­te Ge­we­be in­ter­agiert mit der LED-Licht­quel­le. Es ent­ste­hen da­bei ge­krümm­te Licht­li­ni­en, die in die Tie­fe des Rau­mes ein­tau­chen. Da­für gab es Rang drei im dies­jäh­ri­gen „ma­te­ri­alP­reis“. Da­mit prä­miert raumPro­be zu­kunfts­wei­sen­de Ma­te­ria­li­en. Ein wei­te­rer Hö­he­punkt sei der Ein­satz des Ge­we­bes in der Aus­stel­lung „Zu­kunfts­lich­ter“bei BMW in München.

Ett­lin Im­mo­bi­li­en, der drit­te Ge­schäfts­be­reich, ver­wal­tet 355 Woh­nun­gen und 124 000 Qua­drat­me­ter Nutz­flä­che mit Bü­ros, Pro­duk­ti­ons- und La­ger­hal­len im Raum Karls­ru­he so­wie über 60 000 Qua­drat­me­ter Nutz­flä­che in Ber­lin im ei­ge­nen Be­stand. „Im Ge­wer­be­park Alb­tal in Ett­lin­gen ist es op­ti­mal ge­lun­gen, Tra­di­ti­on und In­no­va­ti­on zu­sam­men­zu­füh­ren“, sagt Heit­lin­ger, der dem Im­mo­bi­li­en­sek­tor vor­steht. „Nein, wir ver­kau­fen un­se­re Ob­jek­te nicht“, klärt er auf. Die Im­mo­bi­li­en, die mit zehn Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­um­satz zu Bu­che schla­gen, dien­ten der Si­cher­heit und dem Wert­er­halt der nicht bör­sen­no­tier­ten Ak­ti­en­ge­sell­schaft, die in Fa­mi­li­en­be­sitz ist. Im Ge­wer­be­park Alb­tal ist laut Heit­lin­ger zu­sam­men mit dem Karls­ru­her Un­ter­neh­mer­netz­werk Cy­ber­fo­rum ein Grün­der­zen­trum für ITFir­men ge­plant. Wei­te­re Pro­jek­te sei­en ein Be­triebs­kin­der­gar­ten so­wie Elek­tro­tank­stel­len für E-Au­tos und E-Bi­kes.

Pro Tag Pro­duk­ti­on von 70 Ki­lo­me­ter Stoff

Fotos: Fa­b­ry

GARN UND ZWIRN wer­den bei der Ett­lin AG in Ett­lin­gen zu Stoff ver­ar­bei­tet – täg­lich ent­ste­hen et­wa 70 Ki­lo­me­ter da­von.

GE­HEIM­NIS­VOL­LER EF­FEKT: Die Ett­lin-Chefs Rolf Heit­lin­ger und Oli­ver Maetsch­ke (von links) vor dem licht­tech­ni­schen Spe­zi­al­ge­we­be ih­rer Fir­ma.

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