Dm un­ter­liegt im Al­na­tu­ra-Streit

Bran­chen­pri­mus muss 2,345 Mil­lio­nen zah­len

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Nat­ha­lie Bo­ckelt

Darm­stadt. Die Dro­ge­rie­ket­te dm darf wei­ter­hin nicht in die Ge­schäf­te ih­res eins­ti­gen Lie­fe­ran­ten Al­na­tu­ra hin­ein­re­den. Das Land­ge­richt Darm­stadt hat ges­tern ei­ne Kla­ge der Ket­te aus Karls­ru­he ab­ge­wie­sen, mit der sie sich wei­te­ren Ein­fluss auf Ver­triebs­ent­schei­dun­gen der Al­na­tu­ra si­chern woll­te. Au­ßer­dem muss dm nach dem noch nicht rechts­kräf­ti­gen Ur­teil 2,345 Mil­lio­nen Eu­ro samt Zin­sen an Al­na­tu­ra für ein­sei­tig ge­kürz­te Rech­nun­gen nach­zah­len, ent­schied der Vor­sit­zen­de Rich­ter Werner Schä­fer.

In dem Zi­vil­pro­zess war es um ei­nen Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag aus den 1980er Jah­ren ge­gan­gen, an den Al­na­tu­ra sich nicht mehr ge­bun­den fühlt. Ei­ne Klau­sel dar­in si­chert dm ge­wis­se Mit­spra­che­rech­te bei der Aus­wahl neu­er Ver­triebs­part­ner von Al­na­tu­ra zu. Der Bio-Le­bens­mit­tel­händ­ler sieht sich an den Ver­trag aber nicht mehr ge­bun­den, seit dm ei­ne eigene Bio-Li­nie führt und Al­na­tu­ra-Pro­duk­te nach und nach aus den Re­ga­len ge­nom­men hat. Al­na­tu­ra ver­treibt sei­ne Wa­ren nun ver­mehrt on­li­ne, über eigene Fi­lia­len und bei an­de­ren Han­dels­ket­ten wie Ede­ka oder Mül­ler.

Ge­gen die Kün­di­gung der Ver­trä­ge war die Dro­ge­rie­ket­te dm ju­ris­tisch vor­ge­gan­gen. Das Un­ter­neh­men ist der Auf­fas­sung, dass Al­na­tu­ra die ex­klu­si­ve Be­lie­fe­rung im No­vem­ber 2014 un­recht­mä­ßig ge­kün­digt ha­be. Das Land­ge­richt Darm­stadt teil­te die­se Mei­nung nicht, son­dern folg­te in sei­ner Ent­schei­dung der Aus­le­gung von Al­na­tu­ra. Ge­gen das Ur­teil ist noch ei­ne Be­ru­fung beim OLG Frankfurt mög­lich. Dar­über ist aber noch nicht ent­schie­den. „Wir wer­den auf die aus­führ­li­che Be­grün­dung sei­tens des Ge­richts war­ten, um dann in un­se­ren Gre­mi­en zu be­ra­ten, wie wir wei­ter da­mit um­ge­hen wer­den“, er­klär­te der Vor­sit­zen­de der Ge­schäfts­füh­rung dm-dro­ge­rie markt, Erich Harsch.

Das Ur­teil ist für Al­na­tu­ra ein Etap­pen­sieg. Das Un­ter­neh­men hat­te sei­ne Um­satz­ver­lus­te bei der Dro­ge­rie­ket­te zu­letzt mit neu­en Ver­triebs­part­nern knapp aus­glei­chen kön­nen. Im Ge­schäfts­jahr 2015/16 (30. Sep­tem­ber) er­lös­ten die Süd­hes­sen 762 Mil­lio­nen Eu­ro, ei­ne ge­rin­ge Stei­ge­rung um 0,3 Pro­zent zum Vor­jahr. dm konn­te sei­ne Po­si­ti­on als Deutsch­lands größ­te Dro­ge­rie­markt-Ket­te im ver­gan­ge­nen Jahr aus­bau­en.

Am Ober­lan­des­ge­richt Frankfurt ste­hen sich die ver­schwä­ger­ten Fir­men­grün­der in ei­nem zwei­ten Pro­zess ge­gen­über, da dm-Grün­der Götz Werner von Al­na­tu­ra-Grün­der Götz Rehn die Mar­ken­rech­te an Al­na­tu­ra ver­langt. Ver­han­delt wer­den soll aber erst im Fe­bru­ar 2017.

Götz Rehn

Götz W. Werner

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