An den Im­biss­stän­den brummt das Ge­schäft

Händ­ler auf dem Christ­kind­les­markt zie­hen Zwi­schen­bi­lanz / Un­ter­stüt­zung von Stamm­kun­den

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Pa­tri­zia Ka­luz­ny

Punkt 11 Uhr er­wacht die Weih­nachts­stadt zum Le­ben. Wie von Zau­ber­hand duf­tet es plötz­lich auf dem Fried­richs­platz nach ge­brann­ten Man­deln, wür­zi­gem Glüh­wein und Bie­nen­wachs­ker­zen. Wie von Zau­ber­hand be­ginnt sich auch das Flü­gel­rad der Glüh­wein­py­ra­mi­de zu dre­hen. Würst­chen und Steaks wan­dern auf den Grill, Frucht­spie­ße ins Scho­ko­la­den­bad. Ar­me­en von Nuss­kna­ckern und Räu­cher­männ­chen ste­hen stramm und wett­ei­fern mit Scha­ren von paus­bä­cki­gen En­geln um die Gunst der Kun­den. Noch knapp zwei Wo­chen blei­ben ih­nen, dann ist Weih­nach­ten. Seit En­de No­vem­ber lockt der Christ­kind­les­markt, der in die­sem Jahr durch den Aus­schluss lang­jäh­ri­ger Stand­be­trei­ber be­reits vor der Er­öff­nung für mäch­tig Wir­bel sorg­te (die BNN be­rich­te­ten mehr­fach). Zeit für die Händ­ler, ei­ne Zwi­schen­bi­lanz zu zie­hen. Bei ei­ner nicht re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge zei­gen sich die Schau­stel­ler auf dem Fried­richs­platz von „zuf­rie­den“bis „sehr zuf­rie­den“. Wo­bei die Kas­sen an den Im­bis­sund Glüh­wein­stän­den deut­lich lau­ter klin­geln als bei­spiels­wei­se bei Ge­schenk­ar­ti­keln.

„Es fing ganz gut an, dann ging die Um­satz­kur­ve wie­der nach un­ten. Jetzt sta­gniert es. Auf je­den Fall ist da noch Luft nach oben“, sagt Hei­de Ma­li­schew­sky, die „Ba­de­fee“. Süß, aber ka­lo­ri­en­arm sind ih­re Pro­duk­te – dar­un­ter bun­te, glit­zern­de Ba­de­pra­li­nen oder Ba­de­cup­ca­kes. Auch be­liebt bei Kun­den: Ba­de­wan­nen­bü­cher. „Fried­hof der Ba­markt de­en­ten“heißt ei­ner der Kri­mis. Was­ser­fest und in 20 Mi­nu­ten aus­ge­le­sen – recht­zei­tig be­vor das Was­ser in der Wan­ne kalt wird. Wer bei An­na und Ro­land Fet­scher zu­greift, be­kommt reich­lich Ka­lo­ri­en – in Form von Lü­be­cker Mar­zi­pan und Nou­gat. „Das Wetter spielt bis­lang sehr gut mit“, sagt Ro­land Fet­scher, wäh­rend er ei­nem Mann ein Stück Chi­li-Mar­zi­pan zum Pro­bie­ren reicht. „Das ist eher et­was Aus­ge­fal­le­nes für Lieb­ha­ber. Die meis­ten Kun­den möch­te Schicht­nou­gat und Mar­zi­pan­kar­tof­feln – ganz klas­sisch eben.“

Die ers­ten hung­ri­gen Mit­tags­päus­ler ei­len an die Im­biss­stän­de. Um die Steh­ti­sche wird es eng. Der Grill im Thü­rin­ger Häus­le läuft auf vol­len Tou­ren. Bei Pe­tra Lin­digs Mit­ar­bei­tern sitzt je­der Hand­griff. Lin­digs vor­weih­nacht­li­che Lau­ne ist bes­tens. Das Ge­schäft brummt. „Das Wetter spielt bis­her mit, nur der Schnee fehlt noch“, sagt die Im­biss­be­trei­be­rin. Nur ein paar Schrit­te ent­fernt hat auch ih­re Kol­le­gin Jut­ta Sey­fert al­le Hän­de voll zu tun. „Die ers­ten Kun­den ste­hen be­reits um 11 Uhr da, gleich wenn wir öff­nen“, er­zählt sie la­chend. Nicht un­be­dingt, um Glüh­wein zu trin­ken. „Wir ha­ben ja auch war­me Sa­chen oh­ne Al­ko­hol.“Ge­spannt ist sie wie auch ih­re Kol­le­gen auf die­sen Sams­tag und Sonn­tag. „Das ver­gan­ge­ne Wo­che­n­en­de war auf je­den Fall sehr stark, vor al­lem der lan­ge Sams­tag“, be­rich­tet Sey­fert. Schwei­zer wa­ren da, eben­so Fran­zo­sen und auch Tou­ris­ten aus an­de­ren Tei­len Deutsch­lands. „Man hör­te das an den Dia­lek­ten.“Für Sey­fert ist das Wetter gut, aber nicht per­fekt. „Es ist ein biss­chen zu kalt. Ide­al wä­ren fünf, sechs Grad. Bei Mi­nus­gra­den blei­ben die Leu­te nicht so lan­ge ste­hen, vor al­lem abends.“

An­de­re Sor­gen als das Wetter trei­ben da­ge­gen die Brü­der Rolf und Wolf­gang Ge­bert so­wie Patrick Nei­gert, die Be­trei­ber der Piz­za­bä­cke­rei Ge­bert, um. Wie be­rich­tet, be­ka­men sie in die­sem Jahr nach 40 Jah­ren zum ers­ten Mal ei­ne Ab­sa­ge. Statt auf dem Christ­kind­les- ser­vie­ren sie nun ih­re Piz­za vor dem Kam­mer­thea­ter, nach­dem Gas­tro­nom Ha­rald Dietrich von der „Al­ten Bank“ih­nen ei­nen Stand­platz an­ge­bo­ten hat. Nicht ein­mal 150 Me­ter Luft­li­nie tren­nen den al­ten und den neu­en Stand­ort – und doch sind es un­ter­schied­li­che Wel­ten: „Wenn wir un­se­re Stamm­kun­den nicht hät­ten, wä­ren wir ver­hun­gert“, sa­gen Ge­bert und Nei­gert zu­ge­spitzt und spre­chen von rund 60 Pro­zent Ein­bu­ßen im Ver­gleich zum Vor­jahr. „Wir sind froh, dass wir die­sen Platz ha­ben, aber uns fehlt hier die Lauf­kund­schaft“, be­rich­ten die Piz­za­bä­cker. Um­so mehr freu­en sie sich über „den sehr gro­ßen Zu­spruch“, den sie nach der Ab­sa­ge aus der Be­völ­ke­rung be­kom­men ha­ben. Für das nächs­te Jahr wol­len sie sich auf je­den Fall wie­der be­wer­ben und ih­rem Stand ein „neu­es Out­fit“ver­pas­sen. Sol­le doch kei­ner sa­gen, er wä­re nicht weih­nacht­lich.

Auch Fa­mi­lie Ei­chel will mit ih­rem Lan­gos­stand zu­rück auf den Christ­kind­les­markt. „Es ist okay hier, aber es sind kei­ne Lan­gos-Ein­nah­men“, sagt Char­lot­te Ei­chel, die nun – statt das He­fe­ge­bäck im Fett aus­zu­ba­cken – an ei­nem Stand im Kin­der­land St. Ste­phan Flamm­ku­chen und Rahm­fle­cken in den Ofen schiebt. Wie Ge­bert und Nei­gert sagt auch sie: „Es fehlt das Mit­tags­ge­schäft.“

Fotos: jo­do

DEN BU­DEN­ZAU­BER auf dem Fried­richs­platz kön­nen die Be­su­cher noch bis ein­schließ­lich 23. De­zem­ber ge­nie­ßen. Nach ei­nem sehr gut be­such­ten ver­gan­ge­nem Wo­che­n­en­de mit ei­ner lan­gen Ein­kaufs­nacht hof­fen die Stand­be­trei­ber auch heu­te und am mor­gi­gen Sonn­tag auf re­gen Zu­spruch.

STRAMMGESTANDEN: Nuss­kna­cker und Räu­cher­männ­chen wett- ei­fern um die Gunst der Kun­den.

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