SPD-Kreis­vor­sit­zen­der tritt zu­rück

Nils Non­nen­ma­cher kri­ti­siert Hin­ter­tür-Po­li­tik und be­klagt per­sön­li­che Dif­fe­ren­zen

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Torsten Ochs

Enz­kreis. Über­ra­schung bei der KreisSPD: Nils Non­nen­ma­cher ist als Kreis­vor­sit­zen­der zu­rück­ge­tre­ten. Bei der Kreis­vor­stands­sit­zung am Don­ners­tag­abend in Isprin­gen hat Non­nen­ma­cher sei­nen Rück­tritt be­kannt ge­ge­ben. Nun will er ganz aus der Par­tei aus­tre­ten und sich auch aus der Lo­kal­po­li­tik zu­rück­zie­hen.

Die Grün­de sei­en viel­fäl­tig, sagt Non­nen­ma­cher ge­gen­über dem Pforz­hei­mer Ku­ri­er. Aus­schlag­ge­bend sei die „Hin­ter­tür-Po­li­tik ei­ni­ger Mit­glie­der des Kreis­vor­stands, die ich nicht mehr ver­ant­wor­ten kann“. Hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren sei­en Din­ge be­schlos­sen und dem Gre­mi­um dann le­dig­lich zur Kennt­nis vor­ge­legt wor­den. Au­ßer­dem sei er ent­täuscht, wie sein Stell­ver­tre­ter Paul Ren­ner mit ihm um­ge­gan­gen sei: Un­ter an­de­rem ha­be er Brie­fe und Pres­se­mit­tei­lun­gen her­aus­ge­ge­ben, von de­nen Non­nen­ma­cher dann aus der Zei­tung er­fah­ren ha­be – „das war kei­ne Zu­sam­men­ar­beit“, sagt Non­nen­ma­cher, der an­dert­halb Jah­re Kreis­vor­sit­zen­der war.

Auch die Ge­richts­ver­hand­lung, bei der (wie be­rich­tet) die Vor­sit­zen­de des Pforz­hei­mer Ju­gend­ge­mein­de­rats dem 29-Jäh­ri­gen vor­ge­wor­fen hat, sie be­lei­digt zu ha­ben, ha­be in­di­rekt et­was mit sei­nem Rück­tritt zu tun – da die sel­ben Leu­te be­tei­ligt ge­we­sen sei­en, so Non­nen­ma­cher. Die Ge­richts­sa­che sei „Kin­der­gar­ten“ge­we­sen und ei­ne „po­li­ti­sche In­tri­ge“, mit dem Ziel, ihn los­zu­wer­den, ist sich Non­nen­ma­cher si­cher. Die Ge­richts­ver­hand­lung en­de­te wie be­rich­tet mit ei­nem Ver­gleich.

Ent­schei­dend für sei­nen Rück­zug aus dem Amt sei auch ge­we­sen, dass er fest­ge­stellt ha­be, dass auch im Rem­chin­ger SPD-Orts­ver­ein die glei­che Hin­ter­türPo­li­tik statt­fin­de. Hier sei er Au­ßen­sei­ter ge­we­sen, weil er sich kri­tisch zum um­strit­te­nen Rat­haus­neu­bau in Wil­fer­din­gen ge­äu­ßert ha­be. Da­her sei er zum Kel­ter­ner Orts­ver­ein ge­wech­selt. Auch hier will er nicht lan­ge blei­ben und die Par­tei gar ganz ver­las­sen. „Ich füh­le mich hier nicht mehr Zu­hau­se. Es ha­ben sich vie­le Klei­nig­kei­ten auf­ad­diert“, sagt der Sin­ge­ner, der der­zeit noch Wirt­schafts­ma­the­ma­tik stu­diert und auf Ar­beits­su­che ist.

Die Kreis­ge­nos­sen sind über­rascht von Non­nen­ma­chers Rück­tritt. „Wir stan­den al­le un­ter Schock­star­re und wa­ren dar­auf nicht vor­be­rei­tet. Trotz­dem ha­ben ei­ni­ge er­war­tet, dass et­was pas­siert, weil die ver­gan­ge­nen Mo­na­te nicht so har­mo­nisch wa­ren“, schil­dert Paul Ren­ner sei­ne Ein­drü­cke von der Ver­samm­lung in Isprin­gen. Ren­ner und Si­gu­ne Wie­land, die bis­her stell­ver­tre­ten­de Kreis­vor­sit­zen­de wa­ren, füh­ren nun ge­mein­sam kom­mis­sa­risch die Ge­schäf­te des Kreis­ver­bands. Bei der nächs­ten Sit­zung Mit­te Fe­bru­ar soll dann ein neu­er Vor­stand ge­wählt wer­den. Trotz har­mo­ni­scher Stö­run­gen und Dif­fe­ren­zen ha­be das Kreis­team gut zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, so Ren­ner, der den Rück­tritt auch als Neu­start sieht und nach vor­ne bli­cken will.

Die Ent­schei­dung Non­nen­ma­chers müs­se ak­zep­tiert wer­den, sagt Si­gu­ne Wie­land, die den Zeit­punkt des Rück­tritts über­ra­schend fin­det. Nun müs­se der Kreis­vor­stand be­spre­chen, wie es wei­ter­geht und als Team ge­schlos­sen zu­sam­men­ar­bei­ten – mit Blick auf die Bun­des­tags­wahl im kom­men­den Jahr.

Deut­li­che Wor­te fin­det der ehe­ma­li­ge Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Knapp, des­sen Zweit­kan­di­dat Non­nen­ma­cher bei der Land­tags­wahl im ver­gan­ge­nen März war. Der Rück­tritt sei „über­fäl­lig“ge­we­sen. Non­nen­ma­cher sei der Aus­lö­ser für den Ge­richts­streit im Som­mer ge­we­sen. Es sei un­mög­lich ge­we­sen, was da ge­lau­fen ist. Au­ßer­dem ha­be sich Non­nen­ma­cher En­de 2015 aus dem Wahl­kampf zu­rück­ge­zo­gen und Knapp sit­zen ge­las­sen. „Das war ge­nau an­ders­her­um“, ent­geg­net Non­nen­ma­cher. „Ich bin raus­ge­drängt“wor­den und Tho­mas Knapp woll­te nicht, dass ich et­was zu sa­gen ha­be.“

Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Kat­ja Mast lob­te ges­tern Non­nen­ma­chers Ar­beit. Er ha­be sie un­ter­stützt in ih­rer Po­li­tik „raus zu den Men­schen“. Die Par­tei müs­se nun nach vor­ne bli­cken und sich für die Bun­des­tags­wahl auf­stel­len.

Non­nen­ma­cher wit­tert „po­li­ti­sche In­tri­ge“

Foto: Archiv/ro

HAR­MO­NIE-STÖ­RUN­GEN gab es laut des zu­rück­ge­tre­te­nen SPD-Kreis­vor­sit­zen­den Nils Non­nen­ma­cher (Mit­te) zwi­schen ihm und sei­nem Stell­ver­tre­ter Paul Ren­ner. Links: die stell­ver­tre­ten­de Kreis­vor­sit­zen­de Si­gu­ne Wie­land.

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