„Mich reißt nichts mehr aus dem Boot“

Fe­li­cia Ruh­land geht mit Ese­lin­nen auf Kin­der­gar­ten-Tour / Si­tua­ti­on auf Gna­den­hof an­ge­spannt

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Il­lin­gen. „Ach, die hö­ren schon auf, wenn sie ge­nug ha­ben“, sagt Fe­li­cia Ruh­land la­chend an­ge­sichts der zahl­rei­chen Mohr­rü­ben, die ih­ren bei­den be­tag­ten Ese­lin­nen Ro­sa­lie und An­ge­li­ka von min­des­tens 40 Kin­der­hän­den ent­ge­gen ge­streckt wer­den. Die Be­trei­be­rin des Tier- und Gna­den­hofs in Il­lin­gen macht ih­re üb­li­che Kin­der­gar­ten-Run­de zur Ni­ko­laus­zeit. „Heu­te drei, mor­gen noch mal drei“, sagt sie. Mit dem Hän­ger fährt sie vor, die zwei lang­oh­ri­gen Grau­tie­re sind es schon ge­wöhnt, dass sie zur nächs­ten Fut­ter- und Kraul-Sta­ti­on bug­siert wer­den. Sie ma­che das, so Fe­li­cia Ruh­land, nicht aus Wer­be­zwe­cken, auch sol­le es kei­ne Mit­leids­tour sein. „Für mich ist das Weih­nach­ten“, sagt sie. „Ich ma­che das wirk­lich nur, um den Kin­dern ei­ne Freu­de zu ma­chen.“Im Ge­päck hat sie nicht nur die Ese­lin­nen, son­dern auch noch Spen­den der ört­li­chen Un­ter­neh­men in Form von Back­wa­ren, Weih­nachts­ster­nen und Äp­feln. Und na­tür­lich ste­hen auch im je­wei­li­gen Kin­der­gar­ten wie der Kin­der­ta­ges­stät­te „Schatz­kis­te“in der Banz­haf­stra­ße in Il­lin­gen im­mer Le­cke­rei­en für die Tie­re be­reit.

Für Fe­li­cia Ruh­land, die seit 17 Jah­ren den Gna­den­hof be­treibt und nach ei­ge­nen An­ga­ben schon viel Geld in­ves­tiert hat, um die Tech­nik und über­haupt den Hof am Lau­fen zu hal­ten, ist der Be­such bei den Kin­dern ei­ne will­kom­me­ne Atem­pau­se. Denn das Da­mokles­schwert des Raus­wurfs (der Pforz­hei­mer Ku­ri­er be­rich­te­te) schwebt nach wie vor über ihr und sie muss da­mit rech­nen, dass sich die Si­tua­ti­on jetzt zu­spitzt. Mit Ent­span­nung oder gar weih­nacht­li­chem Frie­den ist nicht zu rech­nen, im Ge­gen­teil. „Aber mich reißt nichts mehr aus dem Boot, ich le­be ja schon Jah­re da­mit“, sagt die Frau, die der­zeit 58 Tie­re auf ih­rem Hof be­treut und pflegt: Hun­de, Kat­zen, zwei neue Rie­sen-Ha­sen, Pfer­de, Schwei­ne, Hüh­ner. „Da ist stän­dig ein Kom­men und Ge­hen. Mal ster­ben Tie­re, dann kom­men Neue.“Sie selbst sieht sich als wich­ti­ge so­zia­le Kom­po­nen­te von Il­lin­gen. Nicht nur zum Ni­ko­laus, wo sie mit ih­ren Tie­ren den Kin­dern die Na­tur und ih­re Le­be­we­sen ver­mit­teln möch­te. Auf ih­ren Hof kom­men auch trau­ma­ti­sier­te Kin­der mit ih­ren Be­glei­tern. „Die Tie­re wis­sen von selbst, dass die Hil­fe brau­chen.“

An­ge­sichts der stän­di­gen Un­ge­wiss­heit gibt Fe­li­cia Ruh­land aber nicht auf. „Mein Wil­le und mein Geist sind un­ge­bro­chen. Ich wer­de im­mer wei­ter­ma­chen mit mei­nen Tie­ren, und wenn ich un­ter der Brü­cke schla­fen muss.“

Und dann be­kom­men die Esel noch ein Weih­nachts­lied von den Kin­dern der Ta­ges­stät­te „Schatz­kis­te“in ih­re lan­gen Oh­ren ge­sun­gen. „Da wird Ro­sa­lie im­mer ganz an­däch­tig und wiegt sich hin und her“, hat Ruh­land fest­ge­stellt. Und ab geht es wie­der auf den Hän­ger und zum nächs­ten Kin­der­gar­ten.

LANGOHRIGER BE­SUCH im Gar­ten der Kin­der­ta­ges­stät­te „Schatz­kis­te“in Il­lin­gen: Fe­li­cia Ruh­land und ih­re bei­den Ese­lin­nen Ro­sa­lie und An­ge­li­ka ge­hen fast un­ter in der Kin­der­men­ge, die be­geis­tert füt­tert und strei­chelt. Foto: Roth

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