Spar­sam, aber nicht bil­lig

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR -

Ein Auf­kle­ber am Ar­ma­tu­ren­brett warnt, dass die Win­ter­rei­fen des Test­wa­gens nur für Ge­schwin­dig­kei­ten bis 210 Ki­lo­me­ter pro St­un­de zu­ge­las­sen sind. Aber ganz so leis­tungs­stark ist die neue Top­mo­to­ri­sie­rung des kleins­ten Volks­wa­gen dann doch nicht ge­ra­ten. Der auf­ge­la­de­ne Drei­zy­lin­der mit ei­nem Li­ter Hu­b­raum und 90 PS treibt den frisch re­no­vier­ten Klein­wa­gen of­fi­zi­ell auf ma­xi­mal 185 Sa­chen. Selbst berg­ab mit Rü­cken­wind wä­re Tem­po 210 al­so nicht zu er­rei­chen.

Im All­tag spielt Höchst­ge­schwin­dig­keit oh­ne­hin ei­ne ge­rin­ge­re Rol­le als Be­schleu­ni­gung und Elas­ti­zi­tät. Und da über­trifft der Neue den bis­her stärks­ten 75-PS-Mo­tor, der üb­ri­gens 172 St­un­den­ki­lo­me­ter schafft, deut­lich: Der Stan­dard­sprint auf 100 St­un­den­ki­lo­me­ter dau­ert 9,9 statt 13,5 Se­kun­den, beim Ein­fä­deln in den Au­to­bahn­ver­kehr ver­ge­hen zwi­schen Tem­po 80 und 120 ge­ra­de zehn Se­kun­den; beim schwä­che­ren Bru­der sind es 15.

Wer häu­fig der­ar­ti­ge Leis­tung ab­for­dert und bei­spiels­wei­se beim Am­pel­start im­mer vor­ne dran sein will, wird mit Durch­schnitts­ver­bräu­chen um acht Li­ter be­straft. Bei vor­wie­gend zi­vi­ler Gan­gart je­doch steht durch­ge­hend ei­ne Fünf vor dem Kom­ma. Gä­be es ei­nen sechs­ten Gang, wä­re ver­mut­lich noch we­ni­ger drin. Denn der Tur­bo er­laubt sehr nie­der­tou­riges Fah­ren, schon bei 1 500 Um­dre­hun­gen der Kur­bel­wel­le steht das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment zur Ver­fü­gung. Der be­sag­te 75-PS-Sau­ger ver­fügt da über merk­lich we­ni­ger Durch­zug, braucht aber ähn­lich viel Sprit. An­ge­sichts von nur 650 Eu­ro Preis­dif­fe­renz dürf­te da die Ent­schei­dung für den stär­ke­ren Mo­tor leicht fal­len.

Ob­wohl es ja bei Klein­wa­gen auf je­den Eu­ro an­kommt, hat sich der Up in Deutsch­land vom Start weg bes­ser ver­kauft als al­le Klas­sen­ka­me­ra­den, von de­nen vie­le mit güns­ti­ge­ren Prei­sen lo­cken. Der Up star­tet jetzt no­mi­nell bei knapp un­ter 10 000 Eu­ro, mit dem 90-PS-Mo­tor und mitt­le­rem Aus­stat­tungs­ni­veau sind es schon 12300. Wer sich obend­rein von der Auf­preis­lis­te in­spi­rie­ren lässt, zahlt am En­de mehr als 15000 Eu­ro. Von der Zier­leis­te über Pols­ter­stof­fe bis zur Spe­zi­al­la­ckie­rung ist mit dem Face­lift ei­ne gro­ße Aus­wahl an Ex­tras neu ins Pro­gramm ge­kom­men, die die auf Äu­ßer­lich­kei­ten be­dach­te Kund­schaft of­fen­kun­dig ver­langt. So­gar für das Ar­ma­tu­ren­brett gibt es zehn ver­schie­de­ne De­signs.

Auch im Ba­sis­trimm un­ter­schei­det sich der klei­ne VW vom bis­he­ri­gen Mo­dell vor al­lem durch Äu­ßer­lich­kei­ten: Neue Leuch­ten vorn und hin­ten, zu­sätz­li­che Chrom­leis­ten oder Blin­ker in den Au­ßen­spie­geln las­sen sich eben recht kos­ten­güns­tig rea­li­sie­ren. Bei der In­nen­ein­rich­tung wur­de zum Bei­spiel ein häu­fig kri­ti­sier­tes De­tail um­ge­baut: In der Fah­rer­tür fin­den sich jetzt die üb­li­chen zwei Fens­ter­he­ber; zu­vor konn­te man das rech­te Fens­ter nur mit ei­nem Knopf in der Bei­fah­rer­tür be­die­nen. Beim In­fo­tain­ment ver­zich­tet VW auf teu­re Ein­bau­lö­sun­gen, son­dern bie­tet ei­ne Hal­te­rung für das Smart­pho­ne an, das sich dann draht­los mit der Bord­elek­tro­nik ver­bin­det. Schon schal­len Mu­sik oder Na­vi­ga­ti­ons­hin­wei­se des Han­dys aus den Laut­spre­chern des Au­tos.

Vorn ist das Platz­an­ge­bot des Vier­sit­zers un­ver­än­dert gut, Pas­sa­gie­re hin­ten soll­ten kei­ne all­zu lan­gen Bei­ne ha­ben. In al­ler Re­gel dürf­te die Rück­bank aber – ge­ge­be­nen­falls flach­ge­legt – für Trans­port­gut ge­nutzt wer­den, denn der Kof­fer­raum bleibt klas­sen­üb­lich klein. Ei­ne Zwei­er­be­sat­zung bringt na­tür­lich mü­he­los Ge­päck für ei­nen lan­gen Ur­laub un­ter. Das Ziel darf auch gern ein, zwei Ta­ges­rei­sen ent­fernt lie­gen, denn der Up bie­tet ei­nen ver­gleichs­wei­se ho­hen Fahr­kom­fort. Von der Gü­te der Sit­ze bis zur Ge­räusch­däm­mung über­trifft er vie­le Klas­sen­ka­me­ra­den. Die Fe­de­rung hin­ter­ließ die­ses Mal al­ler­dings ei­nen et­was un­har­mo­ni­schen Ein­druck – wahr­schein­lich wa­ren die Win­ter­rei­fen schuld. sob

Foto: Werk

AUF­GE­FRISCHT: Volks­wa­gens Kleins­ter be­kam zum Face­lift auch ei­ne neue Top­mo­to­ri­sie­rung.

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