Mäd­chen­kram für gro­ße Jungs

Pforzheimer Kurier - - HOBBY UND FREIZEIT - Foto: Hors­ten

ei­nem Tisch vol­ler bun­ter Stoff­po­nys steht der 27-jäh­ri­ge Vin­nie. Voll­bart, graue Strick­müt­ze, un­ter dem hell­blau­en T-Shirt mit auf­ge­druck­tem Po­ny span­nen sich Mus­keln. „Un­ter der Wo­che ar­bei­te ich als Nu­kle­ar-In­ge­nieur, auch wenn das jetzt wahr­schein­lich ge­ra­de nicht so aus­sieht“, sagt er und grinst. „Aber in mei­ner Frei­zeit dreht sich al­les um klei­ne bun­te Po­nys.“Vin­nie und sein Freund Mi­ke, der ne­ben ihm am Ver­kaufs­stand steht be­zeich­nen sich selbst als „Bro­nys“(auch „Bro­nies“ge­schrie­ben).

Das Kunst­wort aus „Bro­ther“(Bru­der) und „Po­ny“steht für Män­ner, die sich für die Zei­chen­trick­aben­teu­er rund um „Mein klei­nes Po­ny“(Ori­gi­nal: „My Litt­le Po­ny“) be­geis­tern. Die bun­ten Kunst­stoff­fi­gu­ren und ih­re Zei­chen­trick-Aben­teu­er rich­ten sich ei­gent­lich an klei­ne Mäd­chen, aber im­mer mehr er­wach­se­ne Män­ner ou­ten sich als Fans und spren­gen da­mit al­le Ge­schlech­ter­gren­zen.

„Zum ers­ten Mal ha­be ich die Se­rie bei Freun­den ge­se­hen, de­ren klei­ne Toch­ter sie an­ge­schaut hat“, er­zählt Vin­nie, der in Chi­ca­go lebt. „Ich hat­te gro­ße Vor­ur­tei­le da­ge­gen, aber dann fand ich es über­ra­schen­der­wei­se su­per. Es geht haupt­säch­lich um Freund­schaft und da­mit kön­nen sich al­le Al­ters­grup­pen und Ge­schlech­ter iden­ti­fi­zie­ren.“Fast al­le sei­ne Freun­de sei­en in­zwi­schen auch Bro­nys, sagt Vin­nie. „Ein paar fin­den es na­tür­lich auch ko­misch, dass ich mich da­für in­ter­es­sie­re. Sie zie­hen mich manch­mal da­mit auf, aber meis­tens igno­rie­ren wir das The­ma dann ein­fach.“

Ge­mein­sam mit Mi­ke reist Vin­nie an vie­len Wo­che­n­en­den zu Bro­ny-Tref­fen. Dort ver­kau­fen sie dann Stoff-Po­nys, ge­näht von Mi­kes Freun­din. Die rund 130 ver­schie­de­nen Po­ny-Ver­sio­nen kos­ten um­ge­rech­net bis zu 100 Eu­ro. „Am An­fang ha­ben wir nur ein paar Dut­zend ver­kauft, aber in­zwi­schen sind es so vie­le, dass sich die Rei­sen loh­nen, selbst wenn wir bis an die West­küs­te flie­gen“, sagt der im Bun­des­staat De­la­ware le­ben­de Mi­ke, der un­ter der Wo­che in ei­nem Ko­s­tüm­la­den arHin­ter Ganz so vie­le Po­nys wie an dem Ver­kaufs­stand hät­ten er und sei­ne Freun­din nicht bei sich zu Hau­se. „Aber schon ei­ni­ge – und na­tür­lich Pos­ter.“

Dem­nächst rei­sen Vin­nie und Mi­ke wie­der zur „PonyCon“nach New York, wie Hun­der­te an­de­re Fans auch. Ne­ben dem Stand der bei­den Bro­nys fin­den sich Dut­zen­de wei­te­re, die Schmuck, Klei­dungs­stü­cke, Pos­ter und Kunst rund um die klei­nen bun­ten Po­nys ver­kauf­ten. Auf der Büh­ne wer­den Po­nys be­sun­gen, Syn­chron­spre­cher und Dreh­buch­au­to­ren der Se­rie ge­ben Au­to­gram­me, Po­ny-Com­pu­ter­spie­le ste­hen be­reit. In der Ecke sitzt die ei­gent­li­che Ziel­grup­pe: Klei­ne Mäd­chen ma­len und las­sen sich schmin­ken.

Bro­nys ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von ei­ner klei­nen In­ter­net-Ge­mein­de zum Trend­phä­no­men ent­wi­ckelt. Fast 10 000 Bro­nys kom­men je­des Jahr im Som­mer zum größ­ten Fan­tref­fen, der „Bro­nyCon“in Bal­ti­more. Her­stel­ler Has­bro, der die Kunst­stoff­po­nys einst in den 80er Jah­ren in die Kin­der­zim­mer der Welt brach­te, hat längst ei­ne eigene – teu­re­re – Li­nie für Er­wach­se­ne auf den Markt ge­bracht, die sich blen­dend ver­kauft. Und der Trend brei­tet sich aus: Das deut­sche On­li­ne-Fo­rum „bro­nies.de“hat weit über 10 000 Mit­glie­der.

Bro­nys such­ten nach Si­cher­heit und Ge­bor­gen­heit in ei­ner Welt vol­ler Sor­gen über Ter­ror und Ag­gres­si­on, sagt die Wis­bei­tet. sen­schaft­le­rin Mar­sha Red­den, die zum The­ma forscht. Bro­nys sei­en im Ver­gleich zur Durch­schnitts­be­völ­ke­rung an­sons­ten nicht au­ßer­ge­wöhn­lich. Ent­ge­gen al­ler Vor­ur­tei­le und Kli­schees sei­en sie auch nicht al­le ho­mo­se­xu­ell. Am meis­ten über­rascht ha­be sie, dass sich die Bro­nys von den Zei­chen­trick­ver­sio­nen An­re­gun­gen für ihr Le­ben ho­len. Chris­ti­na Hors­ten

ERNST­HAFT VER­SPIELT: Vin­nie und Mi­ke an ih­rem Po­ny-Ver­kaufs­stand.

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