Fle­xi­bi­li­tät will gut ge­plant sein

Pforzheimer Kurier - - FAMILIE UND GESELLSCHAFT -

In die Freu­de über die be­vor­ste­hen­de Ge­burt mi­schen sich bei wer­den­den El­tern auch Sor­gen, wie es mit der Ar­beit wei­ter­geht. Sie kön­nen bis zu drei Jah­re in El­tern­zeit ge­hen, um sich um ihr Kind zu küm­mern. Doch wann tei­len sie dem Chef ih­re Plä­ne mit?

Auf je­den Fall nicht über­stürzt, lau­tet der Rat von Sil­ke Me­kat. Sie ist Coach zum The­ma Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf. Erst mal müs­sen sich die Part­ner ab­spre­chen, wie al­les lau­fen soll. „Wie möch­ten wir als Fa­mi­lie le­ben? Wer tritt kür­zer? Was kön­nen wir uns leis­ten?“, for­mu­liert Me­kat Fra­gen, die sich dann stel­len.

So­bald die­se ge­klärt sind, soll­ten wer­den­de El­tern das ers­te Gespräch mit dem Chef su­chen und über die El­tern­zeit-Plä­ne spre­chen. Be­vor sie den An­trag ab­ge­ben, soll­ten sie ge­nau pla­nen: sechs, zwölf oder 24 Mo­na­te? Denn den Zeit­punkt für zwei der drei Jah­re El­tern­zeit muss man schon im ers­ten An­trag fest­le­gen. Am bes­ten legt man sich al­so erst ein­mal für zwei Jah­re fest und ent­schei­det erst spä­ter über das drit­te Jahr, um es op­ti­mal an die ei­ge­nen Be­dürf­nis­se an­zu­pas­sen, rät Me­kat.

Die­se auf­ge­spar­ten zwölf Mo­na­te kön­nen bis zum ach­ten Ge­burts­tag des Kin­des ein­ge­setzt wer­den, bei­spiels­wei­se für die ers­te Zeit im Kin­der­gar­ten oder bei der Ein­schu­lung. Wer in sei­nem ers­ten An­trag an­ge­kün­digt hat, nach 14 Mo­na­ten zu­rück­zu­kom­men, dann aber doch län­ger in El­tern­zeit blei­ben möch­te, sei auf die Ku­lanz sei­nes Ar­beit­ge­bers an­ge­wie­sen, er­klärt Nat­ha­lie Obert­hür, Ar­beits­recht­le­rin in Köln. Lehnt der das ab, muss man zum an­ge­ge­be­nen Zeit­punkt auch wie­der ar­bei­ten. An­dern­falls kann ei­nem mög­li­cher­wei­se so­gar ge­kün­digt wer­den. Auch um­ge­kehrt gilt: Wer frü­her aus der be­an­trag­ten El­tern­zeit an sei­nen Ar­beits­platz zu­rück möch­te, ist auf das Wohl­wol­len der Fir­ma an­ge­wie­sen. Die­se muss ei­nen nicht eher wie­der be­schäf­ti­gen, son­dern kann auf die Ein­hal­tung der El­tern­zeit be­ste­hen.

Fle­xi­bler sind El­tern, wenn sie an­ge­kün­digt ha­ben, im Lau­fe ih­rer El­tern­zeit auf Teil­zeit-Ba­sis zu­rück­kom­men zu wol­len. „Wer die El­tern­zeit ver­bind­lich plant, die Teil­zeit je­doch nur va­ge an­kün­digt, ist frei­er in der Ent­sch­ei- dung. Der Ar­beit­ge­ber ist aber auch frei­er in der Ab­leh­nung“, er­läu­tert Obert­hür. Wer ei­ne Rück­kehr in Teil­zeit zu ei­nem fes­ten Da­tum schrift­lich ver­ein­bart hat, ist da­ge­gen an die­se Zu­sa­ge ge­bun­den. Die El­tern­zeit müs­sen El­tern in den ers­ten drei Le­bens­jah­ren des Kin­des spä­tes­tens sie­ben Wo­chen vor­her be­an­tra­gen, sagt Obert­hür. Da­nach steigt die Frist auf 13 Wo­chen an. Die­se Fris­ten soll­te man aber nicht aus­rei­zen, rät Me­kat. Auch 13 Wo­chen sei­en für ei­ne Fir­ma ex­trem kurz, um ei­nen län­ge­ren Aus­fall ei­ner Ar­beits­kraft ab­zu­fan­gen. „Wer län­ger in sei­ner Fir­ma blei­ben will, soll­ten den Jo­ker nicht zu kurz­fris­tig zie­hen.“Auch Obert­hür hält es für sinn­voll, sei­ne Pla­nun­gen mög­lichst früh­zei­tig mit­zu­tei­len. „Be­son­ders, wenn man in der El­tern­zeit in Teil­zeit ar­bei­ten will.“An­sons­ten hat der Ar­beit­ge­ber mög­li­cher­wei­se schon ei­ne Er­satz­kraft an­ge­stellt und kann ei­nen nicht wie ge­wünscht in Teil­zeit be­schäf­ti­gen.

Um das zu ver­mei­den, kön­nen wer­den­de El­tern die Teil­zeit-Rück­kehr in der El­tern­zeit schon beim An­trag re­geln. Manch­mal spielt die Rea­li­tät mit den ge­schmie­de­ten Plä­nen für die Ar­beit nicht mit, et­wa weil die Schließ­zei­ten des Kin­der­gar­tens das ge­wünsch­te Pen­sum nicht zu las­sen. So et­was soll­ten El­tern früh­zei­tig kom­mu­ni­zie­ren, sagt Me­kat. „Drei bis sechs Mo­na­te vorm Wie­der­ein­stieg soll­te man sich noch­mal mit dem Chef zu­sam­men­set­zen, um die Plä­ne für die Rück­kehr zu be­spre­chen.“Tom Ne­be

Teil­zeit-Rück­kehr bes­ser frü­her an­kün­di­gen

Foto: S.Ko­bold / Fo­to­lia.com

ERST MA­MA, DANN PA­PA – oder um­ge­kehrt. Die neue El­tern­zeit ist fle­xi­bler ge­wor­den, er­for­dert aber auch ein Min­dest­maß an Pla­nung.

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