Bru­nos per­fek­te Par­ty: „Wir tan­zen uns um den Ver­stand!“

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE - Interview: Stef­fen Rüth

Er hat vier Gram­mys, sechs Num­merEins-Singles in den US-Charts, und mit „Up­town Funk“ge­lang dem ge­bür­ti­gen Ha­waii­aner Bru­no Mars (31) in Kol­la­bo­ra­ti­on mit Mark Ron­son der welt­weit größ­te Hit der letz­ten zwei Jah­re. Nun kehrt der ak­tu­ell vi­el­leicht er­folg­reichs­te männ­li­che Pop­star – der al­le Lie­der selbst schreibt und pro­du­ziert – zu­rück mit sei­nem drit­ten Al­bum. Es heißt „24K Ma­gic“und be­fasst sich mit den schö­nen, sorg­lo­sen und he­do­nis­ti­schen Aspek­ten des Le­bens. Wir tra­fen Bru­no Mars in den „Glen­wood Stu­di­os“in Los An­ge­les, wo er sein Al­bum auch auf­ge­nom­men hat.

Bru­no, was be­deu­tet der Ti­tel „24K Ma­gic“und wo­rum ge­nau geht es in dem Song?

Bru­no Mars: „24K Ma­gic“be­schreibt ein Ge­fühl. Ein gei­les Ge­fühl, möch­te ich hin­zu­fü­gen (lacht). Der Song be­schreibt mei­ne Ide­al­vor­stel­lung von ei­nem per­fek­ten Abend. Als wir den Ti­tel vor Mo­na­ten hier im Stu­dio auf­nah­men, tru­gen wir al­le rich­tig fe­sche Kla­mot­ten und un­se­re schöns­ten Ju­we­len.

Wie sieht der per­fek­te Abend aus dei­ner Sicht denn aus?

Mars: Ich bin auf ei­ner Par­ty. Übe­r­all fließt Cham­pa­gner. Am bes­ten Erd­beer­cham­pa­gner, den lie­ben die La­dies. Und al­le ha­ben sich rich­tig hübsch ge­macht, die Mäd­chen tra­gen vi­el­leicht gro­ße, run­de Ohr­rin­ge und übe­r­all Gold. Und heiß ist es im Club, rich­tig heiß. Ich schwit­ze, mein Schweiß tropft auf al­le an­de­ren, auch ich bin nass vom Schweiß der Leu­te.

Wird auch ge­tanzt?

Mars: Machst du Wit­ze? Selbst­ver­ständ­lich wird ge­tanzt. Des­halb sind wir doch da! Wir tan­zen uns um den Ver­stand.

Was ist dein Drink der Wahl?

Mars: An­fangs hal­te auch ich mich an den Erd­beer­cham­pa­gner. Der macht nicht be­trun­ken, son­dern bringt dich in die­se pri­ckeln­de Stim­mung. Spä­ter pro­bie­re ich dann die här­te­ren Sa­chen. Bei mir ist es so: Wenn ich aus­ge­he und trin­ke, dann trin­ke ich rich­tig. Bloß kei­ne hal­ben Sa­chen.

Al­so ein­fach nur ein paar Bier­chen ist nicht so dei­ne Art? Mars: Das bringt mir nichts. Ich bin ein Al­les-oder-nichts-Typ. Mit der glei­chen Ein­stel­lung ha­be ich mein Al­bum ge­macht, an­dert­halb Jah­re ha­ben wir uns hier ein­ge­schlos­sen und end­los an die­sen Songs ge­tüf­telt. Oft kam ich erst mor­gens um 3 oder 4 Uhr nach Hau­se, und selbst dann ha­be ich mir meis­tens noch­mal an­ge­hört, was wir am Tag ge­ar­bei­tet hat­ten. Oder die Kon­zer­te: Wir ge­ben al­les raus, wir se­hen toll aus, wir bie­ten ei­ne Show, die du nicht ver­gisst.

Bist du denn oft auf Par­tys?

Mars: Nein, im Ge­gen­teil. Ich bin nicht der Typ, der viel fei­ern geht. Wenn ich nicht tou­re, ver­brin­ge ich die Aben­de am liebs­ten mit mei­ner Freun­din und un­se­rem Hund auf dem So­fa, wir gu­cken ger­ne Se­ri­en und hän­gen ein­fach zu­sam­men ab. Mein pri­va­tes Le­ben ist nicht sehr auf­re­gend. Ich hal­te mich zu­rück. Ich kä­me auch nie­mals auf den Ge­dan­ken, mich in den so­zia­len Me­di­en zu ent­blö­ßen.

Im Song „Perm“for­derst du die Leu­te auf, Ins­ta­gram und Twit­ter zu ver­ges­sen und sich statt­des­sen nur auf die Mu­sik, nur auf den Mo­ment zu kon­zen­trie­ren. Sind Han­dys ins­ge­samt ein Stim­mungs­kil­ler?

Mars: To­tal. Ich neh­me meins nie mit, wenn ich aus­ge­he. Ich fin­de das be­scheu­ert, die­ses „Hey, guckt mal, wo ich ge­ra­de bin und wie viel Spaß ich ha­be“. Ich ha­be lie­ber Spaß, oh­ne on­li­ne zu sein und stän­dig blö­de Sel­fies zu ma­chen.

Dein letz­tes Al­bum „Un­or­tho­dox Ju­ke­box“er­schien vor über vier Jah­ren, An­fang 2015 schlug „Up­town Funk“ein. Wie sehr hat der Su­per­hit dei­ne neu­en Songs be­ein­flusst?

Mars: Die Ar­beit an „Up­town Funk“war ei­ne acht­mo­na­ti­ge Fol­ter für Mark Ron­son und mich. Wir hat­ten die Grund­idee, doch dann ging es im­mer wie­der hin und her, ich ha­be gar nicht mit­ge­zählt, wie oft die Num­mer zwi­schen­durch im Müll­ei­mer ge­lan­det war. Plötz­lich ging es ganz schnell, und der Song saß.

War­um hat Mark Ron­son nicht auch „24K Ma­gic“pro­du­ziert?

Mars: Mark ist ein Su­per­star. Er geht nicht mehr ans Te­le­fon, wenn ich an­ru­fe (lacht). Nein, Mark war auf Tour, als ich mit dem neu­en Al­bum an­fing. Er hat­te kei­ne Zeit, aber ir­gend­wann wer­den wir be­stimmt wie­der was zu­sam­men ma­chen.

Ich dach­te, du bist der Su­per­star.

Mars: Das will man ja selbst nicht von sich behaup­ten. Ich bin ein be­schei­de­ner Mann. Aber wenn du möch­test, schreib ger­ne, dass ich der Größ­te und Tolls­te bin (lacht).

Du bist auf Ha­waii in ei­ne Show­fa­mi­lie hin­ein­ge­bo­ren wor­den, stehst seit dei­nem vier­ten Le­bens­jahr auf der Büh­ne und bist nach di­ver­sen Rückschlä­gen mit Mit­te 20 be­rühmt ge­wor­den. Wie sehr mo­ti­viert dich der Er­folg?

Mars: Über­haupt nicht. Ein Pro­mi­nen­ter zu wer­den, das war nie Teil mei­nes Traums, den ich als Kind schon träum­te. Ich woll­te sin­gen, Mu­sik ma­chen. Mu­sik ist al­les, was ich kann und was ich ken­ne. Ich bin süch­tig da­nach, ein Mi­kro­fon in der Hand zu hal­ten. Das Ge­fühl, die Men­schen zum Tan­zen und Spaß ha­ben zu brin­gen, ist für mich ein sehr star­kes, eu­pho­ri­sie­ren­des Ge­fühl. Als Kind war ich glück­lich, wenn die Leu­te für mich klatsch­ten. Und wenn die Mäd­chen mich an­lä­chel­ten.

An wel­che Mäd­chen denkst du heu­te denn, wenn du dei­ne se­xy Lie­bes­lie­der singst?

Mars: Heu­te nur noch an mein Mäd­chen. Wir sind seit sechs Jah­ren glück­lich zu­sam­men. Hat Jes­si­ca Ca­ban dich ge­zähmt?

Mars: Das kann man so sa­gen. Frü­her war ich ein Wil­der, ich nahm mei­ne Chan­cen bei den Frau­en wahr. Das ist längst ganz an­ders, ich bin ja auch schon 31, kein klei­ner Jun­ge mehr. Ich spie­le je­den neu­en Song als ers­tes mei­ner Freun­din vor. Dann gu­cke ich, wie sie re­agiert, ob sie tanzt, ob sie lä­chelt. Wenn mein Lied mei­nem Mäd­chen ge­fällt, dann weiß ich, dass es gut ist.

„Ain’t No­bo­dy“klingt wie ein 30, 40 Jah­re al­ter Klas­si­ker, ob­wohl es neu ist.

Mars: Ich bin ein­fach los­ge­rit­ten auf die­ser läs­si­gen, groo­vi­gen Me­lo­die. Du bist ja stän­dig in Kon­kur­renz mit ei­ner Mil­li­on an­de­rer Songs da drau­ßen. Aber ich fin­de, ex­akt so auf die­se Art hat noch nie­mand je aus­ge­drückt, dass es sich die Liebs­te gut über­le­gen soll, ob sie ih­ren Mann ver­lässt. Weil: So schnell wird sie kei­nen kei­nen bes­se­ren fin­den.

Mu­si­ka­lisch hast du dich auf „24K Ma­gic“ver­gli­chen mit dem sti­lis­tisch brei­ter auf­ge­stell­ten „Un­or­tho­dox Ju­ke­box“deut­lich vom lo­cke­ren, un­be­schwer­ten HipHop und R&B der 80er und 90er Jah­re in­spi­rie­ren las­sen.

Mars: Ich bin in den Neun­zi­ger Jah­ren auf­ge­wach­sen, mit den Songs von Boys II Men, Ted­dy Ri­ley, Jim­my Jam and Ter­ry Le­wis. Die­ser groo­vi­ge, lo­cke­re Sound hat mir da­mals schon ex­trem gut ge­fal­len. Und ich er­in­ne­re mich auch, dass in mei­ner Kind­heit so­gar die Rap­per ge­tanzt ha­ben. Heu­te wür­de das wohl nicht mehr als cool gel­ten, aber ich stand to­tal dar­auf. Die­ses Ge­fühl von frü­her woll­te ich ein­fan­gen auf mei­nem Al­bum, des­halb ha­be ich zum Bei­spiel ei­nen Song mit der Soul-Pop-Le­gen­de Ba­by­face auf­ge­nom­men. In den 90ern war ein Lo­ve Song näm­lich noch ein rich­ti­ger Lo­ve Song.

Foto: Warner Mu­sic

AUF ZUR PYJAMAPARTY: Bru­no Mars.

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