Leich­te Film­kost ge­gen den Weih­nachts­kitsch

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE - Pe­ter Kohl

An­dré Dus­so­lier ist ei­ner der meist­be­schäf­tig­ten fran­zö­si­schen Film– und Fern­seh­stars und das schon seit ei­ni­gen Jahr­zehn­ten. Sei­ne ers­te gro­ße Rol­le spiel­te er in der bit­ter­bö­sen Far­ce „Ein schö­nes Mäd­chen wie ich“(1972) von Fran­cois Truf­faut. Da­nach trat er in den Fil­men von Chab­rol, Roh­mer, Ri­vet­te und vor al­lem von Alain Res­nais auf, die al­ler­dings nur Ci­ne­as­ten be­kannt sein dürf­ten.

Ein brei­te­res Pu­bli­kum, auch in Deutsch­land, er­reich­te er mit der Er­folgs­ko­mö­die „Drei Män­ner und ein Ba­by“. Das ist schon drei­ßig Jah­re her. Seit­dem ist er in Wür­de ge­al­tert. Zu­letzt war er in Sch­lön­dorffs his­to­ri­schem Kam­mer­spiel „Di­plo­ma­tie“in der Rol­le ei­nes schwe­di­schen Di­plo­ma­ten zu se­hen, der die Zer­stö­rung von Pa­ris beim Ab­zug der deut­schen Trup­pen zu ver­hin­dern ver­sucht. Er­folg­reich, wie man weiß.

Pa­ris ist auch der Schau­platz der Ko­mö­die „Ge­mein­sam wohnt man bes­ser“. Er­zählt wird ei­ne Ge­schich­te, wie sie in al­len Groß­städ­ten spie­len könn­te, wo Wohn­raum im­mer knap­per wird und wo Bes­s­er­ge­stell­te aus der äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on in groß­zü­gi­gen Alt­bau­ten woh­nen, wäh­rend nicht nur Stu­den­ten kaum noch be­zahl­ba­re Zim­mer fin­den. An­dré Dus­so­lier spielt in dem Film den pen­sio­nier­ten Fach­arzt und Wit­wer Hu­bert Jac­quin. Der führt nach dem Tod sei­ner Frau ein zu­rück­ge­zo­ge­nes Le­ben in sei­ner sehr ge­räu­mi­gen Alt­bau­woh­nung. Statt nach drau­ßen zu ge­hen und sich zu amü­sie­ren, legt er im ab­ge­dun­kel­ten Wohn­zim­mer Pa­ti- en­cen. Dann kommt aber doch noch durch ei­nen klei­nen Miss­griff Le­ben in sei­ne lu­xu­riö­se Bu­de – in Gestalt ei­ner jun­gen, quir­li­gen Frau. Am Schwar­zen Brett der Bä­cke­rei, die Hu­bert ab und an auf­sucht, schnappt er sich auf der Su­che nach ei­ner Putz­frau ein ver­meint­li­ches Stel­len­ge­such. Doch die Stu­den­tin Ma­nue­la, die er dar­auf­hin zu ei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch ein­lädt, ist kei­nes­wegs be­reit, sei­ne Woh­nung zu put­zen. Sie möch­te ein­zie­hen, und nach ei­ni­gem Hin und Her lässt sich der al­te Gries­gram er­wei­chen, Ma­nue­la, die ge­ra­de ihr Zim­mer in ei­ner Wohn­ge­mein­schaft ver­lo­ren hat, als Un­ter­mie­te­rin zu ak­zep­tie­ren, un­ter der Be­din­gung, dass sie sich um den Haus­halt und Ein­kauf, küm­mert. Das macht sie mehr schlecht als recht, weil sie mit Stu­di­um, Job und Par­ty­fei­ern aus­ge­las­tet ist. Den­noch er­liegt der al­te Mann dem vi­ta­len Charme sei­ner neu­en Mit­be­woh­ne­rin und ent­wi­ckelt für sie so et­was wie vä­ter­li­che Ge­füh­le. In ei­ner ge­mein­sam durch­fei­er­ten Nacht über­re­det sie ihn so­gar, aus der Zwei­er­ge­mein­schaft ei­ne Vie­rer-WG zu ma­chen.

Ori­gi­na­li­tät kann man der Ko­mö­die von Fran­cois De­sa­gnat nun wirk­lich nicht be­schei­ni­gen. Die Ge­schich­te des al­ten mür­ri­schen Ein­zel­gän­gers, des­sen ver­här­te­te See­le durch un­ver­hoff­te weib­li­che Ge­sell­schaft er­weicht wird, wur­de schon in „Früh­stück mit Mon­sieur Hen­ry“er­zählt und das Lob der Wohn­ge­mein­schaft wur­de schon in der Best­sel­ler­ver­fil­mung „Zu­sam­men ist man we­ni­ger al­lein“ge­sun­gen. Der Ver­leih­ti­tel spielt ja ganz un­ver­hoh­len dar­auf an.

Das Pro­blem die­ses Films ist nur, dass das ei­ne Mo­tiv das an­de­re über­la­gert und bei­de nicht recht zur Gel­tung kom­men. Der al­te Son­der­ling lässt sich im Eil­tem­po von Ma­nue­la be­zir­zen, die von der Ko­mö­di­an­tin Bé­ren­gè­re Krief mit Ver­ve und Witz ver­kör­pert wird. Schon kurz dar­auf zie­hen die et­was ver­spann­te Kran­ken­schwes­ter Ma­ri­on und der neu­ro­ti­sche An­walt Paul-Gé­r­ard ein, der in ei­nen Schei­dungs­krieg ver­wi­ckelt ist. Al­ler­dings sind die bei­den Fi­gu­ren, die für Auf­re­gung und vor al­lem für ei­ni­ge Al­bern­hei­ten sor­gen, nicht ganz durch­ge­zeich­net. Paul-Ger­ard führt sei­nen Tren­nungs­schmerz der­art thea­tra­lisch vor, in­klu­si­ve ver­such­ten Selbst­mords, dass er eher nervt als Mit­ge­fühl er­weckt, und Ma­ri­on scheint nur da­zu da, ihn auf an­de­re Ge­dan­ken zu brin­gen. Ein Run­ning Gag ist das Er­schei­nen ei­nes al­ten Freun­des von Hu­bert, der ihn aus sei­ner Woh­nung zu lo­cken ver­sucht, aber an­ge­sichts der jun­gen Frau­en, die ihm da die Tür öff­nen, den Ein­druck ge­win­nen muss, dass Hu­bert in Wirk­lich­keit ein ge­hei­mes, re­ges Liebesleben führt.

Mehr oder we­ni­ger ernst wird es dann noch ein­mal als Ma­nue­las Freund Ro­mé­deut­sche ro nach län­ge­rem Aus­lands­auf­ent­halt auf der Bild­flä­che er­scheint. Hu­bert spürt, was die nai­ve Ma­nue­la in ih­rer Ver­liebt­heit über­sieht: Die­ser Freund ist ein Schma­rot­zer, der ih­re Ge­füh­le miss­braucht. Wird es ihm ge­lin­gen, sei­ne Er­satz-Toch­ter vor Un­heil zu be­wah­ren? Kei­ne Sor­ge! „Ge­mein­sam wohnt man bes­ser“ist leich­te Film­kost, die we­der den Ge­fühls­haus­halt, noch den In­tel­lekt be­son­ders be­las­tet. Ei­ne schö­ne Ge­le­gen­heit mal für 90 Mi­nu­ten dem Vor­weih­nachts­stress und dem zu­cker­sü­ßen, kleb­ri­gen Weih­nachts­kitsch zu ent­kom­men. Am 22. De­zem­ber ist deut­scher Ki­no­start.

Foto: Ala­mo­de

WOHN­GE­MEIN­SCHAFT ZWI­SCHEN DEN GE­NE­RA­TIO­NEN: Der al­te Son­der­ling Hu­bert Jac­quin (An­dré Dus­so­lier) lässt sich im Eil­tem­po von Ma­nue­la (Bé­ren­gè­re Krief) be­zir­zen.

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