Rie­sen­ster­ne leuch­ten über den Gas­sen der Alt­stadt

St. Gal­len

Pforzheimer Kurier - - REISE -

stand ei­ne neue, fest­li­che Weih­nachts­be­leuch­tung auf dem Plan. Vor­her hat­te je­des ein­zel­ne Quar­tier, je­de Gas­se ih­re eigene. Es war der rich­ti­ge Zeit­punkt, St. Gal­len im Ad­vent ein ein­heit­li­ches Ge­sicht zu ge­ben. Und was für eins. Seit­her strah­len im Ad­vent Tag für Tag 700 der präch­ti­gen wei­ßen Rie­sen­ster­ne über den Stra­ßen und Gas­sen der Alt­stadt. Das tan­zen­de Licht der Leucht­kör­per mit ih­ren 14 Za­cken zau­bert himm­li­sche Re­fle­xe auf Geh­stei­ge und Häu­ser­fas­sa­den. Im Quar­tier rund um die Schüt­zen­gas­se ver­füh­ren wah­re Ster­nen­schwär­me die Be­su­cher zum Bum­meln in die Ad­vents­welt in­mit­ten der his­to­ri­schen Gas­sen. Wie übe­r­all er­war­tet der Weih­nachts­markt – hier mir rund 70 fest­lich ge­schmück­ten Bu­den mit Le­cke­rei­en und ei­ner Viel­zahl ab­wechs­lungs­rei­cher Ge­schenk­ide­en – sei­ne Gäs­te. Da­bei sorgt der „hei­ße Schütz“, das Glüh­bier der äl­tes­ten Schwei­zer Braue­rei am Schüt­zen­gra­ben eben­so für in­ne­re Wär­me wie der Glüh­wein. Oft ver­mischt sich der Duft des Glüh­weins mit dem nicht we­ni­ger ver­füh­re­ri­schen Duft vom Grill. Die be­rühm­te St. Gal­ler Brat­wurst, von Ken­nern als Olm­a­brat­wurst iden­ti­fi­ziert, genossen auf der Hand mit ei­nem Bür­li, stellt so­gar die ty­pi­schen Nürn­ber­ger Würst­chen in den Schat­ten. Stadt­füh­rer, die auf ver­schie­de­nen Pfa­den zu Füh­run­gen ru­fen, er­zäh­len so man­che An­ek­do­te, be­son­ders dann, wenn sie mit Tou­ris­ten auf den Spu­ren der En­gel un­ter­wegs sind. Die Be­woh­ner der Stadt, die nur ei­nen Kat­zen­sprung vom Bo­den­see ent­fernt ho­len näm­lich nicht nur die Ster­ne vom Him­mel, son­dern die En­gel gleich mit. Al­lein in und um die mäch­ti­ge Ka­the­dra­le ha­ben sich im Klos­terare­al 587 der mehr oder min­der paus­bä­cki­gen Flü­gel­trä­ger nie­der­ge­las­sen.

Zum Nach­zäh­len bleibt frei­lich wäh­rend der Füh­rung kei­ne Zeit, denn auch drau­ßen gibt es noch ei­ni­ge von ih­nen zu ent­de­cken. So zie­ren die Häu­ser der Alt­stadt 111 schmu­cke Er­ker, die uni­so­no na­tür­lich al­le auch ih­re ei­ge­nen En­gel ha­ben. Wer in die Ge­schich­te der Stadt ein­taucht, den ver­schlägt es ge­wiss auch in das

Ge­bäu­de des Klos­terare­als, das wohl ei­ner der Haut­grün­de da­für war, dass der Stifts­be­zirk be­reits 1983 als UNESCO-Welt­kul­tur­er­be ge­adelt wur­de. Die Stifts­bi­blio­thek be­her­bergt ei­ne ein­ma­li­ge Samm­lung von 170 000 his­to­ri­schen Bän­den, dar­un­ter 2 000 mit­tel­al­ter­li­che Ori­gi­nal­hand­schrif­ten. Tau­sen­de Be­su­cher schlur­fen Jahr für Jahr in di­cken Pan­tof­feln ehr­furchts­voll stau­nend vor­bei an Buch­liegt, rei­hen oh­ne En­de. Zu den span­nends­ten Ex­po­na­ten, die in den Vi­tri­nen zu be­stau­nen sind, ge­hört da­bei das Rei­se­buch von Georg Franz Mül­ler, der 1669 bis 1692 als Sol­dat in der Ost­in­disch-Hol­län­di­schen Kom­pa­nie ge­dient hat. Das reich il­lus­trier­te Büch­lein ist ei­ner der äl­tes­ten „Rei­se­füh­rer“welt­weit.

Wer nicht schon im „Chlaus­beiz­li“, ei­ner weih­nacht­li­chen In­sti­tu­ti­on in Sa­be­kann­tes­te chen Ol­ma­wurst und di­ver­ser Heiß­ge­trän­ke sei­nen Ap­pe­tit ge­stillt hat, der kommt si­cher­lich in ei­nem der ge­müt­li­chen Gast­häu­ser zu sei­nem Recht. Und weil an Schwei­zer Scho­ko­la­de kein Weg vor­bei führt, lan­det so man­cher in der Cho­co­la­te­rie am Klos­ter­platz. Hier kann man nicht nur sei­nen Ap­pe­tit auf die ka­lo­ri­en­rei­chen Tä­fel­chen stil­len, son­dern die hei­ßen Trink­scho­ko­la­den, die auf den Tisch kom­men, sind eben­so ab­wechs­lungs­reich wie le­gen­där.

Als Stadt, de­ren Reich­tum über Jahr­zehn­te auf der Tex­til­in­dus­trie ruh­te, kann St. Gal­len auf ein sehr se­hens­wer­tes Tex­til­mu­se­um ver­wei­sen. Au­ßer­dem ist die La­ge des Städt­chens auch im Win­ter ein gu­tes Ar­gu­ment für ei­nen Be­such. Die hüb­sche Bo­den­see­stadt Rohr­schach, wo auch die Schif­fe der Bo­den­see­flot­te Sta­ti­on ma­chen, liegt nur gut 15 Au­to­mi­nu­ten ent­fernt. Nicht viel wei­ter ist es Rich­tung Sü­den, in die Win­ter­wun­der­welt der Ber­ge am Fu­ße des Sän­tis oder des Ho­hen Kas­tens.

Axel Schei­be

Ser­vice

HIMM­LI­SCHES LICHT: 700 präch­ti­ge Rie­sen­ster­ne leuch­ten in der Vor­weih­nachts­zeit in den Alt­stadt­gas­sen von St. Gal­len. Der größ­te Schatz der Stadt un­weit des Bo­den­sees ist die Stifts­bi­blio­thek mit 170 000 Bü­chern. Fotos: Swiss image / Schei­be

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