„Wie ein Rie­sen­go­ril­la“

Film­preis-Ga­la be­schert Ma­ren Ade vor­ge­zo­ge­ne Ge­burts­tags­ge­schen­ke

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von Na­ta­lie Skrzyp­cz­ak, El­ke Vo­gel und Andre­as Jütt­ner

Bres­lau. Was für ein vor­ge­zo­ge­nes Ge­burts­tags­ge­schenk! Am heu­ti­gen Mon­tag wird die aus Karls­ru­he stam­men­de Fil­me­ma­che­rin Ma­ren Ade 40 Jah­re alt, am Sams­tag­abend hat sie beim 29. Eu­ro­päi­schen Film­preis in Bres­lau ei­nen his­to­ri­schen Tri­umph ge­fei­ert. Mit fünf No­mi­nie­run­gen hat­te ih­re Tra­gi­ko­mö­die „To­ni Erd­mann“zwar als Fa­vo­rit ge­gol­ten – dass der Film aber dann auf gan­zer Stre­cke das Ren­nen ma­chen wür­de, ent­sprach nicht zwin­gend den Ge­set­zen der Bran­che. „Ich bin sehr glück­lich und ge­ehrt“, sag­te die Fil­me­ma­che­rin.

Ei­gent­lich ste­he sie nicht ger­ne im Schein­wer­fer­licht, son­dern lie­ber hin­ter der Ka­me­ra, hat­te Ade noch vor der Ga­la ge­sagt. An Preis­re­gen und Ram­pen­licht fand sie dann doch Ge­fal­len. „Das ist der Teil am Fil­me­ma­chen, den ich am meis­ten ge­nie­ße“, sag­te Ade, als sie den Dreh­buch­preis ent­ge­gen­nahm. Die­sen wid­me­te sie ih­rem ei­ge­nen Va­ter, der sie vie­les ge­lehrt ha­be – auch Hu­mor. „Das hilft nicht nur beim Dreh­buch­schrei­ben.“Of­fen­bar hilft es auch beim Ent­ge­gen- neh­men von Prei­sen: In ei­nem Ge­spräch mit der dpa ant­wor­te­te Ade auf die Fra­ge, wie sich der Sieg an­füh­le: „Es ist schön, es macht Spaß, es freut uns to­tal. Ein biss­chen fühlt man sich aber auch wie so ein Rie­sen­go­ril­la mit die­sen fünf Prei­sen. Das eu­ro­päi­sche Ki­no ist ja sehr viel­fäl­tig.“Als Fil­me­ma­che­rin hal­te sie ei­nen Wett­be­werb im Kul­tur­be­reich für ei­ne schwie­ri­ge Sa­che, „weil es na­tür­lich nie ei­nen bes­ten Film oder so et­was gibt.“Gleich­wohl hat „To­ni Erd­mann“seit der ge­fei­er­ten Pre­mie­re in Can­nes, wo er im Mai die­ses Jah­res viel Bei­fall, aber kei­nen Ju­ry-Preis er­hielt, zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen ein­ge­heimst.

San­dra Hül­ler hat­te sich ge­gen die eben­falls no­mi­nier­te Fran­zö­sin Isa­bel­le Hup­pert kei­ne Chan­ce aus­ge­rech­net und freu­te sich dann um­so mehr: „Wir ha­ben so viel Ar­beit rein­ge­steckt. Es ist ei­ne schö­ne Be­loh­nung.“Pe­ter Si­mo­ni­schek er­wisch­te die Eh­rung kalt – aus Aber­glau­ben hat­te er kei­ne Dank­sa­gung vor­be­rei­tet. „Ich ha­be vie­le da­von zu Hau­se, die ich nie ge­braucht ha­be“, sag­te er dem la­chen­den Pu­bli­kum.

Die Sta­tue für die bes­te Ko­mö­die ging nach Schwe­den für „Ein Mann na­mens Ove“von Han­nes Holm. Den Preis für den bes­ten Do­ku­men­tar­film be­kam der Ita­lie­ner Gi­an­fran­co Ro­si für sei­nen bei der Ber­li­na­le prä­mier­ten Film „See­feu­er“über die von vie­len Flücht­lin­gen an­ge­steu­er­te In­sel Lam­pe­du­sa.

„To­ni Erd­mann“er­zählt von der ehr­gei­zi­gen Un­ter­neh­mens­be­ra­te­rin Ines (Hül­ler) und ih­rem Alt-68er-Va­ter Win­fried (Si­mo­ni­schek), der sei­ne Toch­ter mit Witz und Lie­be aus de­ren fest­ge­fah­re­nen Le­bens­bah­nen ho­len möch­te und ihr hier­für in der Rol­le der bi­zar­ren Kunst­fi­gur To­ni Erd­mann ent­ge­gen­tritt. Es ist Ma­ren Ades drit­ter Film nach „Der Wald vor lau­ter Bäu­men“und „Al­le an­de­ren“.

IM GLANZ DER GA­LA: Ma­ren Ade (vor­ne) und das Team ih­res Films „To­ni Erd­mann“, dar­un­ter die eben­falls aus Karls­ru­he stam­men­de Pro­du­zen­tin Ja­ni­ne Jackow­ski (rechts), auf der Büh­ne beim Eu­ro­päi­schen Film­preis in Bres­lau. Fo­to: dpa

IM FO­KUS DER KA­ME­RA: San­dra Hül­ler und Pe­ter Si­mo­ni­schek als Un­ter­neh­mens­be­ra­te­rin Ines und ihr Va­ter Win­fried in „To­ni Erd­mann“. Fo­to: dpa

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