Schul­ter­schluss in Wi­en

Opec ei­nigt sich mit an­de­ren Öl­för­der­län­dern auf Ver­rin­ge­rung der Pro­duk­ti­on

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Mat­thi­as Röder

Wi­en. Vor knapp acht Mo­na­ten schei­ter­te der ers­te Ver­such von Opec-Staa­ten und an­de­ren Öl­för­der­län­dern wie Russ­land, sich auf ein Ein­frie­ren der Pro­duk­ti­ons­men­ge zu ei­ni­gen. Es schien der „An­fang vom En­de der Opec“zu sein, wie Ana­lys­ten mein­ten. Zu zer­strit­ten wa­ren die Mit­glieds­län­der. Das Über­an­ge­bot von Öl auf dem Welt­markt sorg­te wei­ter für Freu­de bei Au­to­fah­rern und Heiz­öl-Käu­fern.

Jetzt ist al­les an­ders. Der Lei­dens­druck ist ein­fach zu groß ge­wor­den. Ka­tars Öl­mi­nis­ter und Opec-Prä­si­dent Mo­ham­med Bin Sal­eh Al-Sa­da mein­te zum Auf­takt des Wie­ner Tref­fens un­ver­blümt: „Der Er­ho­lungs­pro­zess im Öl­markt hat viel zu lan­ge ge­dau­ert. Das hat schwer­wie­gen­de Fol­gen für Pro­du­zen­ten wie Kon­su­men­ten.“Die mas­si­ven Um­satz­ver­lus­te in der et­wa zwei­jäh­ri­gen Pha­se dra­ma­tisch fal­len­der Prei­se führ­ten zu schwe­ren Ein­schnit­ten in das bis­her so gol­de­ne so­zia­le Netz der Golf­staa­ten. De­fla­ti­on und nied­ri­ge, manch­mal gar ne­ga­ti­ve Zin­sen hät­ten ih­re Ur­sa­che auch in ei­nem nied­ri­gen Öl­preis, so Al-Sa­da.

Die Opec woll­te erst mit ei­ner Öl­schwem­me die teu­er pro­du­zie­ren­de Schie­fe­r­öl-Kon­kur­renz aus den USA aus dem Markt drän­gen. Nun schwenkt sie im be­mer­kens­wer­ten Schul­ter­schluss mit Nicht-Opec-Län­dern um. Russ­lands Ener­gie­mi­nis­ter Alex­an­der No­wak sprach vor dem Tref­fen von ei­nem „Fens­ter der Ge­le­gen­heit“– und war da­nach fest ent­schlos­sen, den nun ge­mein­sam ein­ge­schla­ge­nen Weg fort­zu­set­zen. Das klam­me Russ­land, ak­tu­ell mit rund elf Mil­lio­nen Bar­rel am Tag knapp vor Sau­di-Ara­bi­en größ­ter Öl­pro­du­zent der Welt, will sei­ne Ein­nah­men drin­gend er­hö­hen. Die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den der­zeit 13 Opec-Mit­glie­dern und dem Kreis der Nicht-Opec-Staa­ten soll gar in­sti­tu­tio­na­li­siert wer­den. Bei­de Sei­ten schwärm­ten von ei­nem „his­to­ri­schen Schritt“, der ei­ne lang­fris­ti­ge Ko­ope­ra­ti­on be­grün­den soll. Das dürf­te ein star­kes, preis­trei­ben­des Si­gnal für den Markt sein. „Die Dra­ma­tur­gie war sehr ge­lun­gen“, meint Alex­an­der Pögl vom For­schungs­in­sti­tut JBC.

Erst ha­be die Opec am 30. No­vem­ber mit ih­rem Be­schluss zur Ver­rin­ge­rung der Öl­pro­duk­ti­on um 1,2 Mil­lio­nen Bar­rel am Tag ei­nen Schritt ge­setzt – und nicht ein­mal zwei Wo­chen spä­ter fol­ge die­se Ver­ein­ba­rung über die Kür­zung von 558 000 Bar­rel am Tag von Sei­ten der Nicht-Opec-Län­der als wei­te­res Zei­chen der Hand­lungs­fä­hig­keit der Öl­staa­ten. Ob die Öl­schwem­me wirk­lich ab­ebbt, ist frag­lich. Mus­ter­kna­be Russ­land mit der dicks­ten Re­du­zie­rung um 300 000 Bar­rel täg­lich bleibt mit dann 10,9 Mil­lio­nen Bar­rel trotz­dem dicht un­ter Re­kord­ni­veau. „Es geht auch nicht gleich im Ja­nu­ar mit 300 000 Bar­rel los“, sag­te No­wak. In ei­nem all­mäh­li­chen Rück­gang wol­le man En­de März bei 200 000 Bar­rel sein, bei der vol­len Re­du­zie­rung erst im April oder Mai. Dann ist das ver­ein­bar­te hal­be Jahr re­du­zier­ter För­de­rung schon fast her­um.

Was das al­les für den deut­schen Au­to­fah­rer und die Be­sit­zer von Öl­hei­zun­gen be­deu­tet, ist noch schwer über­schau­bar. Ei­ne an­hal­ten­de Rück­kehr zu Öl­prei­sen jen­seits der 60 Dol­lar-Mar­ke – ak­tu­ell lie­gen sie bei rund 55 Dol­lar pro Bar­rel – scheint un­wahr­schein­lich. Zu groß ist das Öl­an­ge­bot auf dem Welt­markt. Aber die Öl­staa­ten zie­hen deut­lich wie lan­ge nicht an ei­nem ge­mein­sa­men Strang.

BE­DEU­TEN­DE EI­NI­GUNG: der rus­si­sche Ener­gie­mi­nis­ter Alex­an­der No­wak (links), Ka­tars Öl­mi­nis­ter und Opec-Prä­si­dent Mo­ham­med Bin Sal­eh Al-Sa­da (Mit­te) und der sau­di­ara­bi­sche Öl­mi­nis­ter Cha­lid al-Fa­lih (rechts) bei ih­rem Tref­fen in Wi­en. Fo­to: dpa

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