Leicht­fü­ßig und hei­ter

Ba­rock­mu­sik in Bruch­sal

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Das Ba­rock­en­sem­ble „Ac­ca­de­mia Gio­co­sa“aus Mün­chen trägt ein Ad­jek­tiv wie ein Mot­to in sei­nem Na­men: „gio­co­so“steht für scherz­haft, spie­le­risch, leicht­fü­ßig und hei­ter. Es ist er­staun­lich, dass die Mu­sik des Ba­rock, ei­ner Zeit, die von so viel Här­te ge­prägt war, so dies­sei­tig und le­bens­froh da­her­kommt. Auch heu­te noch er­freu­en wir uns an der schein­bar kon­flikt­lo­sen, geist- und schwung­vol­len Mu­sik, die aus dem Tanz ge­bo­ren scheint.

Das En­sem­ble „L’Ac­ca­de­mia Gio­co­sa“, zu Gast bei den Bruch­sa­ler Schloss­kon­zer­ten, mu­si­zier­te im Kam­mer­mu­sik­saal un­ter der Lei­tung von der Vio­lon­cel­lis­tin Kris­tin von der Goltz. Ein schö­ne­rer Ort als den hell, freund­lich und ele­gant wir­ken­den Saal lässt sich für die Mu­sik Jo­hann Cas­par Fer­di­nand Fi­schers, Jo­hann Mel­chi­or Mol­ters, An­to­nio Vi­val­dis, Jo­seph Bo­din de Bo­is­mor­tiers und Ge­org Phil­ipp Tele­manns kaum fin­den. Sind die Na­men Vi­val­di und Tele­mann weit­hin ge­läu­fig, müs­sen die an­de­ren Kom­po­nis­ten vor­ge­stellt wer­den: Fi­scher wirk­te am Ras­tat­ter Hof von Mark­graf Lud­wig Wil­helm von Ba­den, Mol­ter am Karls­ru­her Hof von Mark­graf Karl Wil­helm von Ba­denDur­lach, Bo­is­mor­tier kom­po­nier­te er­folg­reich für den frei­en Pa­ri­ser Mu­sik­markt. Kris­tin von der Goltz mu­si­zier­te die kur­zen Sät­ze sei­nes So­lo­kon­zerts von 1729 mit Schwung, Ener­gie und sprü­hen­der Mu­si­zier­lust. Die­ses Kon­zert war das ers­te, das in Frank­reich in der neu­en, in Ita­li­en von Vi­val­di ge­präg­ten Gat­tung ent­stand. Zur glei­chen Zeit kom­po­nier­te Mol­ter das Kon­zert für Vio­lon­cel­lo, Strei­cher und Bas­so con­ti­nuo C-Dur MWV 6 Nr. 7 für den Karls­ru­her Hof. Be­son­ders her­vor­zu­he­ben ist hier der ex­pres­si­ve, be­seel­te Ge­sang des So­lo­cel­los im lang­sa­men Mit­tel­satz. Fi­scher, ei­ne Ge­ne­ra­ti­on äl­ter als Mol­ter, schrieb vor 1700 sei­ne Sui­te für Strei­cher und Bas­so con­ti­nuo d-Moll op. 1 Nr. 4 mit ei­ner Ou­ver­tü­re und ei­ner Fol­ge von Tanz­sät­zen. Hier trat die „Ac­ca­de­mia Gio­co­sa“mit der größ­ten Be­set­zung auf die klei­ne Büh­ne: der Vio­li­ne eins und zwei wur­de je­weils ei­ne Oboe zur Sei­te ge­stellt. Mit fe­dern­den Rhyth­men und be­herz­tem, di­rek­tem Klang er­klan­gen die Tanz­sät­ze, span­nungs­reich den Schluss­satz, ei­ne aus­ge­dehn­te Pas­sa­ca­glia. Von Vi­val­di stand ei­ne Trio­so­na­te auf dem Pro­gramm: die Fol­lia für zwei Vio­li­nen und Bas­so con­ti­nuo d-Moll RV 63, ein hoch­vir­tuo­ser, kon­zen­trier­ter Wir­bel aus Ver­dich­tungs- und Stei­ge­rungs­ver­läu­fen. Nicht we­ni­ger le­ben­dig er­tön­te Tele­manns Sui­te Es-Dur TWV55: Ei­ner um­fang­rei­chen Ou­ver­tü­re folg­ten sechs mit „Aria“über­schrie­be­ne Tanz­sät­ze. Bir­git­ta Schmid

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