„Tris­tan“-Ak­kord im Herz ei­ner Jazz-Bal­la­de

Kon­zert „Re­flec­tions in Jazz“im Ba­di­schen Staats­thea­ter bot Wa­gner-Kom­po­si­tio­nen in un­ge­wohn­tem Klang

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Mit der Mu­sik Richard Wa­g­ners ist es ähn­lich wie mit Jazz: Wer sich ein­mal da­rin ver­liebt, trägt die­ses Ge­fühl meist das gan­ze Le­ben in sich. Nur er­zwin­gen las­sen sich die gro­ßen Emo­tio­nen nicht – sie kom­men von al­lein, oder viel­leicht auch nie. An die­sem Abend sind die Chan­cen für die­ses ge­wis­se Krib­beln im Bauch aber sehr hoch. Im Fahr­was­ser der neu­en Karls­ru­her „Ring“-Ins­ze­nie­rung stan­den we­ni­ge Ta­ge vor der gest­ri­gen Pre­mie­re der „Wal­kü­re“(Re­zen­si­on in der mor­gi­gen Aus­ga­be) die „Re­flec­tions in Jazz“des Frei­bur­ger Pia­nis­ten Hel­mut Lör­scher auf dem Pro­gramm. Die Ver­an­stal­tung des Richard Wa­gner Ver­bands Karls­ru­he im Klei­nen Haus des Ba­di­schen Staats­thea­ters lud da­zu ein, den Kom­po­nis­ten ein­mal von ei­ner ganz an­de­ren Sei­te zu ent­de­cken, und er­öff­ne­te neue Per­spek­ti­ven.

Mög­li­che Be­den­ken, die Ver­bin­dung von Jazz und Wa­gner könn­te even­tu­ell dop­pelt sper­rig da­her­kom­men, wischt das Trio mit Bernd Heitz­ler (Bass) und Ha­rald Rü­schen­baum (Schlag­zeug) be­reits mit den ers­ten Tak­ten bei­sei­te. Die Ar­ran­ge­ments, die Hel­mut Lör­scher je­weils im Vor­feld je­des Ti­tels mit lo­cke­ren Wor­ten vor­stellt, ver­ar­bei­ten die be­kann­ten The­men und Leit­mo­ti­ve glei­cher­ma­ßen un­ter­halt­sam wie fein­sin­nig. Der be­rühm­te „Tris­tan-Ak­kord“et­wa gibt in ei­ner zar­ten Jazz-Bal­la­de den Ton an, de­ren Me­lo­die so schön smooth und can­ta­bi­le da­her­kommt, dass ei­nem das Herz auf­geht. Der „Wal­kü­ren­ritt“wird kur­zer­hand in afro­ku­ba­ni­sche Rhyth­men ge­fasst und ver­liert da­durch sein pom­pö­ses Ge­tö­se. Und die Ge­schich­te des „Rhein­golds“wird an­statt in meh­re­ren St­un­den in ei­ner rund sie­ben­ein­halb-mi­nü­ti­gen Jazz-Fan­ta­sie mu­si­ka­lisch er­zählt.

Das al­les hat Groo­ve und Esprit, ist her­vor­ra­gend in­stru­men­tiert und ge­spielt, und scheint mehr vom Bauch als vom Kopf ge­steu­ert zu sein. Die ers­te Zu­ga­be, in der der Pia­nist so­lo über die Me­lo­di­en von „An den Abend­stern“und „Mor­gen Kin­der wird’s was ge­ben“im Sti­le von Franz Liszt, Jo­hann Se­bas­ti­an Bach und Mi­les Da­vis im­pro­vi­siert (al­les spon­ta­ne Pu­bli­kums­wün­sche auf Zu­ruf!), setzt dem Gan­zen die Kro­ne auf. Das ist gro­ßes Ki­no, was Hel­mut Lör­scher und sei­ne Mu­si­ker hier bo­ten. Hut ab! Eli­sa Rez­nicek

Fein­sin­ni­ger Um­gang mit den be­rühm­ten Leit­mo­ti­ven

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