Li­be­ro stürzt Leip­zig

Ab­wehr­mann Ro­ger trifft per Kopf für In­gol­stadt / Wal­pur­gis’ Tak­tik geht auf

Pforzheimer Kurier - - JUNGES LEBEN -

In­gol­stadt (sid). Nach­dem er mit dem FC In­gol­stadt ge­gen RB Leip­zig „Ge­schich­te ge­schrie­ben“hat­te, be­an­trag­te Ro­ger de Olivei­ra Ber­nar­do ei­nen neu­en Nach­na­men. „Be­cken­bau­er, Be­cken­bau­er“, sag­te breit grin­send der In­gol­städ­ter Li­be­ro und Match­win­ner nach dem 1:0 (1:0) ge­gen den vom Schluss­licht ge­stürz­ten Ta­bel­len­füh­rer. Ro­ger stell­te im Du­ell mit Ex-Coach Ralph Ha­sen­hüttl mit sei­nem Kopf­ball-Tref­fer (12.) den ers­ten Heim­sieg für den FCI seit 9. April (1:0 ge­gen Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach) klar. Der Bra­si­lia­ner war als zen­tra­ler Be­stand­teil der Drei­er-Ab­wehr der Schan­zer und als Mo­ti­va­tor ein Schlüs­sel zum zwei­ten Sai­son­sieg. Der Lohn: In­gol­stadt klet­ter­te zu­min­dest wie­der auf Rang 17, das ret­ten­de Ufer ist nur noch ei­nen Punkt weg.

Der Bra­si­lia­ner Ro­ger ist viel zu be­schei­den, als dass er sich den Tri­umph al­lei­ne auf die Fah­ne schrei­ben wür­de. Er lob­te, wie sehr sich die Mann­schaft un­ter Trai­ner Ma­ik Wal­pur­gis ver­bes­sert ha­be: „In den letz­ten vier Spie­len (seit Wal­pur­gis Mar­kus Kauc­zin­ski ab­ge­löst hat­te, d. Red.) wa­ren wir im­mer gut, im­mer dran, ge­fähr­lich.“

Und Wal­pur­gis hat­te schließ­lich auch die Idee mit Ro­ger, dem Li­be­ro. Der Coach ha­be sein Team mit ei­ner „her­aus­ra­gen­den Geg­ner­ana­ly­se“ver­sorgt, wie der ehe­ma­li­ge RB-Pro­fi Ant­ho­ny Jung lob­te, der das Sieg­tor per Frei­stoß vor­be­rei­tet hat­te. Kein Wun­der: Wal­pur­gis kennt RB gut, noch vor Kur­zem hat er dort hos­pi­tiert. „Ent­schei­dend“, sag­te der Tüft­ler, sei al­ler­dings die kon­se­quen­te Um­set­zung sei­nes Plans durch die Spie­ler ge­we­sen, die das Leip­zi­ger Spiel durch die Mit­te fast kom­plett un­ter­ban­den. Da­zu ka­men laut Wal­pur­gis „zwei gu­te Tor­leu­te“– zu­nächst Mar­tin Han­sen, dann, nach des­sen Ver­let­zung, Ör­jan Ny­land – und „das nö­ti­ge Glück“in der hek­ti­schen Schluss­pha­se. Dass Ma­thew Le­ckie da Gelb-Rot sah (90.+4), war für Wal­pur­gis nach dem „wich­ti­gen Be­frei­ungs­schlag“ver­schmerz­bar.

RB-Trai­ner Ha­sen­hüttl war nach der ers­ten Nie­der­la­ge schlecht ge­launt und mein­te trot­zig: „Es war klar, dass so ein Spiel ir­gend­wann kom­men wür­de, doch das wirft uns nicht um.“Sei­ner Mann­schaft war ge­gen die kom­pak­te De­fen­si­ve der Gast­ge­ber kein Mit­tel ein­ge­fal­len. „Wir sind nie in un­ser Um­schalt­spiel ge­kom­men und ha­ben kaum Chan­cen kre­iert. Das war fuß­bal­le­risch zu we­nig“, sag­te der Coach über die schwa­che ers­te Halb­zeit. Sinn­bild des Auf­tritts war Ti­mo Wer­ner. Nach sei­nem bun­des­weit dis­ku­tier­ten Fal­ler ge­gen Schal­ke 04 wur­de der Stür­mer vom Gros der 15 200 Fans als „Schwal­ben­kö­nig“ge­schmäht und aus­ge­pfif­fen, ihm ge­lang nichts. „Ti­mo war nicht so frei“, sag­te Ha­sen­hüttl, „er hat­te es schwer, stand groß im Fo­kus, ist schön be­ar­bei­tet wor­den. Aber das ist ei­ne Si­tua­ti­on, in der er nicht dar­auf war­ten kann, dass er ge­schützt wird.“

Dass Ha­sen­hüttl die bit­te­re Pil­le bei sei­ner al­ten Lie­be In­gol­stadt schlu­cken muss­te, die er im ver­gan­ge­nen Som­mer nach drei über­aus er­folg­rei­chen Jah­ren im Un­frie­den ver­las­sen hat­te, war ihm an­geb­lich egal. „Nie­der­la­gen tun im­mer weh, ganz egal ge­gen wen“, sag­te er. Das un­schö­ne, nicht ju­gend­freie Ban­ner, das sei­ne frü­he­ren Fans vor Spiel­be­ginn prä­sen­tiert hat­ten, schmerz­te eben­so. Es war eben „ei­ner die­ser Ta­ge“, wie Emil Fors­berg fest­stell­te. Der Schwe­de ver­gab in der hek­ti­schen Schluss­pha­se die bes­te Aus­gleichs­chan­ce kläg­lich (88.).

„BE­CKEN­BAU­ER“Ro­ger de Olivei­ra Ber­nar­do trifft per Kopf für In­gol­stadt, die Leip­zi­ger Wil­li Or­ban, Ste­fan Il­s­an­ker, Tor­wart Pe­ter Gu­lacsi und Na­by Kei­ta (von rechts) sind macht­los. Fo­to: im­a­go

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