Ret­ter der Ent­nerv­ten

Reus si­chert Bo­rus­sia Dort­mund mit sei­nem spä­tem Tref­fer in Köln wie­der ein Re­mis

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Köln (sid). „Mis­ter Last Mi­nu­te“hat­te es plötz­lich ziem­lich ei­lig. Nach dem Ab­pfiff warf Mar­co Reus den Fans von Bo­rus­sia Dort­mund noch eben ein Kuss­händ­chen zu, dann ver­schwand er wort­los in der Ka­bi­ne. Reus, der Uner­setz­li­che, Ret­ter des BVB be­reits beim 2:2 bei Re­al Ma­drid drei Ta­ge zu­vor in der 88. Mi­nu­te, hat es wie­der ge­tan – dies­mal noch spä­ter. Sein 1:1 (0:1) beim 1. FC Köln in der 90. Mi­nu­te be­wahr­te den deut­schen Vi­ze­meis­ter vor ei­ner har­ten Lan­dung nach dem Hö­hen­flug in der Cham­pi­ons Le­ague. Tho­mas Tu­chel kann sich glück­lich schät­zen, den so lan­ge ver­letz­ten Na­tio­nal­spie­ler in Top­form bei sich zu wis­sen: „Er ist mit sei­ner Tor­ge­fahr und Per­sön­lich­keit nicht zu er­set­zen, das wird jetzt noch of­fen­sicht­li­cher.“

Am Sams­tag war Reus je­doch nicht der Mann, der ei­ne star­ke Leis­tung krön­te – er war der Ret­ter der Ent­nerv­ten. Er­staun­lich schlaff und ide­en­los wa­ren die Dort­mun­der dem Tor von Art­joms Rud­nevs (28.) hin­ter­her­ge­he­chelt, bis Adri­an Ra­mos im Straf­raum per­fekt für Reus auf­leg­te. Der schob den Ball zu sei­nem 50. Bun­des­li­ga-Tor in die kur­ze Ecke. Es war sei­ne zehn­te Tor­be­tei­li­gung im fünf­ten Spiel – vier To­re und sechs Vor­la­gen ver­tei­len sich auf schma­le 319 Mi­nu­ten Ein­satz­zeit. Viel­leicht ist Reus auf dem Weg, so gut zu wer­den wie noch nie. „Er ist der wich­tigs­te Spie­ler un­se­rer Of­fen­si­ve, ganz au­ßer­ge­wöhn­lich“, sag­te Mar­cel Schmel­zer. Der Ka­pi­tän sprach auch aus, was bei Spie­len mit Reus im­mer im Hin­ter­kopf rum­schwirrt: „Hof­fent­lich bleibt er uns lan­ge er­hal­ten.“

Das wird auch Tu­chel so se­hen, der die Schwan­kun­gen sei­ner Mann­schaft be­müht be­herrscht ana­ly­sier­te. „Ei­ne Ent­wick­lung ist er­kenn­bar. Aber sie hat Del­len“, sag­te er. Sein Team ist jung, im Um­bruch, erst jetzt sind die vie­len Ver­letz­ten wie­der da. Die jun­gen Spie­ler ken­nen die Be­las­tung stän­di­ger eng­li­scher Wo­chen nicht, es gibt kaum Zeit für Trai­ning. Da kann man das Un­heil manch­mal kom­men se­hen.

Ei­ne Ge­ne­ral­kri­tik wie nach dem 1:2 in Frankfurt spar­te sich Tu­chel. „Mit uns ist zu rech­nen“, sag­te er. „Heu­te ist das Kom­pli­ment viel grö­ßer als der er­ho­be­ne Zei­ge­fin­ger.“Und wenn es nicht läuft beim Ta­bel­len­sechs­ten, der acht Punk­te Rück­stand auf die Ta­bel­len­spit­ze hat, gibt es ja Reus.

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