Auf­ge­blüh­te „Li­li­en“las­sen sich nicht hän­gen

Darm­stadt tritt un­ter Coach Bern­droth wie­der als Darm­stadt auf – mit ei­nem Schön­heits­feh­ler

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Chris­toph Ruf

Frei­burg. Darm­stadts neu­er Trai­ner zeig­te nach der 0:1-Nie­der­la­ge beim SC Frei­burg Sinn für Hu­mor. „In der Ta­bel­le kann‘s jetzt, wo wir Letz­ter sind, wirk­lich nur nach oben ge­hen“, sag­te Ra­mon Bern­droth. Und ver­setz­te sich prompt in die Köp­fe der zahl­reich mit­ge­reis­ten Li­li­en-Fans. Die dürf­ten nun mit dem Ge­fühl nach Hau­se fah­ren: „Viel­leicht wird das ja doch noch ei­ne in­ter­es­san­te Sai­son.“

Das hof­fen selbst­ver­ständ­lich auch die Spie­ler des hes­si­schen Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten, die nach dem Schluss­pfiff er­staun­lich of­fen zu ver­ste­hen ga­ben, dass sie über die Ent­las­sung von Bern­droths Vor­gän­ger Nor­bert Mei­er nicht all­zu trau­rig sind. „Das neue Trai­ner­team hat uns in die Spur zu­rück­ge­bracht und uns dar­an er­in­nert, was Darm­stadt 98 ist“, sag­te Ka­pi­tän Aytac Su­lu, der als Mei­nungs­füh­rer bei den „Li­li­en“gilt. Die gu­te Stim­mung bei den Darm­städ­tern hat­te nur ei­nen Schön­heits­feh­ler – es wa­ren die Frei­bur­ger, die die Par­tie mit 1:0 für sich ent­schie­den, weil Nils Pe­ter­sen kurz vor Schluss ei­nen Foul-Elf­me­ter ver­wan­del­te, den Schieds­rich­ter Wolf­gang Stark bes­ser nicht ge­ge­ben hät­te (86.).

Da­bei war der Sport-Club im ers­ten Durch­gang un­ter­le­gen. Zwei Dis­tanz­schüs­se von Darm­stadts Ma­rio Vran­cic (29./37.) sorg­ten für ein ers­tes Er­stau­nen bei den SC-Fans. Und spä­tes­tens, als Ar­tem Fe­dets­kyy den Au­ßen­pfos­ten traf (41.), konn­te der SC von Glück sa­gen, dass er nicht mit ei­nem Rück­stand in die Pau­se ging. In der zwei­ten Hälf­te hat­te auch der SC zwei Tor­ab­schlüs­se – bei­de ver­gab Flo­ri­an Nie­der­lech­ner (71./80.). Als bei­de Sei­ten sich mit ei­nem Re­mis ab­ge­fun­den zu ha­ben schie­nen, das den Frei­bur­gern mehr ge­hol­fen hät­te als den Süd­hes­sen, kam es zu ei­nem Zwei­kampf zwi­schen Pe­ter­sen und Fe­dets­kyy. „Ich wur­de dar­an ge­hin­dert, nach in­nen zu flan­ken“, sag­te Pe­ter­sen nach dem Spiel: „Und dann hät­te es lich­ter­loh im Straf­raum ge­brannt“. Tat­säch­lich zeig­ten die Fern­seh­bil­der, dass der Frei­bur­ger Edel­jo­ker kurz leicht um­klam­mert wor­den war. Doch ein elf­me­ter­wür­di­ges Foul konn­te da­rin nicht nur Darm­stadts Su­lu („Kein El­fer, das hat je­der ge­se­hen“) nicht er­ken­nen. Auch SC-Trai­ner Chris­ti­an Streich gab un­um­wun­den zu, dass der spiel­ent­schei­den­de Elf­me­ter „aus Darm­städ­ter Sicht är­ger­lich“war. „Jetzt ha­ben wir ein Spiel ge­won­nen, in dem wir nicht die bes­se­re Mann­schaft wa­ren.“Über die un­er­war­tet gu­te Bi­lanz von 19 Punk­ten aus 14 Spie­len freu­te er sich den­noch. Da­mit war die Stim­mung beim Auf­stei­ger al­ler­dings gar nicht mal so an­ders als bei den Hes­sen, die wie­der wie ein Team auf­tra­ten, das sich im Ab­stiegs­kampf mit al­len zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln wehrt. In­te­rims­coach Bern­droth, der ei­gent­lich die Nach­wuchs­ab­tei­lung lei­tet, ha­be das Team op­ti­mal ein­ge­stellt, be­ton­ten Su­lu und Mar­cel Hel­ler.

Doch so lau­nig und sym­pa­thisch sich der 64-Jäh­ri­ge auf der Pres­se­kon­fe­renz prä­sen­tier­te – vorm Sky-Mi­kro­fon muss­te er nach sei­nem ers­ten Spiel als Bun­des­li­ga­trai­ner Lehr­geld zah­len. Dass die For­mu­lie­rung „Wir ha­ben ei­nen Ver­rä­ter bei uns“, ein we­nig zu dras­tisch war, merk­te er zu spät – ges­tern ent­schul­dig­te er sich für sei­ne Wort­wahl. „Das war nicht kor­rekt von mir, über­zo­gen“, sag­te Bern­droth: „Es darf kei­ner aus­sche­ren – das wä­re rich­ti­ger ge­we­sen. Es war ein Feh­ler von mir.“Der Coach hat­te sich dar­über be­schwe­ren wol­len, dass ei­ner sei­ner Ak­teu­re, ge­meint war of­fen­bar In­nen­ver­tei­di­ger Alex­an­der Mi­lo­se­vic, sei­ne De­gra­die­rung vom Stamm- zum Er­satz­spie­ler be­lei­dig­ter zur Kennt­nis ge­nom­men hat als das für den neu er­wach­ten Team­spi­rit der Hes­sen gut sein kann.

GE­SCHICKT EIN­GE­FÄ­DELT: Frei­burgs Nils Pe­ter­sen kommt nach ei­nem Zwei­kampf mit Darm­stadts Ar­tem Fe­dets­kyy im Straf­raum zu Fall – den um­strit­te­nen Straf­stoß ver­wan­del­te der Frei­bur­ger kurz vor En­de der Par­tie zum 1:0-Sieg. Fo­to: dpa

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