Ab­schied im „zwei­ten Hei­mat­ha­fen“

De­le­ga­ti­on des Pa­ten­schiffs be­sucht letzt­mals Karls­ru­he / Fre­gat­te wird au­ßer Di­enst ge­stellt

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ti­na Kampf

Im Bür­ger­saal des Rat­hau­ses er­klingt „Bis­ka­ya“. Es ist das Lied, das zu hö­ren war, als die Fre­gat­te „Karls­ru­he“am 10. No­vem­ber zum letz­ten Mal in ih­ren Hei­mat­ha­fen Wil­helms­ha­ven ein­lief. Jetzt spie­len die Ma­ri­ne­sin­gers Rhein­stet­ten das Stück bei ei­nem Emp­fang im „zwei­ten Hei­mat­ha­fen“der Fre­gat­te, wie es Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup for­mu­liert.

OB geht auf Kri­tik am Emp­fang ein

Karls­ru­he ver­ab­schie­det sich of­fi­zi­ell vom Pa­ten­schiff. Die­ses stellt die Bun­des­ma­ri­ne im Som­mer kom­men­den Jah­res au­ßer Di­enst. Be­reits zum En­de die­ses Jah­res wird es aus der Fahr­be­reit­schaft ge­nom­men.

Der Bür­ger­saal ist voll be­setzt. 25 Be­sat­zungs­mit­glie­der der ak­tu­el­len Fre­gat­te sind nach Karls­ru­he ge­reist. Ge­kom­men sind zu­dem zahl­rei­che Män­ner und Frau­en, die frü­her auf dem Schiff fuh­ren, be­tont Hel­mut Barz vom Karls­ru­her Freun­des­kreis der Fre­gat­te. Auch vie­le Bür­ger sind da, „ein Be­leg, wie vie­le Freund­schaf­ten im Lauf der Jah­re ent­stan­den sind, die auch nach dem En­de der Pa­ten­schaft wei­ter be­ste­hen wer­den“, wie sich die Red­ner ei­nig sind.

„Die Men­schen ste­hen im Mit­tel­punkt“, sagt Thors­ten Marx, Kom­man­deur des vier­ten Fre­gat­ten­ge­schwa­ders. Für Frie­den, Frei­heit und Men­schen­rech­te kämp­fe die Ma­ri­ne. Und Karls­ru­he ste­he we­gen der hier an­ge­sie­del­ten Ho­hen Ge­rich­te eben­falls für De­mo­kra­tie. „In­so­fern kann es kaum ei­nen idea­le­ren Na­men für ein sol­ches Schiff ge­ben“, so Marx.

Im Vor­feld gab es den­noch kri­ti­sche Tö­ne, un­ter an­de­rem vom Frie­dens­bünd­nis, das ge­gen den Emp­fang zum Ab­schied war. Men­trup spart die­sen Aspekt in sei­ner An­spra­che nicht aus: „Ich ak­zep­tie­re und ver­ste­he auch die Mei­nung der­je­ni­gen, die sich ge­gen je­g­li­che For­men von Rüs­tung, Kriegs­dienst, Ar­me­en oder de­ren Ein­sät­ze aus­spre­chen.“Und si­cher sei­en nicht al­le Ein­sät­ze der Ma­ri­ne­schif­fe mit dem Na­men „Karls­ru­he“aus heu­ti­ger Sicht gut zu hei­ßen. Vor 104 Jah­ren wur­de das ers­te Schiff auf den Na­men „Karls­ru­he“ge­tauft. Ein Pro­pa­gan­da­pro­jekt, wie Men­trup ur­teilt. Es folg­ten vier wei­te­re Ma­ri­ne­schif­fe mit dem Na­men „Karls­ru­he“, das drit­te bei­spiels­wei­se wur­de 1940 vor Nor­we­gen von ei­nem bri­ti­schen U-Boot ver­senkt. Die ak­tu­el­le „Karls­ru­he“ist 33 Jah­re alt. Und Men­trup ver­weist dar­auf, wie sich die Ein­sät­ze im Lauf der Jah­re än­der­ten, mehr hin zu Be­rei­chen wie An­ti­pi­ra­te­rie und dem Schutz vor Ter­ro­ris­mus. Zu­dem ret­te­te die Be­sat­zung Flücht­lin­ge vor dem Er­trin­ken im Meer, bei ih­rem letz­ten Ein­satz kämpf­te die „Karls­ru­he“vor der li­by­schen Küs­te ge­gen Schleu­ser.

„Bil­der von sol­chen Ein­sät­zen ken­nen die meis­ten Men­schen nur aus dem Fern­se­hen“, so Chris­ti­an Clau­sing, letz­ter Kom­man­dant der „Karls­ru­he“. Um­so wich­ti­ger sei es, den Men­schen nä­her­zu­brin­gen, was drau­ßen auf dem Meer pas­siert. Des­halb sei die gu­te Be­zie­hung zwi­schen Mi­li­tär und Be­völ­ke­rung von gro­ßer Be­deu­tung.

Von ge­mein­sa­men Ski- und Ten­nis­frei­zei­ten bis hin zum Plätz­chen­ba­cken für die Be­sat­zung und de­ren Pa­ten­schaft für das Kin­der- und Ju­gend­hil­fe­zen­trum reich­ten die Ak­ti­vi­tä­ten. Vie­les wer­de auch oh­ne Schiff wei­ter­ge­hen, ist Clau­sing – der sich wie Marx im Gol­de­nen Buch der Stadt ein­trug – si­cher. Und schon ein­mal ha­be es acht Jah­re lang kei­ne „Karls­ru­he“ge­ge­ben, zwi­schen 1919 und 1927. „Das tat der Pa­ten­schaft kei­nen Ab­bruch“, meint Clau­sing, der sei­ne Hil­fe zu­sag­te für den Fall, dass sich die Ma­ri­ne wie­der zur Be­nen­nung von Schif­fen nach Städ­ten ent­schei­den soll­te und Karls­ru­he In­ter­es­se ha­be. Wenn ei­ne sol­che Pa­ten­schaft wie­der mög­lich wür­de, wünscht sich Men­trup ei­ne de­mo­kra­ti­sche, kri­ti­sche Dis­kus­si­on, „dann kön­nen wir uns da­für oder da­ge­gen ent­schei­den“.

Ak­tu­ell setzt die Ma­ri­ne je­doch auf die Na­men der Bun­des­län­der. Auch in der Luft ist die „Karls­ru­he“Ge­schich­te: Die Luft­han­sa schick­te jüngst die ent­spre­chen­de Bo­eing in Ren­te. Ei­ne „Karls­ru­he“zur See bleibt in­des­sen: Die „MS Karls­ru­he“im Rhein­ha­fen – auf der zum Ab­schluss die Sol­da­ten und ih­re Karls­ru­her Freun­de fei­ern. Kom­men­tar

DAS WAP­PEN UND DEN NA­MEN Karls­ru­hes trug die gleich­na­mi­ge Fre­gat­te der Bun­des­ma­ri­ne in die Welt. Das Schiff wird nun au­ßer Di­enst ge­stellt. Fo­to: Bök­haus

INS GOL­DE­NE BUCH tru­gen sich Kom­man­deur Thors­ten Marx und Kom­man­dant Chris­ti­an Clau­sing im Bei­sein von OB Frank Men­trup (von links) ein. Fo­to: Sand­bil­ler

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