Bot­schaf­ter

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE -

THEO WES­TER­MANN

Die Bun­des­wehr ist ei­ne Par­la­ments­ar­mee. Sie macht nichts, oh­ne den Auf­trag des Par­la­men­tes. Im über­tra­ge­nen Sin­ne ist sie da­mit die Ar­mee des Vol­kes. Ei­ne Part­ner­schaft mit ei­nem Teil die­ser Bun­des­wehr, in die­sem Fall die Pa­ten­schaft der Stadt Karls­ru­he für die nun vor der Aus­mus­te­rung ste­hen­den Fre­gat­te „Karls­ru­he“, war und ist des­halb de­mo­kra­ti­sche Nor­ma­li­tät. Und in Karls­ru­he wur­de die­se Part­ner­schaft ge­lebt bei un­zäh­li­gen fröh­li­chen Kon­tak­ten, bei Be­geg­nun­gen von Be­sat­zungs­mit­glie­dern mit den Bür­gern, ih­ren Ver­ei­nen und In­sti­tu­tio­nen.

Dass dies in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in Karls­ru­he nicht mehr die Rol­le spiel­te wie in ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten, war den Zeit­läu­fen ge­schul­det, et­wa der Ab­schaf­fung der Wehr­pflicht oder dem Wan­del der Bun­des­wehr zur Ein­satz­ar­mee. Die Pa­ten­schaft hat und hat­te aber nichts ge­mein mit den Pro­pa­gan­da-Pa­ten­schaf­ten in der Zeit des Kai­ser­reichs für die ers­ten Kriegs­schif­fe mit dem Na­men Karls­ru­he, nichts ge­mein mit der Pa­ten­schaft wäh­rend des Drit­ten Reichs. OB Men­trup hat bei sei­ner Re­de dan­kens­wer­ter­wei­se dar­auf hin­ge­wie­sen. Dass er dies noch ein­mal er­klä­ren muss­te, war dem Um­stand ge­schul­det, dass es Kri­tik der Frie­dens­be­we­gung und der Lin­ken am no­blen Be­schluss des OB gab, die Be­sat­zung der Fre­gat­te mit ei­ner Fei­er zu ver­ab­schie­den. Von de­ren Sei­te wur­de die „Karls­ru­he“ver­un­glimpft als Teil ei­ner an­geb­lich kriegs­trei­be­ri­schen Stra­te­gie der Na­to und dies in ei­ner Tra­di­ti­ons­li­nie von Kai­ser­reich über das Na­zi­re­gime bis zur heu­ti­gen Bun­des­re­pu­blik. Ab­surd – aber dies sa­gen zu kön­nen ist Teil der Mei­nungs­frei­heit, für de­ren Schutz auch die „Karls­ru­he“und de­ren Be­sat­zung stan­den. In den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten hat die Fre­gat­te ver­stärkt an Ein­sät­zen rund um den Glo­bus teil­ge­nom­men, da­mit den Na­men von Karls­ru­he um die Welt ge­tra­gen. Sie hat­te die Auf­ga­be, im Ernst­fall Ge­walt aus­zu­üben, um deut­sche oder In­ter­es­sen des Na­to-Bünd­nis­ses, der EU oder der UN zu schüt­zen. Die­sen Haupt­zweck soll­te man nicht „über­schmin­ken“, um ir­gend­wel­chen De­bat­ten aus dem Weg zu ge­hen. Die Sol­da­ten wa­ren nicht als So­zi­al­ar­bei­ter in Ma­tro­sen­uni­form un­ter­wegs. Da­mit wa­ren sie auch für Karls­ru­he ei­ne Art per­ma­nen­te Mah­nung, dass wir nicht auf ei­ner In­sel der Se­li­gen le­ben und dass Deutsch­land Ver­ant­wor­tung trägt. Die Be­sat­zung hat sich da­bei als ta­del­lo­se Bot­schaf­ter Deutsch­lands und Karls­ru­he er­wie­sen. Da­für ge­bührt ih­nen nun zum Ab­schied der Dank der Bür­ger der Fä­cher­stadt.

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