In der Welt der Mär­chen

„Pforz­heims Grü­nes Gold“: Wald­weih­nacht für Kin­der in der Schnit­zer­hüt­te

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Der Ni­ko­laus ist spät dran, als er am Frei­tag­nach­mit­tag den Ha­gen­schieß durch­quert und er ver­liert doch vor lau­ter Ei­le tat­säch­lich sei­ne Tru­he mit Gold­mün­zen. Des ei­nen Leid, des an­de­ren Freud’: Die neun Kin­der zwi­schen sechs und zehn Jah­ren, die die Wald­weih­nacht in der Schnit­zer­hüt­te beim See­haus fei­ern, su­chen und fin­den die­sen Schatz. Na­tür­lich mit et­was Hil­fe von Pe­tra Schad-Voll­mer und Ka­ro­la Kei­tel, die in­ner­halb des Pro­gramms „Pforz­heims Grü­nes Gold“ein­ge­la­den hat­ten.

Nach ei­ner St­un­de an der fri­schen Luft und hei­te­rem Tie­re-Ra­ten geht es hin­ein in die war­me Hüt­te, in der das Ka­min­feu­er lo­dert und die Mär­chen­er­zäh­le­rin Han­ne­lo­re Speng­ler auf die Kin­der war­tet. Speng­ler ist Teil des vier­köp­fi­gen Teams „Mär­chen­turm“, das ganz­jäh­rig un­ter­wegs ist mit ih­rem Re­per­toire an Mär­chen und Le­gen­den. Im vo­ri­gen Jahr wur­de Speng­ler nach elf Jah­ren Pra­xis, lang­jäh­ri­ger Aus­bil­dung und ei­ner Prü­fung beim Mär­chen­kon­gress auf Rü­gen in die Gil­de der Eu­ro­päi­schen Mär­chen­ge­sell­schaft auf­ge­nom­men.

Nur we­nig Licht si­ckert durch die klei­nen Fens­ter der Holz­hüt­te, al­lein fla­ckern­de Ker­zen er­hel­len den dämm­ri­gen Raum. Aus den di­cken Kla­mot­ten ge­schlüpft sit­zen die Kin­der um den Tisch, den Speng­ler schon für das rus­si­sche Mär­chen „Ba­busch­ka fin­det das Christ­kind“prä­pa­riert hat. Wal­len­de Tü­cher auf dem Tisch schaf­fen ei­ne Fan­ta­sie­land­schaft, zu­sam­men mit ei­ner ver­hüll­ten Krip­pe und ei­nem Korb, aus dem die Mär­chen­er­zäh­le­rin spä­ter Tier­fi­gu­ren ver­teilt, die beim Mär­chen ei­ne Rol­le spiel­ten. Han­ne­lo­re Speng­ler ge­hört zum Rol­len­spiel, mit ih­rem lan­gen, pur­pur­nen Kleid und den grau­en Haa­ren – ei­ne Groß­mut­ter aus dem Bil­der­buch. Dann kommt der ma­gi­sche Mo­ment, das Schlüp­fen in ei­ne Par­al­lel­welt, in der Fa­bel­we­sen und Mär­chen­ge­stal­ten zu­hau­se sind. Ei­ne La­ter­ne wird ent­zün­det, ei­ne Klang­scha­le gibt das Si­gnal: „Wir sind im Mär­chen­land“.

Je­des Kind sucht sich aus dem Korb ei­ne Fi­gur aus der Ge­schich­te aus: Ka­mel oder Kö­nig, Esel oder Schaf. Die Mär­chen­er­zäh­le­rin lässt den Weih­nachts­stern auf­ge­hen, lässt das ver­hül­len­de Tuch fal­len. Es herrscht ge­spann­te Stil­le, als die Ge­schich­te sei­nen Lauf nimmt. Zum Schluss dür­fen al­le Kin­der ih­re Tie­re und Kö­ni­ge an der Krip­pe plat­zie­ren. Doch sie ha­ben noch nicht ge­nug. Die Er­zäh­le­rin wirft ei­nen Hand­schuh auf den Tisch. Ei­nen Fäust­ling. Der ge­hört zu dem gleich­na­mi­gen ukrai­ni­schen Mär­chen. Und in ihm fin­den sie­ben Tie­re ih­ren Platz: Maus Schar­re­fein, Frosch Hüp­fel­bein, Häs­lein Sau­se­wind, Füchs­lein Pack­ge­schwind, Wölf­lein Krus­sel­fell und Wild­schwein Schnüf­fel­schnell – die Kin­der dür­fen beim Auf­zäh­len na­tür­lich hel­fen, bis der Bär mit sei­nem Bein den Fäust­ling schier zum Plat­zen bringt. Dann tönt be­reits die Klang­scha­le, die La­ter­ne wird ge­löscht. „Wir ver­las­sen Mär­chen­land und sind wie­der zu­hau­se.“Ganz Zu­hau­se na­tür­lich nicht, aber in der Schnit­zer­hüt­te.

„Ba­busch­ka fin­det das Christ­kind“

MÄR­CHEN­ER­ZÄH­LE­RIN Han­ne­lo­re Speng­ler hat­te ei­nen Korb vol­ler Fi­gu­ren aus ih­ren Ge­schich­ten da­bei, je­des Kind konn­te sich dar­aus ei­nes aus­su­chen. Fo­to: pec

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