Ein Schlap­pen schwimmt auf dem Fett da­her

Ha­rald Hurst und Gun­zi Heil re­den über Bob Dy­lan, Sport­un­fäl­le und Weih­nachts­markt-Ge­rü­che

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Bob Dy­lan er­hielt be­kannt­lich in die­sem Jahr den Li­te­ra­tur­no­bel­preis. Doch zur Ver­lei­hung der ho­hen Wei­hen woll­te der Dich­ter nicht an­rei­sen und schick­te statt­des­sen sei­ne Freun­din Pat­ti Smith. Gun­zi Heil war das ei­ne Par­odie auf den Lie­der-Dich­ter wert. Und er mach­te kei­nen Hehl dar­aus, was er von des­sen Ver­hal­ten hielt. Zu­nächst in­to­nier­te er ei­nes sei­ner Stü­cke oh­ne Text. Dann dich­te­te er, dass er nicht flie­ge, weil der von Dau­er­schnup­fen ge­plag­te Sän­ger kein Na­si­vin mit ins Hand­ge­päck neh­men dür­fe. Sein Part­ner auf der Büh­ne, der ba­di­sche Mun­d­art­dich­ter Ha­rald Hurst aus Ett­lin­gen, war da schon et­was mil­der.

„Der All­tag ist meist ko­misch ge­nug“

„Was hät­te er schon sa­gen sol­len“, kom­men­tier­te Hurst in sei­ner un­nach­ahm­li­chen Art und Wei­se. Ha­rald Hurst und Gun­zi Heil wa­ren, prä­sen­tiert vom Pforz­hei­mer Ku­ri­er, wie­der kurz vor Weih­nach­ten zu Gast im kom­plett aus­ver­kauf­ten Gro­ßen Os­ter­feld-Saal.

Hurst kam mit ei­ner Un­ter­arm­schie­ne auf die Büh­ne, und ob­wohl er merk­lich am liebs­ten nichts da­zu ge­sagt hät­te, wuss­te er doch um die Fra­ge im Pu­bli­kum „Wie ist das pas­siert“und er­klär­te, er ha­be sich die Ver­let­zung beim Sport zu­ge­zo­gen. „40 Jah­re lang ha­be ich kei­nen Sport ge­trie­ben, beim ers­ten Hand­griff war es pas­siert“, la­men­tier­te Hurst un­ter dem La­chen des Pu­bli­kums und dich­te­te in Ab­wand­lung ei­nes Wil­helm Busch-Zi­ta­tes: „Un­glück, das man bei an­de­ren sieht, wirkt meist er­hei­ternd aufs Ge­müt.“

Oft wer­de er ge­fragt, fuhr Hurst fort, wo er denn sei­ne Ide­en her­ho­le. Der All­tag sei meist ko­misch ge­nug und oft müs­se man nur zi­tie­ren. Neu­lich ha­be er sich mit je­man­dem über De­menz un­ter­hal­ten, er­zähl­te Hurst. Ei­ne der Ant­wort fand er so gut, dass er sie dem Pu­bli­kum im Os­ter­feld nicht vor­ent­hal­ten woll­te: „So­weit ich weiß“, sag­te sein Ge­gen­über, „kann ich mich nicht er­in­nern, wann ich zum letz­ten Mal was ver­ges­sen ha­be.“An­sons­ten setz­te Hurst auch auf Be­kann­tes und Be­währ­tes wie sei­ne all­jähr­lich wie­der­keh­ren­den Pro­ble­me mit den Ge­rü­chen des Weih­nachts­mark­tes in Ett­lin­gen, die er fünf Wo­chen er­tra­gen muss. Vor al­lem der Lan­gosch, ei­ne Spe­zia­li­tät aus der un­ga­ri­schen Kü­che, ha­be es ihm an­ge­tan. Für ihn ist das ein Schlap­pen Schuh­grö­ße 46, der auf dem Fett da­her ge­schwom­men kommt. „Und glau­ben Sie mir“, setz­te Hurst ei­nen drauf, „das Fett riecht mor­gens an­ders als abends.“Au­ßer­dem woll­te Gun­zi Heil von den Gäs­ten wie­der wis­sen, wo sie her­kom­men und fand her­aus, dass die­se un­ter an­de­rem aus Würm und Mühl­acker an­ge­reist wa­ren. Ein an­de­rer sag­te, er kom­me aus St­ein bei Ei­sin­gen statt aus Kö­nigs­bach-St­ein. Grund ge­nug für Gun­zi Heil, dies aus­gie­big zu par­odie­ren und da­für reich­lich La­cher zu ern­ten. Zum Schluss durf­te dann na­tür­lich der Auf­tritt vom Pferd­le und Äf­f­le nicht feh­len. Ha­rald Bott

EIN EINGESPIELTES TEAM sind Gun­zi Heil (links) und Ha­rald Hurst. Das Pu­bli­kum im Kul­tur­haus Os­ter­feld zeig­te sich be­geis­tert von den Ge­schich­ten der bei­den Ka­ba­ret­tis­ten. Fo­to: Wa­cker

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