Bach für je­de Stim­me

Rund 200 Men­schen sin­gen das Weih­nachts­ora­to­ri­um in der Stadt­kir­che

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Wer am Sams­tag­abend das ers­te „Sin­ga­long“in der Stadt­kir­che be­such­te, der er­leb­te ein Kon­zert wie es in Pforz­heim wahr­schein­lich noch nicht statt­ge­fun­den hat. Ein­mal hat­ten al­le Be­su­cher von Ora­to­ri­en­chor und Ba­ch­or­ches­ter die Mög­lich­keit, bei den Kan­ta­ten eins bis drei des Weih­nachts­ora­to­ri­ums von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach mit­zu­sin­gen. Zum an­de­ren wa­ren bei die­sem Kon­zert die Mit­wir­ken­den in der Über­zahl ge­gen­über den Zu­hö­rern.

Kir­chen­mu­sik­di­rek­to­rin Hei­ke Has­tedt hat­te für Sams­tag­nach­mit­tag al­le ein­ge­la­den, die, wie sie sag­te „Bach lie­ben, ei­nen Kla­vier­aus­zug ha­ben und sich Zu­hau­se dar­auf vor­be­rei­ten, und die das Sin­gen mit vie­len an­de­ren mö­gen“. Na­tür­lich war Kennt­nis des Stücks und ei­ne frü­he­re Teil­nah­me an ei­ner Auf­füh­rung eben­so will­kom­men. Auch kann man wohl da­von aus­ge­hen, dass der Be­sitz ei­nes Kla­vier­aus­zu­ges zu­min­dest ei­ne Be­schäf­ti­gung mit dem Werk be­inhal­te­te. So mö­gen es mehr als 200 san­ges­freu­di­ge Frau­en und Män­ner ge­we­sen sein, die Hei­ke Has­tedt zu­sam­men mit Chor und Orches­ter lei­ten konn­te. Ei­ne wei­te­re Be­son­der­heit die­ses Kon­zerts war die Sitz­ord­nung, es gab näm­lich kei­ne. Fast al­le Sän­ge­rin­nen und Sän­ger sa­ßen in den Kir­chen­bän­ken, zum Sin­gen muss­te man auf­ste­hen, bei den Chö­ren gab die Di­ri­gen­tin ein Zei­chen zum Er­he­ben. So wa­ren al­le Sän­ger über die gan­ze Kir­che ver­streut, die Zu­hö­rer sa­ßen ent­lang der Längs­sei­ten. Wei­ter konn­ten die Ari­en mit­ge­sun­gen wer­den, was be­son­ders von den Frau­en­stim­men ge­macht wur­de. Das hat­te al­ler­dings den Ef­fekt, dass die So­lis­tin­nen in den meis­ten Ari­en nicht so wahr­ge­nom­men wer­den konn­ten, da nach Wunsch fast im­mer von ei­ni­gen mit­ge­sun­gen wur­de. Ein­zig die Ari­en des Te­nors er­laub­ten auf Grund der Schwie­rig­kei­ten kein Mit­sin­gen, eben­so die Re­zi­ta­ti­ve.

Bei ei­ni­gen Ari­en ging die Be­geis­te­rung mit den Sän­gern durch, sie hat­ten ei­nen ste­ti­gen Drang nach vor­ne und ver­ga­ßen da­bei das Aus­sin­gen, so bei „Be­rei­te dich, Zi­on“. Aber die Di­ri­gen­tin hat­te al­les gut im Griff und jon­glier­te äu­ßerst ge­konnt mit Chor und Orches­ter. Das war kei­ne leich­te Auf­ga­be, da sie oft mit dem Rü­cken zum Orches­ter stand um den Chor zu lei­ten. Das Ba­ch­or­ches­ter un­ter­stütz­te sie bei die­ser Auf­ga­be und er­le­dig­te sei­nen Part ganz sou­ve­rän. Die Trom­pe­ten und Obo­en wa­ren mit ih­ren So­li sehr prä­sent, eben­so die Flö­te bei der vom Te­nor Hu­bert May­er schön ge­sun­ge­nen Arie „Fro­he Hir­ten eilt, ach ei­let“. Die So­pra­nis­tin Kirs­ten Dro­pe und die Al­tis­tin Sa­bi­ne Czinc­zel wa­ren mit ih­ren schö­nen Stim­men in ers­ter Li­nie bei den Re­zi­ta­ti­ven zu hö­ren. Der Bas­sist war Andre­as Rei­ben­spies. Sehr fein war auch die So­lo­vio­li­ne in der Arie „Schlie­ße, mein Her­ze“. Auch wenn bei man­chen Pas­sa­gen das Orches­ter ge­gen­über der ge­ball­ten Sän­ger­schar et­was schwä­chel­te, war das Gan­ze ein gro­ßer Er­folg.

Für den gro­ßen Bei­fall be­dank­ten sich die Di­ri­gen­tin und das Orches­ter dann mit der Echo-Arie „Flößt, mein Hei­land“. Wenn durch die­se Ak­ti­on noch ei­ni­ge Sän­ger zum Chor da­zu kom­men – um­so bes­ser. Chris­ti­an Hen­rich

EIN „SIN­GA­LONG“in der Evan­ge­li­schen Stadt­kir­che in Pforz­heim lock­te am Wo­che­n­en­de zahl­rei­che Sän­ger. Mit­ma­chen konn­te je­der, der den Text da­bei hat­te und das Stück kann­te. Fo­to: Wa­cker

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.