Spe­zia­lis­ten sind das Übel in Stop­poks Welt

Ruhr­pott-Bar­de singt im Kul­tur­haus Os­ter­feld

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Stop­pok legt Wert auf sei­ne Un­ab­hän­gig­keit. Er, be­rich­te­te der Lie­der­ma­cher dem Pu­bli­kum, sei ei­ner der we­ni­gen ech­ten In­de­pen­dent-Künst­ler die es ge­be und er ar­bei­te mit kei­ner Plat­ten­fir­ma zu­sam­men. Das hat ihn nicht dar­an ge­hin­dert, im Lau­fe sei­ner Kar­rie­re seit den frü­hen 1980ern, zahl­rei­che Al­ben ein­zu­spie­len und auch ei­ni­ge Prei­se zu be­kom­men, dar­un­ter den Deut­schen Klein­kunst­preis 2015 in der Ru­brik Chan­son/ Lied/Mu­sik. Stop­pok, der ei­gent­lich Ste­fan Stop­pok heißt, 1956 in Ham­burg ge­bo­ren und in Es­sen auf­ge­wach­sen ist, kon­zen­triert sich in sei­nen Wer­ken vor al­lem auf sei­ne Tex­te. Bei sei­nem Auf­tritt im Os­ter­feld-Ma­ler­saal am Sams­tag­abend, kon­se­quent auf Deutsch.

Sei­ne Mu­sik ist über­wie­gend blue­sig­ro­ckig. Die Aus­drucks­mög­lich­kei­ten des Flat­pi­ckers auf der Gi­tar­re sind zwar eher be­grenzt, das gleicht er aber un­ter an­de­rem aus durch per­kus­si­ve Be­glei­tung und in­dem er sein In­stru­ment häu­fi­ger wech­selt. Ins­ge­samt kam er mit fünf Sai­ten­in­stru­men­ten auf die Büh­ne. Sei­ner Wir­kung tat dies je­doch kei­nen Ab­bruch. Das Pu­bli­kum sang sei­ne Tex­te im­mer wie­der mit, un­auf­ge­for­dert manch­mal, ge­le­gent­lich auch ani­miert durch den Künst­ler. Ganz zu An­fang bei­spiels­wei­se beim „Spe­zia­lis­ten-Blues“. Spe­zia­lis­ten hat Stop­pok als die Qu­el­le al­len Übels aus­ge­macht. Vor al­lem die „spe­zi­el­len spe­zia­li­sier­ten Spe­zia­lis­ten“sei­en ihm ein Gräu­el. Selbst un­ter den Flücht­lin­gen ge­be es Spe­zia­lis­ten, so Stop­pok, der mit ei­nem T-Shirt auf­trat, auf dem ei­ne ge­ball­te Faust zu se­hen war. Dann lob­te er das Pu­bli­kum da­für, dass es ge­kom­men ist und nicht in die Sta­di­en läuft, dort wo die Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den. Denn vom Sta­di­on­be­such bis da­hin, wie­der zu mar­schie­ren, sei es nur ein klei­ner Schritt, warn­te Stop­pok.

Ein­mal, er­zählt er, ha­be ei­ner sei­ner Zu­hö­rer ihm ein Mail ge­schickt, mit der Bit­te, sei­ne Tex­te doch et­was bes­ser zu er­klä­ren. Stop­pok ge­fiel das gar nicht und er be­leg­te den Schrei­ber mit Schimpf­wör­tern. Die­ser sol­le doch ge­fäl­ligst zu Volks­mu­sik­kon­zer­ten ge­hen. Spä­tes­tens hier wur­de deut­lich, wie sehr es Stop­pok liebt, sich mit ei­nem eli­tä­ren Ha­bi­tus zu um­ge­ben.

Gi­tar­ren­wech­sel. Auf der Zwölf­sai­ti­gen spiel­te er sein Lieb­lings-Be­zie­hungs­kis­ten-En­de-Lied. „Sei nicht sau­er“, sang Stop­pok, „dass ich zu­erst ge­gan­gen bin“. Kei­ne Be­zie­hung, so sei­ne Bot­schaft, sei bes­ser als ei­ne un­glück­li­che, aus der man sich nicht lö­sen kön­ne. Dann sang das Pu­bli­kum wie­der mit, als er for­der­te, den Fisch zu fres­sen, egal wie er stin­ke. Stop­pok kam leicht er­käl­tet auf die Büh­ne, hielt aber trotz ge­le­gent­li­cher Hus­ten­an­fäl­le den Abend oh­ne Pau­se gut durch. Ha­rald Bott

Ei­ne ge­ball­te Faust auf dem T-Shirt

DER LIE­DER­MA­CHER mag es gar nicht, wenn sei­ne Zu­hö­rer die Tex­te nicht ver­ste­hen. Fo­to: Wa­cker

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