„Mit dem Na­sen­ring durch die Ma­ne­ge“

Rül­ke kri­ti­siert CDU und AfD bei FDP-Mit­glie­der­ver­samm­lung / Dis­kus­si­on um „In­nen­stadt-Ost“

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Nie­fern-Öschel­bronn. 21 stimm­be­rech­tig­te Mit­glie­der zähl­te die Mit­glie­der­ver­samm­lung des FDP-Kreis­ver­ban­des Pforz­heim/Enz­kreis. „Schließ­lich geht es nicht um die Wahl ei­nes neu­en Kreis­vor­sit­zen­den“, schränk­te der Vor­sit­zen­de, Hans-Ul­rich Rül­ke, ein. Rül­ke ging in sei­nem Be­richt zur La­ge im Land­tag und in der Kom­mu­nal­po­li­tik ein. „Wir ha­ben die drei wich­tigs­ten Zie­le er­reicht“, so Rül­ke, der seit 17 Jah­ren Kreis­vor­sit­zen­der ist: Im Land 8,3 Pro­zent be­kom­men, das Man­dat im Enz­kreis ver­tei­digt und in Pforz­heim ei­nes neu ge­won­nen. Zwei Land­tags­man­da­te sind ein­ma­lig in der Ge­schich­te des FDP-Kreis­ver­ban­des. Den Wahl­kampf ha­be man kom­plett aus Spen­den fi­nan­zie­ren kön­nen und der Kreis­ver­band sei so­li­de auf­ge­stellt: „Kei­ne Reich­tü­mer, aber auch kei­ne Schul­den.“

Bei den Wah­len ging es ne­ben De­le­gier­ten für den Bun­des­par­tei­tag um ei­nen der vier Stell­ver­tre­ter­pos­ten des Kreis­vor­sit­zes: Nach dem Aus­schei­den von Ca­ro­li­ne Mai wur­de der Pforz­hei­mer Orts­ver­bands­vor­sit­zen­de Mat­thi­as Köh­ler in Ab­we­sen­heit zum Nach­fol­ger ge­wählt. Über die Wahl von Ja­nis Wis­kandt vor vier Mo­na­ten als Kan­di­dat der FDP für die Bun­des­tags­wahl 2017 auf ei­nem „nicht ganz aus­sichts­lo­sen Platz“, ist Rül­ke „sehr zu­frie­den“, wie auch sein Stell­ver­tre­ter Erik Schwei­ckert: „Die Wahl 2017 wird für die wei­te­re Ent­wick­lung Deutsch­lands wich­tig sein, und das Ab­schnei­den der FDP liegt maß­geb­lich in Ba­den-Würt­tem­berg be­grün­det.“

Rül­ke er­klär­te noch­mals die Ab­leh­nung der Am­pel im Land: „Bes­ser auf­recht in der Op­po­si­ti­on.“Er spot­te­te dann über die Rol­le der CDU als Ju­ni­or­part­ner der Grü­nen, et­wa bei der Lan­des­bau­ord­nung, wo sie hef­tig ein­ge­knickt sei. Die AfD sei schlim­mer als einst die Re­pu­bli­ka­ner und fal­le durch „dreis­te Lü­gen“auf, et­wa mit der Be­haup­tung, sie sei mit der An­zahl der par­la­men­ta­ri­schen Initia­ti­ven die flei­ßigs­te Frak­ti­on im Land­tag. „Fakt ist, sie hat die we­nigs­ten Initia­ti­ven.“Schwei­ckert, der dem Bun­des­tag „kei­ne Trä­ne“nach­weint, hat im Land­tag als Vor­sit­zen­der des Wirt­schafts­aus­schus­ses ei­ne her­vor­ge­ho­be­ne Po­si­ti­on. Er wid­me sich den The­men Wirt­schaft, Ar­beit und Woh­nungs­bau mit ho­hem En­ga­ge­ment und zei­ge kla­re Kan­te. Im Enz­kreis bil­de­ten die Kreis­rä­te von CDU, FW und FDP ei­nen bür­ger­li­chen Block. Dem Land­rat ha­be man kürz­lich 8,5 Mil­lio­nen Eu­ro aus den Rip­pen ge­lei­ert, um den Spiel­raum für die An­schluss­un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen und der Um­stel­lung des Haus­halts auf „Do­pik“, und da­mit des hö­he­ren Ab­schrei­bungs­be­darfs, zu er­wei­tern. In der Pforz­hei­mer Kom­mu­nal­po­li­tik kri­ti­siert Rül­ke die Po­li­tik der Er­hö­hung von Ge­wer­beund Grund­steu­er durch OB Gert Ha­ger, zum Stop­fen der Haus­halts­lö­cher. Die Fol­gen sei­en be­reits an der Ab­wan­de­rung von Ba­der und C. Haf­ner ab­zu­le­sen und am Schrump­fen der Zahl der ge­wer­be­steu­er­pflich­ti­gen Be­trie­be in Pforz­heim um 500 auf nun 4 500.

„Die Ge­wer­be­steu­er­er­hö­hung führt zum ge­gen­tei­li­gen Ef­fekt, zu ge­rin­ge­ren Steu­er­ein­nah­men.“Die CDU-Frak­ti­on ma­che da mit und las­se sich „mit dem Na­sen­ring durch die Ma­ne­ge zie­hen“, so Rül­ke. Ge­nau­so ver­hin­de­re die Er­hö­hung der Grund­steu­er das An­ge­bot at­trak­ti­ver Woh­nun­gen und da­mit den Zu­zug von Leis­tungs­trä­gern.

Ei­ne län­ge­re Dis­kus­si­on ent­spann sich um das Pro­jekt „In­nen­stadt-Ost“: Den Ab­riss des Tech­ni­schen Rat­hau­ses lehnt die FDP be­kannt­lich ab. Die Not­wen­dig­keit er­schließt sich un­ter an­de­rem auch Mo­ni­ka De­scharmes nicht: „Es ist nicht er­sicht­lich, was an des­sen Stel­le ent­ste­hen soll.“Sie be­fürch­tet, dass mit dem Ab­riss des Tech­ni­schen Rat­hau­ses dem In­ves­tor ei­ne freie Flä­che ge­bo­ten wer­den soll. Sprän­ge die­ser je­doch ab, blie­be ei­ne lee­re Bau­gru­be zu­rück.

Mat­thi­as Köh­ler folgt auf Ca­ro­li­ne Mai

DEUT­LI­CHE WOR­TE fan­den FDP-Kreis­chef Hans-Ul­rich-Rül­ke (links) und Erik Schwei­ckert bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Kreis­ver­bands Pforz­heim/Enz­kreis in Be­zug auf die Po­li­tik der Lan­des­re­gie­rung. Fo­to: Pe­che

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