Strei­chel­ein­heit im Vor­weih­nachts­stress

En­sem­ble „Cal­mus“singt „Christ­mas Ca­rols“

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Die Au­gen der an­nä­hernd 300 Zu­hö­rer sind zu Be­ginn des Abends noch ge­öff­net. Aber wohl auch des­halb, weil man die Mäd­chen und Frau­en kennt, die im Al­tar­raum der Evan­ge­li­schen Kir­che Bir­ken­feld ste­hen und ein be­son­de­res Kon­zert er­öff­nen. Es ist ein Flö­ten­en­sem­ble der Ju­gend­mu­sik­schu­le un­ter Lei­tung von Ul­ri­ke Sparn, das den mu­si­ka­li­schen Bo­den für ei­nen weih­nacht­li­chen Hör­ge­nuss für die Leip­zi­ger Sän­ger „Cal­mus“be­rei­tet. Das En­sem­ble be­schließt den Rei­gen der Ver­an­stal­tun­gen des Freun­des­krei­ses „Mu­sik aus Dres­den“für die­ses Jahr. Und man kann sa­gen, dass die Ju­gend­mu­sik­schü­ler in der Tat ei­nen ro­ten Tep­pich aus­rol­len und sich rich­tig was traut mit „Al­le­gro“, der Sin­fo­nie Nr. 4 von Wil­li­am Boy­ce et­wa, oder der „letz­ten Umar­mung“von Hier­ony­mus Prae­to­ri­us. Der Ap­plaus ist zu Recht stark und lang an­hal­tend.

Am Ein­gang zur schmuck­vol­len Kir­che Bir­ken­felds steht in­des­sen schon das En­sem­ble aus Leip­zig be­reit: Isa­bel Jant­schek (So­pran), Se­bas­ti­an Krau­se (Coun­ter­te­nor), To­bi­as Pö­che (Te­nor), Lud­wig Böh­me (Ba­ri­ton) und Ma­nu­el Helm­ke (Bass).

Von dort aus be­gin­nen sie auch ih­ren ge­sang­li­chen Sie­ges­zug durch den weih­nacht­li­chen Abend. „Ver­leih uns Frie­den gnä­dig­lich“von Mar­tin Lu­ther, der – wie es heißt – ei­ni­ge gre­go­ria­ni­sche Ge­sän­ge in Cho­rä­le über­tra­gen, wie auch die Bi­bel ins Deut­sche über­setzt und neu „rhyth­mi­siert“hat. Wie eben das „Da pa­cem do­mi­ne“von Hein­rich Schütz aus der Geist­li­chen Chor­mu­sik von 1648. Wie es in der An­kün­di­gung des „Cal­mus“-Teils heißt, möch­te man da­mit na­tür­lich dem kom­men­den Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um 2017 ge­recht wer­den. Schließ­lich kommt man aus der Lu­ther­stadt Leip­zig.

„Chris­tum wir sol­len lo­ben schon“aus Bachs Kan­ta­te ist ei­ne wei­te­re „In­ter­pre­ta­ti­on“von Lu­ther. Und eben da schlie­ßen man­che Zu­hö­rer schon die Au­gen, leh­nen die Köp­fe an­ein­an­der, um be­wusst die kla­ren Ge­sän­ge zu hö­ren, die sich in der her­vor­ra­gen­den Akus­tik der Kir­che wun­der­bar ent­fal­ten kön­nen wie Schmet­ter­lin­ge in der Som­mer­luft. Vor al­lem der So­pran macht Ka­prio­len, wird aber von den rest­li­chen Stim­men im­mer wie­der „ge­er­det“und sanft be­schützt auf den Hö­hen­flü­gen.

Die fünf In­ter­pre­ten blei­ben nicht in Deutsch­land, es soll schließ­lich wie an­ge­kün­digt um „Christ­mas Ca­rols“– Weih­nachts­lie­der aus al­ler Welt ge­hen. „Und zwar kli­ma­neu­tral, das ist das Gu­te dar­an“, heißt es zur Be­grü­ßung. Kei­ne schlech­ten öko­lo­gi­schen Fuß­ab­drü­cke wer­den hin­ter­las­sen, schließ­lich ge­he es in den Lie­dern auch oft um Weih­nach­ten im Schnee. „Man weiß wie nie, wie lan­ge wir das noch ha­ben.“

Fuß­ab­drü­cke wer­den nicht hin­ter­las­sen, aber nach we­ni­gen Mi­nu­ten schon

Hom­mage an das Lu­ther-Jahr 2017

akus­ti­sche Sin­nes­ein­drü­cke, die nach­hal­len. Glas­klar leh­nen sich die Stim­men von „Cal­mus“an­ein­an­der, be­flü­geln sich ge­gen­sei­tig, ge­ben sich Halt und schub­sen sich sanft an, um sich zu ei­nem sat­ten, emo­tio­na­len und doch auch klar struk­tu­rier­ten Klang­kör­per zu ver­flech­ten. Ei­ne schö­ne Ges­te und kei­nes­wegs stö­rend ist die Tat­sa­che, dass sich die En­sem­ble-Mit­glie­der auch sin­gend im­mer wie­der ver­teilt im Kir­chen­schiff neu pos­tie­ren und so den gan­zen Raum zu ei­nem ein­zi­gen Hör­er­leb­nis ma­chen.

So ge­langt man als Zu­hö­rer im Nu durch Kroa­ti­en, Ar­gen­ti­ni­en, lauscht den „Twel­ve Days of Christ­mas“in En­g­land und ei­nem afro­ame­ri­ka­ni­schen Spi­ri­tu­al aus den USA, treibt in Ir­land die Scha­fe zu­sam­men und er­blickt in Frank­reich „les an­ges“– die En­gel.

Ei­ne Kol­la­ge, die die See­le der All­tags­mü­den und Vor­weih­nachts-Ge­stress­ten strei­chelt. Su­san­ne Roth

MIT WOHL­KLIN­GEN­DEN STIM­MEN er­füll­te das En­sem­ble „Cal­mus“aus Leip­zig das Kir­chen­schiff in Bir­ken­feld. Das Kon­zert bil­de­te den Ab­schluss der Rei­he „Mu­sik aus Dres­den“für das Jahr 2016. Fo­to: Roth

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