Köln wapp­net sich für Sil­ves­ter

Über 2 000 Be­am­te im Ein­satz / Strobl setzt auf Vi­deo­über­wa­chung

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jo­nas-Erik Schmidt

Köln/Karls­ru­he (dpa/BNN). Nach den mas­sen­haf­ten se­xu­el­len Über­grif­fen auf Frau­en in der Sil­ves­ter­nacht 2015 hat die Köl­ner Po­li­zei die­ses Jahr zehn­mal so vie­le Be­am­te im Ein­satz. Au­ßer dem Netz aus Tau­sen­den Si­cher­heits­kräf­ten sol­len auch Vi­deo­über­wa­chung und ei­ne böl­ler­freie Zo­ne rund um den Dom die Si­cher­heit für die Fei­ern­den ver­bes­sern.

Auch in Ba­den-Würt­tem­berg wird an Sil­ves­ter ver­stärkt auf Vi­deo­über­wa­chung ge­setzt. Zu­dem hiel­ten sich fle­xi­ble Ein­satz­kräf­te be­reit, sag­te In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) im BNNIn­ter­view. „Für Angst oder gar Pa­nik gibt es kei­nen An­lass.“In Köln sol­len al­lein 1 500 Be­am­te der Lan­des­po­li­zei im Ein­satz sein . Das sieht das Kon­zept von Stadt und Po­li­zei vor, das ges­tern vor­ge­stellt wur­de und se­xu­el­le Atta­cken wie im ver­gan­ge­nen Jahr ver­hin­dern soll. „So et­was darf sich nicht wie­der­ho­len und des­halb wer­den wir als Po­li­zei al­les dar­an set­zen, dass die Men­schen den Aus­klang des Jah­res 2016 fried­lich und si­cher auf den Köl­ner Stra­ßen und Plät­zen fei­ern kön­nen“, sag­te Po­li­zei­prä­si­dent Jür­gen Ma­thies.

Die Bun­des­po­li­zei kün­dig­te ih­rer­seits an, sie wer­de mit et­wa 800 Be­am­ten in Bahn­hö­fen und Zü­gen in Nord­rheinWest­fa­len un­ter­wegs sein. Das sei im Ver­gleich zum Vor­jahr un­ge­fähr das Fünf­fa­che. Die Stadt Köln wie­der­um stockt ih­re Ord­nungs­kräf­te – auch mit pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten – auf rund 600 auf. In Köln war es in der zu­rück­lie­gen­den Sil­ves­ter­nacht rund um den Haupt­bahn­hof zu chao­ti­schen Zu­stän­den und vie­len Straf­ta­ten ge­kom­men. Ent­fes­sel­te Män­ner­grup­pen be­dräng­ten und be­stah­len Frau­en. Zeu­gen be­schrie­ben die Tä­ter als ara­bisch und nord­afri­ka­nisch. Wie sich her­aus­stell­te, wa­ren vie­le Flücht­lin­ge dar­un­ter.

Köln. „Kommt gut ins neue Jahr! Fröh­lich und si­cher Sil­ves­ter fei­ern in Köln“, steht auf ei­nem neu­en Pla­kat, auch ein Herz mit den Um­ris­sen des Doms ist zu se­hen. Gä­be es nicht die Vor­ge­schich­te, könn­te man es für die Ein­la­dung zu ei­ner x-be­lie­bi­gen Par­ty hal­ten. Doch die Wor­te „Köln“und „Sil­ves­ter“be­rei­ten seit fast ei­nem Jahr vie­len Bür­gern Un­be­ha­gen. Zu­sam­men ste­hen sie für Deutsch­lands Pro­ble­me in der Flücht­lings­po­li­tik, für Ver­sa­gen des Staats und für trau­ma­ti­sche Er­in­ne­run­gen Hun­der­ter Frau­en, Op­fer von Sex­at­ta­cken.

Der Stadt – und nicht nur ihr – hän­gen die furcht­ba­ren Er­eig­nis­se nach, die es im ver­gan­ge­nen Jahr am Haupt­bahn­hof und im Schat­ten des Doms ge­ge­ben hat. Ent­fes­sel­te Män­ner­grup­pen schos­sen wie wild Feu­er­werk um­her und be­grapsch­ten mas­sen­haft Frau­en. Weil vie­le Flücht­lin­ge un­ter den Tä­tern wa­ren, ge­riet das ge­sell­schaft­li­che Kli­ma ins Rut­schen. Köln galt als das En­de der „Will­kom­mens­kul­tur“. Ei­ne Wie­der­ho­lung will die Me­tro­po­le um je­den Preis ver­hin­dern. Der Preis da­für ist ei­ne Sil­ves­ter­fei­er als Hoch­si­cher­heits­er­eig­nis. „Sil­ves­ter 2016 wird ge­kenn­zeich­net sein durch ei­ne sehr gro­ße Po­li­zei­prä­senz“, stellt Po­li­zei­prä­si­dent Jür­gen Ma­thies klar. 1 500 Be­am­te der Lan­des­po­li­zei, da­zu rund 600 Ord­nungs­kräf­te im Auf­trag der Stadt. Hin­zu kom­men et­wa 800 Be­am­te der Bun­des­po­li­zei un­ter an­de­rem in Bahn­hö­fen und Zü­gen von Nord­rhein-West­fa­len. Sie sol­len schau­en, wel­che Kli­en­tel sich auf den Weg nach Köln macht. Ein Blick in den Maß­nah­men­ka­ta­log ver­rät, dass es ei­ne sehr spe­zi­el­le Sil­ves­ter­par­ty wird. Es wird mehr Vi­deo­über­wa­chung ge­ben, un­ter an­de­rem von Be­leuch­tungs­mas­ten am Bahn­hofs­vor­platz. Die Ho­hen­zol­lern­brü­cke, die zum Pan­ora­ma der Dom­stadt ge­hört, wird für Fuß­gän­ger ge­sperrt, auch Ver­kehrs­sper­ren wird es ge­ben. Zen­tra­le Or­te sol­len mit Zu­satz­be­leuch­tung aus der Dun­kel­heit ge­holt wer­den. Auf den Stra­ßen wer­den et­wa 20 Street­wor­ker un­ter­wegs sein. Selbst das Auf­stel­len von Toi­let­ten an Or­ten, an de­nen „Wil­du­ri­nie­ren“er­war­tet wird, fin­det Er­wäh­nung.

Köln weiß, was auf dem Spiel steht. Im­mer wie­der spricht Ober­bür­ger­meis­te­rin Hen­ri­et­te Re­ker von „den Bil­dern“, die aus Köln um die Welt ge­hen wer­den. Ei­gens wur­de der Ber­li­ner Licht­künst­ler Phil­ipp Geist en­ga­giert, der die Dom­plat­te mit ei­ner fu­tu­ris­ti­schen Vi­deo­show in Sze­ne set­zen wird. „Die bes­te Ant­wort auf Schre­cken wie im letz­ten Jahr ist, mit ei­nem po­si­ti­ven Kunster­eig­nis an­de­re Bil­der zu ent­wi­ckeln“, sag­te Geist un­längst.

Um den Dom wird es ei­ne Schutz­zo­ne ge­ben, in de­nen Böl­ler ver­bo­ten sind. Auch die Köl­ner Po­li­zei – nach der Sil­ves­ter­nacht we­gen ih­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on noch an­ge­zählt – be­treibt mitt­ler­wei­le ei­ne for­sche Pres­se­ar­beit. Jour­na­lis­ten kön­nen in die­sen Ta­gen qua­si täg­lich die letz­ten Hand­grif­fe vor Sil­ves­ter be­glei­ten. Und nicht nur für Köln steht viel auf dem Spiel. Ein we­nig ist es so, als wol­le die Stadt stell­ver­tre­tend für vie­le an­de­re die Wun­den hei­len, die der zu­rück­lie­gen­de Jah­res­wech­sel und die fol­gen­de De­bat­te auf­ge­ris­sen ha­ben. „Das gro­ße Ri­si­ko ist na­tür­lich, wenn doch et­was pas­siert“, sagt der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Ans­gar Zer­faß. „In Köln ist die Wahr­schein­lich­keit viel­leicht nicht so hoch an­ge­sichts der vie­len Po­li­zis­ten. Aber was ist, wenn es Vor­fäl­le in Düsseldorf, Dort­mund oder Es­sen gibt?“, fragt er. „Dann wür­de sich der NRW-In­nen­mi­nis­ter wohl an­hö­ren müs­sen, dass er Köln si­cher, an­de­re Städ­te aber un­si­che­rer ge­macht hat.“

Die Stadt will die Wun­den hei­len

SIL­VES­TER­FEI­ER ALS HOCH­SI­CHER­HEITS­ER­EIG­NIS: Nach den mas­sen­haf­ten se­xu­el­len Über­grif­fen im ver­gan­ge­nen Jahr wird die Köl­ner Po­li­zei beim be­vor­ste­hen­den Jah­res­wech­sel mit mehr als 1500 Be­am­ten im Ein­satz sein. Hin­zu kom­men rund 300 Be­am­te der Bun­des­po­li­zei und rund 600 Ord­nungs­kräf­te. Fo­to: dpa

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