Neu­er Macht­kampf

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

RU­DOLF GRU­BER

Ge­gen den ab­ge­säg­ten PSD-Pre­mier Vic­tor Pon­ta er­mit­telt der Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt; der am­tie­ren­de Par­tei­chef Li­viu Dragnea wur­de im April we­gen Wahl­be­trugs rechts­kräf­tig zu zwei Jah­ren Ge­fäng­nis auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt. Der Groß­teil der al­lein ver­gan­ge­nes Jahr vor Ge­richt an­ge­klag­ten 1250 Amts­trä­ger ge­hört der PSD an – Ru­mä­ni­ens So­zia­lis­ten kön­nen noch so tief im Kor­rup­ti­ons­sumpf ste­cken, sie wer­den im­mer wie­der ge­wählt. Auch nach der vor­ge­zo­ge­nen Wahl bleibt das Land in Gei­sel­haft der Post­kom­mu­nis­ten, und dies seit nun­mehr 26 Jah­ren. Für ei­ne Über­ra­schung sorg­te hin­ge­gen die Bür­ger­ak­ti­on „Uni­on ret­tet Ru­mä­ni­en!“(USR), die erst ein hal­bes Jahr alt ist und auf An­hieb mit 8,5 Pro­zent dritt­stärks­te Par­tei des Lan­des wur­de.

Wie schon in frü­he­ren Jah­ren zeich­net sich in Ru­mä­ni­en wie­der ein Macht­kampf zwi­schen Prä­si­dent und Re­gie­rung ab. PSD-Chef Dragnea will der nächs­te Pre­mier­mi­nis­ter wer­den, doch ein Ge­setz ver­bie­tet Vor­be­straf­ten, öf­fent­li­che Pos­ten zu über­neh­men. Des­halb

hat­te der deutsch­stäm­mi­ge Prä­si­dent Klaus Io­han­nis be­reits vor der Wahl er­klärt, er wer­de kei­nen Po­li­ti­ker als Re­gie­rungs­chef ak­zep­tie­ren, der Pro­ble­me mit der Jus­tiz ha­be. Doch Dragnea ver­warf noch in der Wahl­nacht die Mög­lich­keit, ei­nem un­be­schol­te­nen Par­tei­ge­nos­sen als Stroh­mann den Vor­tritt zu las­sen. Die gro­ße Ver­lie­re­rin der Wahl ist die ru­mä­ni­sche De­mo­kra­tie: Nur 39,5 Pro­zent der rund 18 Mil­lio­nen Stimm­bür­ger sind zu den Ur­nen ge­gan­gen, das ist die nied­rigs­te Wahl­be­tei­li­gung seit der de­mo­kra­ti­schen Wen­de 1989. Die hoch­kor­rup­te po­li­ti­sche Eli­te ist vor al­lem bei ur­ba­nen Wäh­lern na­he­zu völ­lig dis­kre­di­tiert. Die si­che­re Macht­ba­sis der PSD sind ih­re Hoch­bur­gen auf dem Land, wo sie die über­wie­gen­de Mehr­heit der Bür­ger­meis­ter und die Ge­mein­de­rä­te stellt. Die üb­li­chen Wahl­ver­spre­chen der So­zia­lis­ten – Lohn- und Ren­ten­er­hö­hun­gen bei gleich­zei­ti­ger Steu­er­sen­kung – kom­men bei der länd­li­chen Be­völ­ke­rung im­mer gut an. Und wenn der Wäh­ler­wil­le et­was lahmt, wird oft mit Ge­schen­ken nach­ge­hol­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.