Ägyp­ti­sche Pla­gen

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

PE­TER GILLIES

Rund hun­dert Mil­lio­nen Chris­ten wer­den welt­weit we­gen ih­res Glau­bens ver­folgt. Ägyp­ten da­ge­gen rühm­te sich über Jah­re sei­ner fried­li­chen Ko­exis­tenz zwi­schen Mus­li­men und Chris­ten. Doch der schwe­re An­schlag auf die christ­li­chen Kop­ten in Kairo hat die­se Vi­si­on er­neut er­schüt­tert. Das hat po­li­ti­sche Fol­gen, denn der mit har­ter Hand re­gie­ren­de ägyp­ti­sche Staats­chef al-Si­si hat sich im­mer als Schutz­herr der kop­ti­schen Chris­ten emp­foh­len. Zu­dem plant die EU ei­nen Flücht­lings­de­al mit Ägyp­ten, ähn­lich dem mit der Tür­kei.

Die rund neun Mil­lio­nen Kop­ten in Ägyp­ten sind die größ­te christ­li­che Ge­mein­de im Na­hen Os­ten. Der An­schlag auf ihr Got­tes­haus na­he der be­kann­ten Mar­kus-Ka­the­dra­le trifft die Glau­bens­ge­mein­schaft ins Mark, denn sie ist der Amts­sitz des kop­ti­schen Paps­tes. Zu dem At­ten­tat, das min­des­tens 25 Men­schen­le­ben for­der­te, hat sich bis­her noch kei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on be­kannt. Aber

dass es am Ge­burts­tag des Pro­phe­ten Mo­ham­med statt­fand, lässt Rück­schlüs­se auf des­sen Ur­he­ber zu.

Wut und Zorn der Kai­ro­er Kop­ten, die laut­stark ge­gen Staats­chef Ab­del Fat­tah al-Si­si und des­sen In­nen­mi­nis­ter de­mons­trie­ren, sind ver­ständ­lich. Sie hat­ten auf die staat­li­che Si­cher­heits­ga­ran­tie ver­traut, zu­mal ih­re Gläu­bi­gen auf dem Lan­de au­ßer­halb der Groß­städ­te noch im­mer vie­len Schi­ka­nen der mus­li­mi­schen Mehr­heit aus­ge­setzt sind. Als sich al-Si­si mit den Mi­li­tärs 2013 an die Macht putsch­te, den is­la­mis­ti­schen Prä­si­den­ten Mur­si aus dem Amt jag­te und fest­setz­te, hat­ten sich die Kop­ten mit dem neu­en Macht­ha­ber so­li­da­risch er­klärt. Vor al­lem hoff­ten sie, von der Mus­lim­bru­der­schaft in Ru­he ge­las­sen zu wer­den. Im Ge­gen­zug si­cher­te al-Si­si den ägyp­ti­schen Chris­ten Schutz vor Ver­fol­gung zu. Der jüngs­te blu­ti­ge An­schlag stellt die­se Si­cher­heits­ga­ran­tie nun al­ler­dings er­neut in Fra­ge.

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