Der Mann im An­zug mit der ko­mi­schen Fri­sur

Seit 2005 mo­de­riert der Karls­ru­her Pier­re M. Krau­se die La­tenight-Show des SWR-Fern­se­hens / Heu­te Abend läuft die 500. Fol­ge

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von Jür­gen Ruf und Ju­li­us Sand­mann

Ba­den-Ba­den/Karls­ru­he. Pier­re M. Krau­se ist der ein­zi­ge sei­ner Art: der letz­te Mo­de­ra­tor ei­ner La­tenight-Show im deut­schen Fern­se­hen. Er ist im­mer diens­tags um kurz vor Mit­ter­nacht im SWR zu se­hen – heu­te Abend wird die 500. Fol­ge der SWR-La­tenight-Show aus­ge­strahlt, die 2003 mit dem Ti­tel „SWR3 Ring frei!“an den Start ging und 2005 von Krau­se über­nom­men wur­de. Ab 2007 hieß die Sen­dung „SWR3 la­tenight“, be­vor die Ma­cher An­fang 2016 auch im Ti­tel „Die Pier­re M. Krau­se Show“kon­se­quent auf die Fi­gur des blon­den Karls­ru­hers setz­ten. Ide­en zu sei­ner Sen­dung fin­det der 40-Jäh­ri­ge auch in sei­ner Hei­mat­stadt, wie er in ei­nem In­ter­view mit den BNN er­zählt hat: „Das ech­te nor­ma­le Le­ben gibt die bes­ten An­re­gun­gen. Und die­ses Le­ben fin­det hier mit al­len Fa­cet­ten statt.“

Um sich über die ak­tu­el­len Ge­scheh­nis­se in Po­li­tik und Ge­sell­schaft zu in­for­mie­ren, le­se Krau­se auch oft die BNN. „Zei­tun­gen, aber auch das Fern­se­hen, wer­den im­mer wie­der ger­ne tot­ge­sagt. Ich glau­be: Bei­des wird es noch sehr lan­ge ge­ben! Ver­su­chen Sie doch mal ei­nen Fisch in ei­nen Lap­top ein­zu­wi­ckeln“, sag­te er die­ser Zei­tung. Hu­mor, der ty­pisch ist für ei­nen La­tenigh­tMo­de­ra­tor. Aber Krau­se hat ja auch bei ei­nem der Größ­ten ge­lernt: bei Ha­rald Schmidt. Seit 2005 macht er beim SWR sei­ne ei­ge­ne Show – mit Comedy, Talk, Mu­sik und pro­mi­nen­ten Gäs­ten.

Krau­se sen­det aus dem Fern­seh­stu­dio fünf in Ba­den-Ba­den. Dort ent­steht sei­ne wö­chent­li­che Sen­dung vor Stu­dio­pu­bli­kum. „Sie ist die er­folg­reichs­te deut­sche La­tenight-Show“, sagt der Ba­de­ner des Jah­res 2015. „Und sie ist die ein­zi­ge deut­sche La­tenight-Show.“Zur 500. Fol­ge heu­te kom­men Ko­mi­ke­rin und Schau­spie­le­rin An­ke En­gel­ke, Co­me­di­an Se­bas­ti­an Puf­paff so­wie Mu­si­ker Max Mutz­ke. Auch Frank Elst­ner ist mit da­bei. „Ich schaue mir je­de Fol­ge die­ser Sen­dung an“, sagt der 74-jäh­ri­ge, ehe­ma­li­ge BNN-Vo­lon­tär Elst­ner: „Pier­re M. Krau­se hat ein Ta­lent, das es kaum noch gibt im Fern­se­hen. Er schafft es, al­le zum La­chen zu brin­gen, über Ge­ne­ra­tio­nen und Ziel­grup­pen hin­weg.“Elst­ner hat zu Krau­se ei­ne be­son­de­re Ver­bin­dung. Er war in des­sen ers­ter Sen­dung zu Gast. Statt der sonst 30 Mi­nu­ten ist die Ju­bi­lä­ums­show 90 Mi­nu­ten lang.

„Bei un­se­rer Sen­dung ist es wie bei ei­ner Mil­lio­närs­gat­tin in Ba­den-Ba­den. Sie wird äl­ter und kei­ner sieht es“, sagt Krau­se. Im­mer­hin: Im Schnitt schal­ten pro Aus­ga­be nach An­ga­ben des SWR deutsch­land­weit 160 000 Zu­schau­er ein (Markt­an­teil: 4,3 Pro­zent). Zu­dem wird sie häu­fig im In­ter­net an­ge­klickt. Es ist ei­ne se­hens­wer­te Sen­dung, die in ei­ner nächt­li­chen Ni­sche im Re­gio­nal­fern­se­hen läuft – und den­noch re­gel­mä­ßig pro­mi­nen­te Gäs­te an­lockt. Krau­se ge­hört zu den be­kann­ten Ge­sich­tern des Pro­gramms. „Ich bin der Mann im An­zug mit der ko­mi­schen Fri­sur, der viel zu schnell spricht“, sagt er. Beim SWR steht er für jun­ges und ver­gleichs­wei­se un­kon­ven­tio­nel­les Fern­se­hen.

Sei­ne Show folgt dem klas­si­schen La­tenight-Kon­zept: Der Mo­de­ra­tor sitzt an ei­nem gro­ßen Schreib­tisch, macht Gags, zeigt Zu­spiel­fil­me, hat ei­ne Show­band an sei­ner Sei­te und pro­mi­nen­te Gäs­te. In den USA ha­ben La­tenigh­tShows tra­di­tio­nell ei­nen ho­hen Stel­len­wert. An­fang der 1990er Jah­re brach­ten Pri­vat­sen­der das Kon­zept nach Deutsch­land. Ha­rald Schmidt und Tho­mas Gott­schalk mo­de­rier­ten La­tenigh­tShows. Die­se Sen­dun­gen gibt es heu­te nicht mehr. Krau­se sagt: „Ich wür­de mir wün­schen, dass es im deut­schen Fern­se­hen ei­ne La­tenight-Kul­tur gibt, al­so meh­re­re La­tenight-For­ma­te mit ver­schie­de­nen Mo­de­ra­to­ren“, sagt er.

Auch nach der 500. Aus­ga­be wird es wei­ter­ge­hen, sagt der Re­dak­ti­ons­lei­ter der Sen­dung, Andre­as Frei­tag. Neue Fol­gen und Fil­me sind in Pla­nung. „Es ist ei­ne in­no­va­ti­ve und jun­ge Show, die wun­der­bar ver­rückt ist. Pier­re ist ein Mo­de­ra­tor und En­ter­tai­ner, der mit viel Charme und gran­dio­sem Hu­mor die­sem For­mat sei­nen Stem­pel auf­drückt.“Krau­se sagt, er ha­be Spaß an der Sen­dung, weil sie kei­nen star­ren Re­geln un­ter­wor­fen sei: „In ei­ner La­tenight-Show ist der hin­ter­sin­ni­ge Witz ge­nau­so ob­li­ga­to­risch wie die Tor­te ins Ge­sicht. Man kann wun­der­bar al­bern sein, oh­ne da­bei den Feuille­ton-Le­ser zu ver­grä­men.“ Ser­vice „Die Pier­re M. Krau­se Show“läuft heu­te, 23.30 Uhr, im SWR-Fern­se­hen.

EIN UNIKAT IM DEUT­SCHEN FERN­SE­HEN: Pier­re M. Krau­se ist mo­men­tan der ein­zi­ge La­tenight-Mo­de­ra­tor. Das Bild ent­stand bei der Auf­zeich­nung der 500. Sen­dung am 6. De­zem­ber in Ba­den-Ba­den. Fo­to: dpa

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