Raz­zi­en im gan­zen Land

Tür­ki­sche Si­cher­heits­kräf­te neh­men über 230 Po­li­ti­ker der Op­po­si­ti­ons­par­tei fest

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Istan­bul. Schon kurz nach dem ver­hee­ren­den Dop­pel­an­schlag vom Wo­che­n­en­de in Istan­bul mach­te die tür­ki­sche Füh­rung deut­lich, wie sie re­agie­ren wird: mit Här­te und Ver­gel­tung. Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan er­klär­te den Kampf ge­gen „die Pest des Ter­rors“zur Prio­ri­tät. Und In­nen­mi­nis­ter Sü­ley­man Soylu sprach so­gar von „Ra­che“, die die Si­cher­heits­kräf­te neh­men müss­ten.

Ges­tern, nach­dem sich die TAK, ei­ne Split­ter­grup­pe der ver­bo­te­nen kur­di­schen Ar­bei­ter­par­tei PKK, zu den An­schlä­gen be­kannt hat­te, leg­te Soylu nach: „Un­se­re Auf­ga­be ist, sie von die­sem Teil der Er­de für im­mer zu eli­mi­nie­ren“ sag­te er. „Sie“, das sind für ihn die „Ter­ro­ris­ten“und ih­re „Ma­rio­net­ten“. Für ei­ne die­ser Pup­pen hält die tür­ki­sche Füh­rung un­ter an­de­rem die pro-kur­di­sche HDP – zweit­größ­te Op­po­si­ti­ons­par­tei im Par­la­ment, aber in den Au­gen der Re­gie­rung nichts an­de­res als der ver­län­ger­te Arm der PKK.

„Er­do­gan sieht die HDP als ein­zi­ges Hin­der­nis auf dem Weg zum Prä­si­di­al­sys­tem“, ent­geg­ne­te Tah­sin Yil­maz, Vor­sit­zen­der der HDP im Istan­bu­ler Be­zirk Bey­koz. Zwei Ta­ge nach dem An­schlag in Istan­bul wur­den mehr als 230 HDP-Po­li­ti­ker un­ter an­de­rem we­gen des Vor­wurfs der PKK-Un­ter­stüt­zung fest­ge­nom­men. In Istan­bul wur­de das Ge­bäu­de der HDP-Pro­vinz­lei­tung ver­wüs­tet. „Wie soll denn mit so ei­ner Auf­fas­sung ei­ne Lö­sung für das Kur­den­pro­blem ge­fun­den wer­den?“, fragt Ce­mi­le Ce­lik, die in die Par­tei­zen­tra­le ge­kom­men ist, um die HDP zu un­ter­stüt­zen. „So wer­den wir kei­nen Frie­den fin­den, und das ist nicht nur ein Pro­blem für die Kur­den, son­dern für al­le Men­schen in der Tür­kei.“

Die tür­ki­sche Luft­waf­fe flog der­weil Luft­an­grif­fe ge­gen PKK-Stel­lun­gen im Nord­irak. Nach An­ga­ben von Ex­per­ten der In­ter­na­tio­nal Cri­sis Group ha­ben die Aus­ein­an­der­set­zun­gen seit Som­mer 2015 mehr als 2 000 Men­schen das Le­ben ge­kos­tet. Mir­jam Sch­mitt

VERWÜSTETES HDP-BÜ­RO IN ISTAN­BUL: Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Tür­kei ha­ben seit ver­gan­ge­nem Som­mer mehr als 2 000 Men­schen das Le­ben ge­kos­tet, dar­un­ter mehr als 380 Zi­vi­lis­ten. Fo­to: dpa

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