Die Schach­tel Scho­ko­la­de für 10 000 Eu­ro

Lu­xus­kauf­häu­ser wie Har­rods, KaDeWe & Co wer­den der­zeit be­son­ders gern be­sucht / Stän­di­ger Um­bau

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Lon­don/Berlin. Ju­we­len, Ka­vi­ar oder ed­les Spiel­zeug zu Weih­nach­ten: Stau­nend schie­ben sich Men­schen­mas­sen wie vor Jahr­zehn­ten durch Eu­ro­pas ex­klu­si­ve Kon­sum­tem­pel, zu de­nen zum Bei­spiel Har­rods und KaDeWe zäh­len. Die Häu­ser set­zen auf Tra­di­ti­on und mei­den zugleich Still­stand. Un­se­re Mit­ar­bei­ter Sil­via Ku­sid­lo, Burk­hard Frau­ne, Le­na Klim­keit und Chris­ti­an Böh­mer ge­ben ei­nen Über­blick:

Har­rods:

Ei­ne Schach­tel hand­ge­mach­ter Scho­ko­la­de für um­ge­rech­net mehr als 10 000 Eu­ro oder ein Ba­by-Ele­fant, den der spä­te­re US-Prä­si­dent Ro­nald Rea­gan für ei­nen Par­tei­tag be­stell­te – im Lon­do­ner Lu­xus-Kauf­haus Har­rods war und ist vie­les mög­lich. Exo­ti­sche Tie­re wer­den dort zwar schon lan­ge nicht mehr ver­kauft, aber das schil­lern­de An­ge­bot der Tou­ris­ten­at­trak­ti­on zieht je­den Tag bis zu et­wa 300 000 Gäs­te an. Nicht nur in der Weih­nachts­zeit klin­geln die Kas­sen kräf­tig. Vie­le Ara­ber ent­flie­hen im Som­mer der Wüs­ten­hit­ze und kau­fen, an­ge­sichts der Ent­beh­run­gen des be­vor­ste­hen­den Ra­ma­dans, für enor­me Sum­men Ju­we­len oder De­si­gner-Hand­ta­schen im Har­rods ein. Ei­ne Ge­denk­stät­te im Ge­bäu­de er­in­nert an Prin­zes­sin Dia­na, die mit ih­rem Freund Do­di Al Fay­ed bei ei­nem Au­to­un­fall starb. Des­sen Va­ter Mo­ha­med Al Fay­ed ge­hör­te das Lu­xus-Kauf­haus – bis der ägyp­ti­sche Mil­li­ar­där es 2010 an den In­ves­tor Qa­tar Hol­ding des Emi­rats Ka­tar ver­kauf­te. Das Mot­to des Kon­sum­tem­pels: Om­nia, Om­ni­bus, Ubi­que – al­les, für je­den, über­all. Beim Dress­code wer­den al­ler­dings en­ge­re Gren­zen ge­setzt: Schon ei­ne Punk­fri­sur reich­te in der Ver­gan­gen­heit aus, um nicht in die hei­li­gen Hal­len ein­ge­las­sen zu wer­den.

KaDeWe:

Für vie­le Ber­li­ner und Tou­ris­ten ist das Kauf­haus des Wes­tens (KaDeWe) die Ein­kaufs­in­stanz in der Haupt­stadt. Doch der kai­ser­zeit­li­che Kon­sum­tem­pel ist in die Jah­re ge­kom­men. Zwar glän­zen in der Lu­xus­ab­tei­lung Lä­den von Guc­ci bis Ro­lex, doch wer wei­ter in das Ge­bäu­de vor­dringt, steht vor Rei­hen gleich­för­mi­ger Klei­der­stän­der mit Blu­sen und Strick­ja­cken, wie es sie auch an­ders­wo gibt.

In­zwi­schen kom­men man­che Ber­li­ner Ein­kaufs­zen­tren ähn­lich vor­nehm da­her wie das KaDeWe – nicht zu schwei­gen von Vor­zei­ge­lä­den der Mar­ken­ar­tik­ler von App­le über Boss bis Ger­ry We­ber. Das KaDeWe wird des­halb seit et­wa ei­nem hal­ben Jahr grund­le­gend um­ge­baut. Be­su­cher mer­ken nicht viel da­von, weil die Ar­bei­ter hin­ter Gips­kar­ton wer­keln.

Doch in den nächs­ten Jah­ren wird das KaDeWe prak­tisch neu er­fun­den: vier Kauf­häu­ser un­ter ei­nem Dach, je­des an­ge­ord­net um ei­ge­ne Trep­pen­häu­ser. Ganz oben auf das Dach kommt ein Gar­ten­re­stau­rant.

Ein drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag wird in­ves­tiert, da­mit das Haus ei­ne At­trak­ti­on bleibt. Der Slo­gan da­zu: „Ci­ties chan­ge – so do we“(Städ­te än­dern sich – wir auch).

La Ri­nas­cen­te:

Ele­ganz wird noch im­mer groß­ge­schrie­ben im Tra­di­ti­ons-Wa­ren­haus La Ri­nas­cen­te in Eu­ro­pas Mo­de­haupt­stadt Mailand. In To­p­la­ge di­rekt an der Piaz­za des be­rühm­ten Doms zieht das 2016 als „bes­tes Wa­ren­haus welt­weit“aus­ge­zeich­ne­te Flagg­schiff der Han­dels­grup­pe Tou­ris­ten wie Ein­hei­mi­sche an. Hin­ter schlich­ter Fas­sa­de war­tet La Ri­nas­cen­te auf 14 Ebe­nen mit dem ty­pi­schen Sor­ti­ment ei­nes Lu­xus­kauf­hau­ses auf: Es gibt ei­nen Gour­met-Su­per­markt, Mo­de von ita­lie­ni­schen und in­ter­na­tio­na­len De­si­gnern bis hin zu Well­nes­sund Kos­me­tik­pro­duk­ten. Trotz wirt­schaft­lich schwie­ri­ger Zei­ten in Ita­li­en scheint das Kon­zept des 1865 ge­grün­de­ten Un­ter­neh­mens noch zu funk­tio­nie­ren: 2015 ver­mel­de­te Chef Al­ber­to Bald­an ei­nen Um­satz auf dem Hei­mat­markt von mehr als 500 Mil­lio­nen Eu­ro. La-Ri­nas­cen­te-Häu­ser gibt es in zehn ita­lie­ni­schen Städ­ten. Das An­ge­bot wird stän­dig er­wei­tert und das Haupt­haus im­mer wie­der re­no­viert. 2015 stieg die Ri­nas­cen­te-Grup­pe bei der KaDeWe Group ein. Mit der deut­schen Wa­ren­haus­ket­te und dem Il­lum in Ko­pen­ha­gen er­ziel­te die Grup­pe 2015 laut CEO Bald­an ei­nen Jah­res­um­satz von 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro. Seit 2011 ge­hört La Ri­nas­cen­te zur thai­län­di­schen Cen­tral Group.

Ga­le­ries La­f­ay­et­te:

Trotz der Ter­ror­se­rie in Frank­reich strö­men Be­su­cher wei­ter­hin in die Ga­le­ries La­f­ay­et­te am Bou­le­vard Haus­s­mann in Paris – be­son­ders zur Weih­nachts­zeit. Die Lei­tung stellt sich im Durch­schnitt auf 180 000 Be­su­cher pro Tag ein. Seit fast zwei Jah­ren gibt es ei­ner Spre­che­rin zu­fol­ge ver­stärk­te Si­cher­heits­maß­nah­men. Die An­schlä­ge hät­ten sich vor al­lem bei der in­ter­na­tio­na­len Kund­schaft be­merk­bar ge­macht. Ein­bu­ßen be­zif­fer­te die Spre­che­rin aber nicht. Die auf mehr als 120 Jah­re Tra­di­ti­on zu­rück­bli­cken­de Grup­pe ist im­mer noch in Fa­mi­li­en­be­sitz. Sie führt 280 Ge­schäf­te, 14 000 Mit­ar­bei­ter und un­ter an­de­rem das Schmuck­un­ter­neh­men Gué­rin. Der Um­satz be­trug im ver­gan­ge­nen Jahr rund 3,8 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Grün­der stamm­ten üb­ri­gens aus dem El­sass.

GLITZERTEMPEL AN DER SEI­NE: Trotz der Ter­ror­se­rie in Frank­reich strö­men Be­su­cher wei­ter­hin in die Ga­le­ries La­f­ay­et­te in Paris. Fo­tos (2): dpa

GLITZERTEMPEL AN DER THEMSE: Har­rods hat so­gar schon exo­ti­sche Tie­re wie ei­nen Ba­by-Ele­fan­ten ver­kauft. Nur beim rich­ti­gen Dress­code kommt man in die hei­li­gen Hal­len.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.