Mann muss we­gen Mor­des in Metz­ge­rei in Haft

Höchst­stra­fe für 37-Jäh­ri­gen: Er stach sei­ne schwan­ge­re Ex-Freun­din vor ge­mein­sa­men Kin­dern nie­der

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ni­co Po­int­ner

Ulm. Es ist kurz nach halb acht am Mor­gen des 4. April im schwä­bi­schen Ört­chen Don­z­dorf, ei­ne jun­ge Mut­ter ist mit ih­ren drei klei­nen Jungs zu Fuß auf der Haupt­stra­ße un­ter­wegs. Die 25-Jäh­ri­ge will mit ih­nen in den Kin­der­gar­ten. Nach der Tren­nung von ih­rem Ex hat sie ei­nen neu­en Part­ner ge­fun­den. Sie ist wie­der schwan­ger, in der 13. Wo­che, will bald hei­ra­ten. Plötz­lich taucht ihr frü­he­rer Freund auf. Die bei­den strei­ten. Der 37-Jäh­ri­ge zieht ein Mes­ser. Die Frau flüch­tet in ei­ne na­he Metz­ge­rei. Dort holt er sie ein. Er sticht mit al­ler Kraft auf ih­ren Kör­per ein. Sie sinkt blu­tend zu Bo­den. Er zieht ih­ren Kopf an den Haa­ren wie­der hoch und macht wei­ter – 21 Mal, bis sie sich nicht mehr rührt. Meh­re­re Men­schen in der Metz­ge­rei müs­sen die Tat mit an­se­hen. Auch die klei­nen Kin­der se­hen zu, wie ih­re Mut­ter stirbt. Sie sind drei, fünf und sechs Jah­re alt. Der Fall von Don­z­dorf scho­ckiert die Öf­fent­lich­keit. Die Staats­an­walt­schaft ver­langt le­bens­lan­ge Haft.

Nach Auf­fas­sung des Ge­richts er­mor­de­te der Mann sei­ne Ex-Part­ne­rin – heim­tü­ckisch und aus nied­ri­gen Be­weg­grün­den. „Er konn­te es nicht er­tra­gen, dass sie sich ei­nem neu­em Mann zu­ge­wandt hat“, sag­te Rich­ter Gerd Gu­gen­han ges­tern. Sie ha­be sich nicht weh­ren kön­nen. Die Ver­tei­di­ge­rin hat­te hin­ge­gen auf zwölf Jah­re Haft we­gen Tot­schlags plä­diert. Ju­gend­psych­ia­ter Lutz Gold­beck hat­te in dem Pro­zess die dra­ma­ti­schen see­li­schen Fol­gen für die hin­ter­blie­be­nen Kin­der auf­ge­zeigt. Der Drei­jäh­ri­ge zei­ge Hin­wei­se auf ei­ne post­trau­ma­ti­sche Be­las­tungs­stö­rung, die äl­te­ren bei­den Jun­gen hät­ten ähn­li­che Sym­pto­me. Die Kin­der sei­en froh, dass sie „die Schre­cken des Zu­sam­men­le­bens in der Fa­mi­lie“hin­ter sich las­sen konn­ten, sag­te Gold­beck. Er ge­he da­von aus, dass die Tö­tung der Mut­ter die letz­te Es­ka­la­ti­on von Ge­walt­hand­lun­gen in der Fa­mi­lie war. Tä­ter und Op­fer wa­ren von 2008 bis 2015 li­iert. Im­mer wie­der kommt es zur Ge­walt. Der 27-Jäh­ri­ge schlägt Frau und Kin­der. Mit der Tren­nung wird das Ver­hält­nis nicht ein­fa­cher: Er stellt ihr nach, schreibt ihr Hun­der­te Nach­rich­ten. Ei­gent­lich darf er sich ihr gar nicht mehr nä­hern, sie nicht mehr an­ru­fen. Doch er setzt sich wie­der und wie­der über ein ge­richt­li­ches An­nä­he­rungs­ver­bot hin­weg. Staats­an­walt Ste­fan Adam­ski spricht von „per­ma­nen­tem Psy­cho­ter­ror“und „ab­so­lu­tem Be­sitz­an­spruchs­den­ken“. Dann er­fährt er von ih­rer Schwan­ger­schaft. Am 4. April steigt der 37-Jäh­ri­ge mit ei­nem Mes­ser be­waff­net in den Bus und fährt zum Tat­ort. Er tö­tet die Mut­ter und ver­ab­schie­det sich von sei­nen klei­nen Kin­dern mit ei­nem Kuss auf die Stirn. In ei­nem na­he­ge­le­ge­nen Su­per­markt kauft er Al­ko­hol und Zi­ga­ret­ten und be­trinkt sich. Kurz dar­auf nimmt die Po­li­zei ihn mit fast vier Pro­mil­le fest.

Vor Ge­richt will er sich nicht mehr an die Tat er­in­nern. Er sei aber or­ga­ni­siert und ziel­ge­rich­tet vor­ge­gan­gen, ur­teil­te Gu­gen­han. Die An­wäl­tin des 37-Jäh­ri­gen, Co­rin­na Na­gel, spricht hin­ge­gen von ei­nem „Black­out“und ei­ner „Ver­zweif­lungs­tat“. Die Mes­ser­sti­che sei­en nicht ge­plant ge­we­sen. Die Ex-Freun­din ha­be ihn vor­her im­mer wie­der pro­vo­ziert und mit der Ge­walt rech­nen müs­sen. Die An­wäl­tin spricht nicht nur von schwie­ri­gen Le­bens- und Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­sen ih­res Man­dan­ten, son­dern auch von an­de­ren Sit­ten und ei­nem aus sei­ner tür­ki­schen Hei­mat mit­ge­brach­ten Wert­ge­fü­ge. Die Mut­ter des 37-Jäh­ri­gen ha­be den An­ge­klag­ten zu­dem ge­ra­de­zu an­ge­sta­chelt. Sie soll ge­sagt ha­ben, dass sie stolz wä­re, wenn er sei­ne Ex-Freun­din um­brin­gen wür­de. Dann wür­de er zwar ins Ge­fäng­nis ge­hen, aber im­mer­hin sei er dann ein ech­ter Mann. Die An­wäl­tin will in Re­vi­si­on ge­hen. Der An­ge­klag­te gab be­reits nach den Plä­doy­ers an, die Tat zu be­dau­ern: „Mö­ge ihr Platz das Pa­ra­dies sein, ich ak­zep­tie­re mei­ne Schuld.“

An­wäl­tin will in Re­vi­si­on ge­hen

SPURENSICHERER DER PO­LI­ZEI in Don­z­dorf si­cher­ten im April Be­wei­se am Tat­ort, an dem die 25-Jäh­ri­ge er­sto­chen wur­de. Fo­to: Wölfl

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