Ge­sund­heits­kar­te ist zu­rück­ge­stellt

Sach­leis­tungs­kar­te für Flücht­lin­ge kommt

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. Die grün-ro­te Vor­gän­ger­re­gie­rung hat­te sich noch für die Ge­sund­heits­kar­te für Flücht­lin­ge stark ge­macht, un­ter grün-schwar­zer Ägi­de ist das Vor­ha­ben zwi­schen­zeit­lich aber zum Er­lie­gen ge­kom­men. Die op­po­si­tio­nel­le SPD macht sich des­halb Sor­gen. In der mor­gi­gen Sit­zung des Land­tags be­gehrt sie Aus­kunft, war­um man von der Kar­te Ab­stand nimmt, „so dass Asyl­su­chen­de und Flücht­lin­ge bei aku­ten Schmerz­zu­stän­den und im Fall von Krank­heit auch wei­ter­hin grund­sätz­lich vor je­dem Arzt­be­such beim zu­stän­di­gen So­zi­al­amt ei­nen Be­hand­lungs­schein be­an­tra­gen müs­sen.“

In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) weist dar­auf hin, dass die Len­kungs­grup­pe Flücht­lings­auf­nah­me nach Ge­sprä­chen mit den Kran­ken­kas­sen und den Kom­mu­na­len Lan­des­ver­bän­den be­schlos­sen hat, das The­ma Ge­sund­heits­kar­te zu­rück­zu­stel­len. Zu­erst müs­se auf Bun­des­ebe­ne Ein­mü­tig­keit et­wa beim Leis­tungs­um­fang er­zielt sein. Ge­klärt wer­den sol­le auch, wer die an­fal­len­den Ver­wal­tungs­kos­ten trägt.

Nach Darstel­lung Stro­bls legt die zu­rück­ge­hen­de Zahl von Flücht­lin­gen den vor­läu­fi­gen Ver­zicht auf die Kar­te na­he. Zu Be­ginn des Jah­res be­trug die Zahl der nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz für die Aus­ga­be ei­ner Ge­sund­heits­kar­te in Be­tracht kom­men­den Mi­gran­ten in Ba­den-Würt­tem­berg rund 85 000. Sechs Mo­na­te spä­ter wa­ren es al­ler­dings rund 92 000 Flücht­lin­ge. Vor dem Hin­ter­grund der zu­letzt rück­läu­fi­gen Flücht­lings­zah­len und der An­kün­di­gung des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge, Asyl­ver­fah­ren künf­tig schnel­ler ab­zu­schlie­ßen, rech­net das In­nen­mi­nis­te­ri­um gleich­wohl da­mit, dass der Kreis der so ge­nann­ten Grund­leis­tungs­be­rech­tig­ten klei­ner wird. Für die Ein­füh­rung ei­ner Ge­sund­heits­kar­te sei je­den­falls kei­ne Min­dest­grö­ße er­for­der­lich, be­tont Strobl.

Ne­ben den Stadt­staa­ten Bre­men, Berlin und Ham­burg ha­ben auch die Flä­chen­län­der Nord­rhein-West­fa­len und Schles­wi­gHol­stein die Ge­sund­heits­kar­te für be­rech­tig­te Flücht­lin­ge ein­ge­führt. In Nord­rhein-West­fa­len ent­schei­det je­de Kom­mu­ne selbst, ob sie der ent­spre­chen­den Rah­men­ver­ein­ba­rung bei­tre­ten will oder nicht.

Un­ter­des­sen scheint die Ein­füh­rung ei­ner Sach­leis­tungs­kar­te für Asyl­su­chen­de und Flücht­lin­ge nicht aus­ge­setzt zu wer­den. In­nen­mi­nis­ter Strobl be­tont, dass der grün-schwar­ze Ko­ali­ti­ons­ver­trag die Ein­füh­rung die­ser Kar­te für Men­schen in der Erst­auf­nah­me vor­sieht. Das Ver­ga­be­ver­fah­ren wer­de der­zeit un­ter Fe­der­füh­rung des Staats­mi­nis­te­ri­ums or­ga­ni­siert. Die SPD fürch­te­te, dass auch die Sach­leis­tungs­kar­te ge­stri­chen wer­de, nach­dem CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart er­klärt hat­te, über die Ein­füh­rung sei noch nicht ent­schie­den. Mit der Kar­te kön­nen sich Flücht­lin­ge et­wa Hy­gie­ne­ar­ti­kel be­sor­gen.

Strobl: Zahl der Mi­gran­ten rück­läu­fig

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