Kri­tik am „Tun­nel­bau­papst“

Stutt­gart-21-Geg­ner rich­ten er­neut Ap­pell an Auf­sichts­rä­te

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ju­lia Giertz

Stutt­gart. Das Ak­ti­ons­bünd­nis ge­gen Stutt­gart 21 hat der Bahn we­ni­ge Ta­ge vor der nächs­ten Auf­sichts­rats­sit­zung vor­ge­wor­fen, die Ri­si­ken des Tun­nel­baus im quell­fä­hi­gem Gestein her­un­ter­zu­spie­len. Sie stüt­ze sich ein­zig auf den Ex­per­ten Wal­ter Witt­ke und des­sen lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung, zu der aber auch miss­lun­ge­ne Pro­jek­te ge­hör­ten, kri­ti­sier­te Ru­dolf Rö­der von ei­ner An­woh­ner­initia­ti­ve in Stutt­gart. „Der Herr Witt­ke ist nicht un­fehl­bar.“So ha­be der In­ge­nieur An­fang der 80er-Jah­re ei­nen Tun­nel in Stutt­gart als Gut­ach­ter und tech­ni­scher Prü­fer be­glei­tet, des­sen De­cke zu­sam­men­ge­bro­chen sei.

Die Geg­ner von Stutt­gart 21 ru­fen die Auf­sichts­rä­te an­ge­sichts vie­ler Un­wäg­bar­kei­ten auf, an die­sem Mitt­woch dem Pro­jekt ih­re Zu­stim­mung zu ent­zie­hen. Bei den Stutt­gart-21-Tun­neln pro­bie­re „Tun­nel­bau­papst“Witt­ke Ver­fah­ren aus, die zu­vor noch nicht er­probt wor­den sei­en, sag­te Rö­der. Das gel­te et­wa für die Kunst­har­zin­jek­tio­nen in den An­hy­drit, der bei Was­ser­ein­tritt sein Vo­lu­men ver­grö­ßert. Auch wenn beim Vor­an­trei­ben der Tun­nel bis­her kei­ne Pro­ble­me auf­ge­tre­ten sei­en, könn­ten Qu­ell­pro­zes­se nach Jah­ren ein­set­zen und zu Schä­den füh­ren. Leid­tra­gen­de könn­ten dann Hun­der­te Stutt­gar­ter sein.

Auch Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) sieht Klä­rungs­be­darf. Er prüft nach Aus­sa­gen sei­nes Spre­chers, ei­nen Son­der­len­kungs­kreis zum Tun­nel­bau oder ein Fach­ge­spräch mit Ex­per­ten un­ter­schied­li­cher An­sicht von der Bahn als Bau­her­rin zu ver­lan­gen. Der Kon­zern ver­weist dar­auf, dass Witt­ke als ei­ner der re­nom­mier­tes­ten Ex­per­ten welt­weit gilt. Nach Über­zeu­gung des Ak­ti­ons­bünd­nis­ses kann der Auf­sichts­rat der Bahn jetzt oh­ne po­li­ti­sche In­ter­ven­ti­on ent­schei­den. Mit der jüngs­ten Aus­sa­ge von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU), sie un­ter­stüt­ze „ge­wis­sen­haf­tes“Agie­ren der Kon­trol­leu­re, ge­be sie die­sen mehr Frei­heit als je zu­vor, sag­te Spre­cher Ei­sen­hart von Lo­eper. „Den po­li­ti­schen Druck von 2013 gibt es heu­te nicht.“

Da­mals hät­ten Po­li­ti­ker auf den Auf­sichts­rat ein­ge­wirkt, den Wei­ter­bau des Pro­jekts zu be­schlie­ßen. Die Kon­trol­leu­re setz­ten sich der Ge­fahr aus, beim Fest­hal­ten an Stutt­gart 21 mit Ak­ti­en­und Straf­recht in Kon­flikt zu ge­ra­ten. Auch die Pro­jekt­part­ner von Land, Stadt und Re­gi­on Stutt­gart und Flug­ha­fen dürf­ten das „schiff­brü­chi­ge“Pro­jekt Stutt­gart 21 nicht län­ger trei­ben las­sen.

Auch Ver­kehrs­mi­nis­ter sieht Klä­rungs­be­darf

BLICK IN DEN TUN­NEL: Die Stutt­gart-21-Geg­ner fra­gen sich, war­um die Bahn beim Tun­nel­bau im An­hy­drit kei­ne Zweit­mei­nung ein­ge­holt hat. Fo­to: dpa

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