Mes­ser­at­ta­cke an Hei­lig­abend

28-Jäh­ri­ger we­gen Er­mor­dung ei­nes Po­li­zis­ten am 24. De­zem­ber ver­ur­teilt

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT -

Lim­burg (dpa). Für sei­ne Mes­ser­at­ta­cke auf zwei Po­li­zis­ten im hes­si­schen Her­born ist ein 28-Jäh­ri­ger zu le­bens­lan­ger Haft ver­ur­teilt wor­den. Das Land­ge­richt Lim­burg sprach den Mann ges­tern un­ter an­de­rem des Mor­des, des ver­such­ten Mor­des und der ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung schul­dig, be­gan­gen bei ei­ner ein­fa­chen Per­so­nen­kon­trol­le an Hei­lig­abend 2015. Der An­ge­klag­te ha­be aus „tief ver­wur­zel­ter Po­li­zei­feind­lich­keit“ge­han­delt, be­fand das Ge­richt. Es er­kann­te zu­dem auf die be­son­de­re Schwe­re der Schuld, was ei­ne Haft­ent­las­sung des An­ge­klag­ten nach 15 Jah­ren aus­schließt.

Nach Über­zeu­gung der Rich­ter hat­te der 28-Jäh­ri­ge am 24. De­zem­ber 2015 ei­nen 46-jäh­ri­gen Be­am­ten er­sto­chen und des­sen ein Jahr äl­te­ren Kol­le­gen le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt. Der Vor­sit­zen­de Rich­ter sprach von ei­nem „bru­ta­len und er­bar­mungs­lo­sen Vor­ge­hen des kampf­er­prob­ten An­ge­klag­ten“. Die Tat sei „zu­tiefst ver­ach­tens­wert“. Der mehr­fach we­gen Ge­walt­ta­ten vor­be­straf­te 28-Jäh­ri­ge war am Mor­gen des 24. De­zem­bers in ei­nem Re­gio­nal­zug als Schwarz­fah­rer un­ter­wegs und ag­gres­siv auf­ge­fal­len. Der Schaff­ner rief die Po­li­zei, am Her­bor­ner Bahn­hof stie­gen dann die bei­den Be­am­ten hin­zu.

Das Ge­richt war da­von über­zeugt, dass der An­ge­klag­te den 46-Jäh­ri­gen so­fort mit ei­nem Mes­ser an­griff und auch den we­ni­ge Se­kun­den spä­ter ein­tref­fen­den Kol­le­gen at­ta­ckier­te. Ehe er starb, feu­er­te der 46-Jäh­ri­ge noch zwei Schüs­se auf den An­grei­fer ab. Die­ser wur­de ver­letzt und ließ von dem an­de­ren Be­am­ten ab. Das Zu­sam­men­tref­fen mit der Po­li­zei sei für den An­ge­klag­ten die Mög­lich­keit ge­we­sen, sei­ne po­li­zei­feind­li­che Ge­sin­nung und sei­ne be­reits seit län­ge­rem ge­heg­ten Tö­tungs­fan­ta­si­en aus­zu­le­ben, sag­te der Vor­sit­zen­de. Al­lein we­gen ih­rer Zu­ge­hö­rig­keit zur Po­li­zei ha­be der 28-Jäh­ri­ge den Be­am­ten „das Recht auf Le­ben“ab­ge­spro­chen und zu­ge­sto­chen. Der 46-jäh­ri­ge Po­li­zist, Va­ter von vier Kin­dern, starb noch am Tat­ort, sein Kol­le­ge über­leb­te. Er ist aber bis heu­te dienst­un­fä­hig.

Der Pro­zess war zwi­schen­durch ins Sto­cken ge­ra­ten, weil die Ver­tei­di­gung im­mer neue Be­weis­an­trä­ge stell­te. Das Ge­richt schloss sich mit sei­nem Ur­teil den For­de­run­gen von Staats­an­walt­schaft und Ne­ben­kla­ge weit­ge­hend an. Der Ver­tei­di­ger hat­te ei­ne Not­wehr­si­tua­ti­on ge­se­hen und auf Frei­spruch plä­diert. Er kün­dig­te an, Re­vi­si­on ein­le­gen wol­len.

Ver­tei­di­gung plä­dier­te auf Frei­spruch

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