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Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Jah­re lang lös­te ich klei­ne Rin­ge von Los­röll­chen, um dann ei­nen dum­men Spruch zu le­sen. Ich hat­te bei Tom­bo­las nie Glück, auch nicht zu der Zeit, als das Gan­ze nicht Tom­bo­la, son­dern Glücks­ha­fen hieß. Nun aber ist die Zeit der Nie­ten vor­bei. Ges­tern Abend war ich auf ei­ner Ver­an­stal­tung und kauf­te trotz mei­ner prä­ven­ti­ven Re­si­gna­ti­on fünf Lo­se. Doch sie­he da, fünf Lo­se, drei Ge­win­ne. Ge­spannt war­te­te ich dar­auf, was das Glück mir be­sche­ren wür­de.

Der ers­te Ge­winn war ein zy­lin­der­för­mi­ger Kar­ton mit der Auf­schrift „Wasch­brett­bauch hat­te ich schon. Steht mir nicht!“, und der Kar­ton ent­hielt ei­ne Fla­sche Bier ei­ner mir nicht be­kann­ten Braue­rei. Der zwei­te Ge­winn: ein Hand­tuch. Ein grau­es, in­ten­siv grau­es Hand­tuch, das auf mich nicht ku­sche­lig wirk­te, son­dern ge­sund, es be­saß die Au­ra des Bio­lo­gisch-Dy­na­mi­schen, was auch im­mer das ist. Der drit­te Ge­winn war dann et­was, was mein Le­ben mit Si­cher­heit ver­än­dern wird: Ein Maß­band. Aber eben nicht ein ein­fa­ches Maß­band, son­dern ei­nes der be­son­de­ren Art: Ein Edel­stahl­maß­band mit Grif­fig­keit durch Weich­gum­mi, me­trisch, mit Stop­per und Gür­tel­clip. Wer wür­de sich so et­was nicht wün­schen? Wer wür­de nicht glück­lich sein, so et­was zu be­sit­zen? Ein Maß­band aus Edel­stahl in ei­nem Ge­häu­se aus Weich­gum­mi. Stre­cken bis zu fünf Me­tern kann man mit die­sem Maß­band mes­sen. War das nicht schon im­mer mein Traum?

Mei­ne Ti­sch­nach­ba­rin muss­te sich mit ei­nem ein­zi­gen Ge­winn zu­frie­den ge­ben. Ihr Preis war ei­ne Tü­te mit Würs­ten. Ich bot ihr an zu tau­schen, mei­ne drei Ge­win­ne ge­gen die Tü­te mit Wurst­wa­ren. Sie war nicht be­reit.

Ot­mar Schnurr

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