Tech­nik ga­ran­tiert So­fort­hil­fe nach Sturz

Pforz­hei­mer Ab­sol­vent er­hält Aus­zeich­nung

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

PK – Ei­ne Trep­pen­stu­fe oder ein Mo­ment der Unacht­sam­keit: Grün­de, im All­tag zu stür­zen, gibt es vie­le. Die Ver­let­zung oder kör­per­li­che Ein­schrän­kun­gen kön­nen das Wie­der­auf­rich­ten nach dem Sturz ver­hin­dern. Der von Ju­ri Küb­ler ent­wi­ckel­te mo­bi­le Sturz­as­sis­tent soll hier­bei in Zu­kunft Hil­fe leis­ten. Im Rah­men sei­ner Ab­schluss­ar­beit ent­wi­ckel­te der Pforz­hei­mer Mecha­tro­nik-Ab­sol­vent ein tech­ni­sches Ge­rät, das im Fal­le ei­nes Stur­zes so­fort Te­le­fon­kon­takt mit ei­ner in­di­vi­du­el­len Ver­trau­ens­per­son her­stellt. Da­für wur­de er im Rah­men ei­nes in­ter­na­tio­na­len Wis­sen­schafts­wett­be­werbs En­de 2016 aus­ge­zeich­net, schreibt die Hoch­schu­le in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung.

No­t­ruf­sys­te­me im ei­ge­nen Haus­halt sind be­kannt. Sie er­mög­li­chen bei­spiels­wei­se den di­rek­ten Draht zu ei­nem Pfle­ge­dienst, der dann hilft. „Na­tür­lich gibt es schon Sturz­as­sis­ten­ten auf dem eu­ro­päi­schen Markt“, räumt auch Ju­ri Küb­ler ein. Sei­ne Ent­wick­lung bie­te aber drei ent­schei­den­de Vor­tei­le: „Der Sturz­as­sis­tent funk­tio­niert, so­fern ei­ne Mo­bil­funk­ver­bin­dung be­steht, auch au­ßer­halb der ei­ge­nen vier Wän­de“, so der In­ge­nieur. Die der­zei­ti­gen Lö­sun­gen am Markt setz­ten sich in der Re­gel zu­nächst mit ei­ner Not­dienst­zen­tra­le in Ver­bin­dung, die dann ent­spre­chend wei­ter­ver­mit­telt. „Die­ser Ser­vice ist nicht nur kos­ten­pflich­tig, son­dern auch zeit­in­ten­si­ver als der di­rek­te Kon­takt mit ei­ner Per­son mei­ner Wahl“, führt Küb­ler aus. Au­ßer­dem sei sei­ne Ent­wick­lung kos­ten­güns­ti­ger als be­ste­hen­de Pro­duk­te. „Im Mo­ment liegt der As­sis­tent bei 45 Eu­ro. Das ist un­ge­fähr ein Vier­tel des ak­tu­ell gän­gi­gen Markt­prei­ses.“

Der Sturz­as­sis­tenz von Ju­ri Küb­ler geht in zwei Schrit­ten vor: Der Nut­zer trägt ei­nen klei­nen Sen­sor bei­spiels­wei­se an der Gür­tel­schlau­fe und in­stal­liert ei­ne spe­zi­ell für die­sen Zweck ent­wi­ckel­te An­wen­dung auf dem Smart­pho­ne. Re­gis­triert der Sen­sor ei­ne kri­ti­sche Si­tua­ti­on, die wäh­rend ei­nes Stur­zes ty­pisch ist, er­hält das Smart­pho­ne über Funk (Blue­tooth LE) ei­ne Nach­richt. Dar­auf­hin setzt sich das Han­dy selbst­stän­dig mit der dort ein­ge­spei­cher­ten in­di­vi­du­el­len Ver­trau­ens­per­son in Ver­bin­dung.

Mit die­ser Ent­wick­lung nahm Ju­ri Küb­ler im Herbst 2016 am so­ge­nann­ten in­ter­na­tio­na­len He­xi­we­ar-Wett­be­werb teil, den der Elek­tro­nik­her­stel­ler mi­kroElek­tro­ni­ka aus­ge­schrie­ben hat­te. Das Kon­zept: Soft­ware-Ent­wick­ler aus al­ler Welt wa­ren auf­ge­ru­fen, auf Grund­la­ge der Hard­ware-Ent­wick­lungs­platt­form „He­xi­we­ar“neue An­wen­dun­gen in ins­ge­samt fünf ver­schie­de­nen Ka­te­go­ri­en zu ent­wi­ckeln. 64 Pro­jek­te wur­den ein­ge­reicht. Ju­ri Küb­ler er­hielt den ers­ten Platz in der Ka­te­go­rie bes­tes 3D-Mo­del­ling.

„Das Ge­häu­se mei­nes Sturz­as­sis­ten­ten ent­stand kom­plett am Com­pu­ter durch ein CAD-3D-Mo­del­lie­rungs­pro­gramm“, so der Pforz­hei­mer. Ne­ben der preis­ge­krön­ten Mo­del­lie­rung des Ge­häu­ses für den Sen­sor um­fass­te Ju­ri Küb­lers Ba­che­lor-The­sis

In­no­va­ti­ve Ab­schluss­ar­beit

auch die Be­rei­che Soft­ware­ent­wick­lung so­wie App-Pro­gram­mie­rung. „Die vor­han­de­ne Soft­ware ha­be ich da­hin­ge­hend wei­ter­ent­wi­ckelt, dass sie in der La­ge ist, ei­nen Sturz dank ein­ge­bau­ter Sen­so­rik als sol­chen zu er­ken­nen. Da­für, dass ei­ne Te­le­fon­ver­bin­dung her­ge­stellt wird, sorgt die von mir pro­gram­mier­te App.“Die Markt­fä­hig­keit der Ent­wick­lung stand im Rah­men des in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs nicht im Vor­der­grund – auch wenn sie ein schö­ner Ne­ben­ef­fekt ist. „Ent­wick­ler sol­len ihr Wissen tei­len und so­mit die Bran­che welt­weit vor­an­brin­gen“, er­klärt der Mecha­tro­nik-Ab­sol­vent das Ziel. Das „Ent­wick­lungs-Kon­zept“sei­nes Sturz­as­sis­ten­ten steht da­her als Open-Sour­ce-Pro­jekt on­line al­len zur Ver­fü­gung. „Mit der Aus­zeich­nung macht Herr Küb­ler sich ei­nen Na­men in der in­ter­na­tio­na­len Soft­ware­ent­wick­ler-Sze­ne. Dar­auf kann er stolz sein“, sagt Pro­fes­sor Kar­lheinz Blan­ken­bach.

EIN SEN­SOR AN DER GÜR­TEL­SCHLAU­FE und ein Smart­pho­ne er­mög­li­chen schnel­le Hil­fe nach ei­nem Sturz. Ju­ri Küb­ler (links) prä­sen­tiert sei­ne Ent­wick­lung zu­sam­men mit sei­nem be­treu­en­den Pro­fes­sor Kar­lheinz Blan­ken­bach. Fo­to: PK

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