Sta­di­on­pro­jekt kommt in Be­we­gung

Aus­schrei­bung ist ge­star­tet und ju­ris­ti­sche Vor­ar­bei­ten lau­fen / Die Wäl­le sind ein The­ma für die Bie­ter

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Theo Wes­ter­mann

Nach dem auf­rei­ben­den Ver­hand­lungs­ma­ra­thon bis zur Un­ter­schrift un­ter die Ver­trä­ge zwi­schen Stadt und KSC in Sa­chen Wild­park­sta­di­on ist vor­der­grün­dig et­was Ru­he ein­ge­kehrt. Doch dies täuscht. Die Ma­schi­ne läuft an: Ehr­gei­zig ist nun die Auf­ga­ben­stel­lun­gen und der Zeit­plan. Zur Zeit läuft die Vor­be­rei­tung der Aus­schrei­bung. Die BNN ge­ben nun Ant­wor­ten auf ei­ni­ge zen­tra­le Fra­ge­stel­lun­gen des 113-Mil­lio­nen­Eu­ro-Pro­jekts:

Wel­che ju­ris­ti­schen Schrit­te fol­gen nun nach der Ver­trags­un­ter­zeich­nung?

Die Stadt wird ei­nen Ei­gen­be­trieb für Bau und Be­trieb des Sta­di­ons grün­den. Da­mit will man Zu­stän­dig­kei­ten bün­deln, die fi­nan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen trans­pa­rent ab­wi­ckeln. Die Stadt ist Be­trei­ber, für Wirt­schafts­pla­nung und Rech­nungs­le­gung ei­nes künf­ti­gen Sta­di­on­be­triebs hält man den Ei­gen­be­trieb eben­falls für die bes­te Wahl. Es soll ei­ne Werk­lei­tung und ei­nen Wer­k­aus­schuss ge­ben, der ana­log ei­nes städ­ti­schen Aus­schus­ses funk­tio­niert. Der Ge­mein­de­rat bleibt wich­ti­ges Ent­schei­dungs­or­gan. Ei­gent­lich soll­te der Ei­gen­be­trieb be­reits zum 1. Ja­nu­ar ge­grün­det wer­den, da­zu ist ein Be­schluss des Ge­mein­de­ra­tes not­wen­dig. Die Vor­be­rei­tun­gen be­dür­fen aber ei­nes ge­wis­sen Vor­laufs. Weil sich die Ver­trags­ver­hand­lun­gen be­kannt­lich ver­zö­gert ha­ben, wird der Ei­gen­be­trieb nun vor­aus­sicht­lich im Früh­jahr ge­grün­det.

Was ist schon kon­kret in Sa­chen Aus­schrei­bung pas­siert?

En­de ver­gan­ge­ner Wo­che wur­de die Be­kannt­ma­chung zur Ver­öf­fent­li­chung im zen­tra­len Aus­schrei­bungspor­tal der EU ver­sandt, teil­te die Stadt­ver­wal­tung ges­tern mit. In den Be­wer­bungs­un­ter­la­gen wer­den Ein­zel­be­wer­ber so­wie Be­wer­ber­ge­mein­schaf­ten zu­nächst auf­ge­for­dert, ihr Teil­nah­me­in­ter­es­se im so­ge­nann­ten Teil­nah­me­wett­be­werb als ers­ter Stu­fe des ge­sam­ten Ver­fah­rens an­zu­mel­den und die zur Durch­füh­rung die­ses Pro­jek­tes not­wen­di­ge Fach­kun­de und Leis­tungs­fä­hig­keit nach­zu­wei­sen. Ver­trag­lich ist fest­ge­legt, dass der KSC im Prin­zip das Sta­di­on ab­be­zahlt. Dies be­zieht sich auf die 78 Mil­lio­nen Eu­ro für Bau­kör­per samt Park­haus. Wie se­hen die Re­ge­lun­gen genau aus?

Stadt und KSC ha­ben ei­nen Pacht­ver­trag mit Erb­bau­ver­trag (Op­ti­on Kauf- und Erb­bau­recht) ab­ge­schlos­sen. Das neue Pacht­ver­hält­nis be­ginnt ab der Über­ga­be des Sta­di­ons. Die Pacht­dau­er ist 20 Jah­re. Für die Ge­schäfts­stel­le be­trägt die Pacht im Jahr 120 000 Eu­ro net­to. An­sons­ten zahlt der KSC in der Ers­ten Bun­des­li­ga jähr­lich 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro, in der Zwei­ten Bun­des­li­ga 1,5 Mil­lio­nen, in der Drit­ten und der Re­gio­nal­li­ga 400 000 Eu­ro. Bei je­dem Auf­stieg in die Ers­te Li­ga wird ei­ne Pacht­son­der­zah­lung von 500 000 Eu­ro fäl­lig. Ab dem ers­ten Pacht­jahr wird ei­ne In­stand­hal­tungs­pau­scha­le von 240 000 Eu­ro fäl­lig, ab dem sechs­ten Pacht­jahr sind dies 850 000 Eu­ro (Ers­te oder Zwei­te Bun­des­li­ga), dies wird im Fal­le des Ab­stiegs aus der Zwei­ten Li­ga auf 400 000 re­du­ziert. Die Stadt ent­hält zu­dem ei­nen um­satz­ab­hän­gi­gen An­teil von 20 Pro­zent der Net­to-Ti­cke­t­er­lö­se ab ei­nem Zu­schau­er­an­teil von über 18 500 Zu­schau­ern.

Wel­che Si­cher­hei­ten bie­tet der KSC der Stadt in Sa­chen Pacht­zah­lun­gen an?

Ver­ein­bart ist, das der KSC aus den jähr­li­chen Ge­win­nen der Be­triebs­Gm­bH ei­nen Be­trag von bis zu 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro als Si­cher­heit für die Pacht­zah­lungs­an­sprü­che der Stadt an­spart.

Wie sieht der Zeit­plan für die nächs­ten Mo­na­te aus?

Bis En­de Fe­bru­ar wer­den aus dem Kreis der In­ter­es­sen­ten drei bis höchs­tens sechs leis­tungs­fä­hi­ge Be­wer­ber aus­ge­wählt und zur Ab­ga­be ei­nes ers­ten An­ge­bots auf­ge­for­dert. Die­se An­ge­bo­te wer­den noch vor der Som­mer­pau­se im kom­men­den Jahr ein­ge­reicht. Die An­ge­bo­te wer­den im An­schluss vom Auf­trag­ge­ber be­wer­tet. Wei­te­re Ver­hand­lungs­run­den sol­len so recht­zei­tig zu ei­nem Er­geb­nis füh­ren, dass die ab­schlie­ßen­den Gre­mi­en­be­schlüs­se im De­zem­ber 2017 ge­fasst wer­den und die Ver­trä­ge mit dem aus­ge­wähl­ten Auf­trag­neh­mer un­ter­schrie­ben wer­den kön­nen. Bau­be­ginn soll dann im Früh­jahr 2018 sein.

Bei der vor­be­rei­ten­den Pla­nung des neu­en Wild­park­sta­di­ons wa­ren die Wäl­le im­mer The­ma. In ih­nen be­fin­det sich be­las­te­tes Erd­reich. Pro­ble­me gibt es erst dann, wenn man die Wäl­le ganz oder teil­wei­se be­sei­ti­gen will. Wie geht man künf­tig da­mit um?

Der KSC wünscht den Rück­bau der Wäl­le. Die Stadt sieht dies we­gen der Be­sei­ti­gungs­kos­ten für das be­las­te­te Erd­reich als nicht im Bud­get um­setz­bar an. 2014 schätz­te ein Gut­ach­ten die Be­sei­ti­gungs­kos­ten auf rund 14 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Ei­ni­gung sieht nun vor, dass es den Bie­tern frei­ge­stellt ist, wie stark das Kon­zept den be­ste­hen­den Wall ein­be­zieht, ver­än­dert oder rück­baut. Die Kos­ten sind von den Bie­tern ein­zu­kal­ku­lie­ren. Wo ist der An­reiz für die Bie­ter, mit ei­nem Vor­schlag ins Ren­nen zu ge­hen, der die Be­sei­ti­gung der Wäl­le vor­sieht?

Die Po­si­ti­on des KSC ist hier klar: Die vor­han­de­nen Wäl­le wür­den für ein funk­tio­nie­ren­des neu­es Sta­di­on gro­ße Pro­ble­me dar­stel­len: Kom­fort­ein­bu­ßen für die Zu­schau­er, lo­gis­ti­scher Mehr­auf­wand, pro­ble­ma­ti­sche We­ge­füh­rung für Roll­stuhl­fah­rer, al­te Men­schen und Men­schen mit Be­hin­de­rung, mas­si­ve Si­cher­heits­be­den­ken und zu­sätz­li­chen Po­li­zei­be­darf, Un­über­sicht­lich­keit des Ge­län­des und Schwie­rig­keit, es schnell zu räu­men und zu­letzt not­wen­di­ger Platz­be­darf auf dem Ge­samt­ge­län­de, so die Po­si­ti­on des Ver­eins. Der An­reiz für die Bie­ter, die Wäl­le in den Ent­wür­fen zu be­sei­ti­gen, be­steht nun da­rin, das Fra­gen der Funk­tio­na­li­tät, der Si­cher­heit und des Kom­forts für den spä­te­ren op­ti­mier­ten Be­trieb des Sta­di­ons in die Be­wer­tung des Ge­samt­kon­zep­tes ein­flie­ßen und da­mit ent­schei­dend für den Zu­schlag sein wer­den.

Wie genau wer­den die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen for­mu­liert?

Dies sind sehr genau for­mu­liert. Das war ja auch der Sinn der auf­wen­di­gen und ge­le­gent­lich kon­flikt­träch­ti­gen Ver­hand­lun­gen um die „Funk­tio­na­le Leis­tungs­be­schrei­bung“. Es steht na­he­zu al­les ex­akt fest, um den Bie­tern und da­mit dem künf­ti­gen Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer so ex­ak­te Vor­ga­ben wie mög­lich ge­macht wer­den. So kann er genau kal­ku­lie­ren. Dies si­chert Preis­sta­bi­li­tät, Zeit­pla­nung und Klar­heit bei mög­li­chen Kon­flikt­fäl­len. Bei­spiels­wei­se die Um­klei­de­ka­bi­nen: Bis hin zu der Zahl an Wasch­be­cken, der Uri­na­le und der Toi­let­ten, der Art des Bo­den­be­lags und der Zahl an Steck­do­sen pro Wasch­be­cken­spie­gel ist al­les vor­ge­schrie­ben.

EIN NEU­ES FUSSBALLSTADION im Wild­park hat nun die Ebe­ne der eu­ro­pa­wei­ten Aus­schrei­bung er­reicht. Bis spä­tes­tens En­de 2017 soll klar sein, wer das neue Sta­di­on mit wel­chem Ent­wurf baut. Ar­chiv­bild: jo­do

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