Streit um Bo­ta­nik und Be­ton in der „Grü­nen Stadt“

An­woh­ner­initia­ti­ve will als För­der­ver­ein für die Glas­häu­ser mit exo­ti­schen Pflan­zen am Ade­nau­er­ring kämp­fen

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ru­pert Huste­de

Der Bo­ta­ni­sche Gar­ten des KIT am Ade­nau­er­ring soll nach Wil­len des KIT, der Tschi­ra-Stif­tung, des Lan­des und der Stadt zum Bau­ge­biet für For­schungs­ein­rich­tun­gen wer­den. Ei­ne Bür­ger­grup­pe lehnt dies ab. Des­halb ist das Glas­haus mit Pal­men ein Streit­ob­jekt – und doch neu­er­dings auch noch ei­nes der zwölf Pro­jek­te für „Mei­ne Grü­ne Stadt“.

Son­der­fall KIT-Gar­ten

Die­se Stadt soll grü­ner wer­den, da­rin schei­nen sich al­le im In­ter­es­se des Kli­ma­schut­zes prin­zi­pi­ell ei­nig zu sein. Die Stadt­po­li­tik rief die Bür­ger zur Initia­ti­ve „Grü­ne Stadt“auf. Und 75 Köp­fe gin­gen in die grü­ne Werk­statt, wo das Dut­zend Pro­jek­te ge­bo­ren wur­den. Nun fragt sich, mit wel­chem Elan und wel­cher Un­ter­stüt­zung die­se Bür­ger­initia­ti­ven selbst vor­an­kom­men und wie stark ih­nen die Stadt­ver­wal­tung un­ter die Ar­me greift.

Be­son­ders ge­la­gert ist da­bei der Fall „Bo­ta­ni­scher Gar­ten“– ge­meint sind die seit 50 Jah­ren be­ste­hen­den Ge­wächs­häu­ser und die Au­ßen­an­la­ge des KIT am Ade­nau­er­ring. Da zie­hen die Stadt und die Bür­ger kei­nes­wegs an ei­nem Strang. Sie sind viel­mehr ganz un­ter­schied­li­cher Mei­nung. Die Bür­ger­grup­pe will das exo­ti­sche Grün un­be­dingt er­hal­ten und nennt ih­ren Pro­jekt­steck­brief des­halb auch kurz und knapp „Bo­ta­ni­scher Gar­ten“. Die Stadt­ver­wal­tung hin­ge­gen be­für­wor­tet und be­för­dert ge­ra­de per Be­bau­ungs­plan­ver­fah­ren, dass die­ser Bo­ta­ni­sche Gar­ten dort ver­schwin­det und statt­des­sen auf der grü­nen Flä­che Bau­ten für die Wis­sen­schaft, gar­niert mit Lä­den und Re­stau­rants, sprie­ßen.

Fragt sich al­so in Wirk­lich­keit, wie die Initia­ti­ve, die sich 2017 zum „För­der­ver­ein Bo­ta­ni­scher Gar­ten“mau­sern will, aus­ge­rech­net ihr Pro­jekt un­ter dem grü­nen Dach der Stadt­ver­wal­tung durch­brin­gen will. Wie ver­mö­gen Kon­tra­hen­ten, die sich so gar nicht grün sind, ge­mein­sam Grü­ne Sa­che ma­chen?

Auf je­den Fall wol­len die „Bo­ta­ni­ker“aus der Ost­stadt für ih­re Sa­che kämp­fen. Da­bei geht es den An­lie­gern zu­nächst vor al­lem dar­um, die „Cam­pusSüd-Er­wei­te­rung“des KIT in der ge­plan­ten und von ih­nen als zu mas­siv emp­fun­den Form zu ver­hin­dern. 5 000 Un­ter­schrif­ten ha­ben sie ge­sam­melt. Die For­de­rung, den Bo­ta­ni­schen Gar­ten des KIT an die­ser Stel­le zu er­hal­ten, er­gibt sich dar­aus. Wäh­rend des seit ei­nem Jah­re an­hal­ten­den Pro­tests ge­gen das Bau­groß­pro­jekt ha­ben die Pl­an­be­trei­ber ih­ren Ent­wurf deut­lich mo­di­fi­ziert: Ge­bäu­de wur­den ver­setzt, Stock­werk­zah­len ver­rin­gert. Das Stadt­pla­nungs­amt geht da­von aus, dass das Be­bau­ungs­plan­ver­fah­ren bis En­de 2017 mit dem Sat­zungs­be­schluss des Ge­mein­de­rats ab­sol­viert sein kann.

Wie wird ge­baut?

Auch die An­woh­ner Ja­kob Karszt und Gün­ter Ket­te­rer mei­nen, „dass vor Mit­te 2018 nicht ge­baut wird“. Wie sie das Pro­jekt noch ver­hin­dern wol­len, las­sen sie of­fen.

Auf je­den Fall kämp­fen sie erst mal auf dem Pro­jekt­feld „Grü­ne Stadt“für den Bo­ta­ni­schen Gar­ten. Die Be­deu­tung die­ses Bo­ta­ni­schen Gar­tens sei ganz ein­fach sei­ne äs­t­he­ti­sche, kul­tu­rel­le, öko­lo­gi­sche, so­zia­le und städ­te­bau­li­che Funk­ti­on.

EXO­TI­SCHE REIZE bie­ten die Glas­häu­ser des Bo­ta­ni­schen Gar­tens. Das KIT will den Gar­ten ver­la­gern. Fo­to: jo­do

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