Kos­ten­fal­len im Mo­bil­funk

Von An­ruf­preis bis Ta­rif­an­pas­sung: Nut­zer soll­ten Ex­tra­kos­ten be­ach­ten

Pforzheimer Kurier - - RECHT IM ALLTAG -

Göt­tin­gen/Düsseldorf (dpa/tmn). Mo­bil­funk­an­bie­ter bie­ten oft­mals Rund­um-Sorg­los-Pa­ke­te: Frei­mi­nu­ten, FreiSMS, In­klu­siv-Vo­lu­men, ent­we­der als Ver­trag oder Pre­paid-Pa­ket oh­ne lan­ge Lauf­zeit­bin­dung. Wer glaubt, nach Ab­schluss von so ei­nem An­ge­bot vor Ex­tra­kos­ten si­cher zu sein, kann sich ir­ren – und er­lebt beim Blick auf die Rech­nung am Mo­nats­en­de bö­se Über­ra­schun­gen. Ei­ni­ge Kos­ten­fal­len im Über­blick:

An­schluss­ge­bühr

Vie­le An­bie­ter ver­lan­gen zum Ver­trags­be­ginn ei­ne ein­ma­li­ge An­schluss­ge­bühr. Die liegt nicht sel­ten bei bis zu 30 Eu­ro. Da­mit soll der ad­mi­nis­tra­ti­ve Auf­wand auf­ge­fan­gen wer­den, den der An­bie­ter mit dem Neu­kun­den hat. Im­mer­hin gibt es im­mer wie­der Ak­tio­nen, bei de­nen An­bie­ter auf die­se Ge­büh­ren ver­zich­ten. „Auf die soll­te man ach­ten“, sagt Fal­ko Han­sen vom Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­por­tal „tel­ta­rif.de“.

Da­ten­au­to­ma­tik

Sie wird als Kom­fort be­wor­ben, är­gert aber vie­le Ver­brau­cher. Statt nach Ver­brauch des ver­trag­li­chen Da­ten­vo­lu­mens mit ge­dros­sel­ter Ge­schwin­dig­keit bis zum Mo­nats­en­de wei­ter zu sur­fen, bucht der An­bie­ter ein­fach neu­es Vo­lu­men auf – ge­gen Ge­bühr, ver­steht sich und im Ver­hält­nis deut­lich teu­rer als das ge­buch­te Mo­nats­vo­lu­men. „Das ist im Ver­trag ge­re­gelt“, er­klärt Mi­ri­am Rusch-Ro­dost­henous von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len. Den soll­te man genau le­sen, um auf so ei­ne Über­ra­schung ge­fasst zu sein. An­bie­ter in­for­mie­ren über ei­ne Bu­chung, meist per SMS. Dann soll­te man so­fort wi­der­spre­chen, falls man das Ex­tra-Vo­lu­men nicht möch­te. Auf wel­chem Weg das geht, ist je­doch An­bie­ter zu An­bie­ter an­ders. „Mal geht es gleich mit ei­ner SMS, mal über die Kun­den­be­treu­ung per E-Mail oder per An­ruf.“Manch­mal ist die Au­to­ma­tik je­doch ein un­um­stöß­li­cher Ver­trags­be­stand­teil.

Ta­rif­an­pas­sung

Mit­un­ter pas­sen An­bie­ter Ta­ri­fe au­to­ma­tisch dem Ver­hal­ten ih­rer Nut­zer an. Ein Bei­spiel: Wer drei­mal in Fol­ge sein mo­nat­li­ches Da­ten­vo­lu­men er­schöpft hat, wird au­to­ma­tisch in den nächst­hö­he­ren Ta­rif mit mehr Me­ga­byteRes­sour­cen ge­bucht. „So­fern dass im Ver­trag ge­re­gelt ist, ist das zu­läs­sig“, er­klärt Ni­ko Här­ting, Rechts­an­walt und Mit­glied im In­for­ma­ti­ons­rechts­aus­schuss des Deut­schen An­walt­ver­eins (DAV). In so ei­nem Fall bleibt dann nur noch der Wi­der­spruch beim An­bie­ter ver­bun­den mit der Auf­for­de­rung, in die al­te Ta­rif­stu­fe zu­rück­ver­setzt zu wer­den.

Rech­nun­gen

Selbst für die Zah­lungs­auf­for­de­rung wol­len ei­ni­ge An­bie­ter Geld. Zu­min­dest dann, wenn sie die aus­ge­druckt auf dem Post­weg schi­cken müs­sen, statt sie per E-Mail zu über­mit­teln. „Das ist nicht zu­läs­sig“, sagt Ru­schRo­dost­henous und ver­weist auf ein Ur­teil des BGH aus dem Jahr 2014. Nur An­bie­ter, die ih­re Pro­duk­te aus­schließ­lich über das In­ter­net an­bie­ten, sind von die­ser Ent­schei­dung aus­ge­nom­men. Wer für ei­ne Pa­pier­rech­nung zah­len soll, wi­der­spricht und ver­weist da­bei auf das BGH-Ur­teil (Az.: III ZR 32/14), rät die Ver­brau­cher­schüt­ze­rin.

Dritt­an­bie­ter-Abos

Beim Blick auf die mo­nat­li­che Ver­trags­rech­nung wird man plötz­lich stut­zig. Wie­so will der An­bie­ter fünf Eu­ro mehr ha­ben? Doch das Geld will gar nicht der An­bie­ter, son­dern ein Dritt­an­bie­ter – und zwar für ein WAP-Abo. Vie­len fällt gar nicht auf, wenn sie so ein Abo ab­schlie­ßen. Nur ein­mal ver­se­hent­lich auf ein Wer­be­ban­ner ge­klickt, schon kann es pas­siert sein. Das Tü­cki­sche: Die Dritt­an­bie­ter las­sen die AboKos­ten über den Mo­bil­funk­an­bie­ter ab­bu­chen. Schutz da­ge­gen bie­tet nur ei­ne Dritt­an­bie­ter­sper­re. „Die soll­te man sich bei Ver­trags­ab­schlüs­sen im­mer gleich ein­rich­ten las­sen“, emp­fiehlt Rusch-Ro­dost­henous. Man kann sie mit­un­ter auch selbst im In­ter­net-Ser­vice­por­tal des An­bie­ters ak­ti­vie­ren. Ist man we­gen ei­ner feh­len­den Dritt­an­bie­ter­sper­re in so ei­ne Abo-Fal­le ge­tappt, kann es loh­nen, sich di­rekt bei sei­nem Mo­bil­funk­an­bie­ter zu be­schwe­ren, sagt Här­ting. „Die ha­ben oft kei­ne Lust, sich dar­über zu strei­ten.“Ob­wohl sie recht­lich nicht für ent­stan­de­ne Kos­ten zu­stän­dig sind, bie­ten sie laut Här­ting nicht sel­ten prag­ma­ti­sche Lö­sun­gen - et­wa in Form von Gut­schrif­ten.

An­ruf­prei­se

Vie­le Ver­trä­ge und Pre­paid-An­ge­bo­te bie­ten ei­ne be­stimm­te An­zahl Frei­mi­nu­ten. Wenn die auf­ge­braucht sind, gel­ten die Stan­dard­prei­se des An­bie­ters. „Bei Dis­coun­tern im Pre­paid-Be­reich sind es häu­fig 9 bis 15 Cent pro Mi­nu­te, bei Ver­trä­gen 19 bis 29 Cent pro Mi­nu­te“, sagt Han­sen. Ein ge­nau­er Blick in die Preis­lis­te ge­nügt, um den Mi­nu­ten­preis nach Ver­brauch der Frei­mi­nu­ten her­aus­zu­fin­den. Auch an­de­re Kos­ten­punk­te sind dort auf­ge­lis­tet. „Et­wa, ob und wie viel das Nut­zen der Mail­box kos­tet.“Wer oft ins Aus­land te­le­fo­niert, muss vor Ver­trags­ab­schluss oder Pre­paid-Kar­ten-Kauf eben­falls die Preis­lis­te stu­die­ren und schau­en, wo sich sei­ne Zi­el­län­der da ein­sor­tie­ren. Wäh­rend die An­ruf­prei­se ins EUAus­land bei man­chen An­ge­bo­ten zwi­schen 9 Cent ins Fest­netz und 29 Cent ins mo­bi­le Netz lie­gen, kann es bei an­de­ren An­bie­tern und in den Rest der Welt über­ra­schend teu­er wer­den. Ent­ge­gen dem Roa­ming in­ner­halb der EU sind An­ruf­prei­se ins Aus­land ge­ne­rell nicht re­gle­men­tiert, sagt Han­sen. Mi­nu­ten­prei­se von bis zu zwei Eu­ro sei­en dann nicht sel­ten. Wer be­reits ei­nen Lauf­zeit­ver­trag hat, für den kann sich laut Han­sen un­ter Um­stän­den ei­ne zwei­te Sim-Kar­te für Aus­land­s­te­le­fo­na­te loh­nen. Tom Ne­be

WIE FAS­ZI­NIE­REND: Das Smart­pho­ne fes­selt vie­le, auch die­se Mo­dels ei­nes thai­län­di­schen Mo­bil­funk­an­bie­ters. Doch wenn dann die Rech­nung ins Haus flat­tert, weicht die Freu­de manch­mal schnell dem Är­ger über Zu­satz­kos­ten. Fo­to: Sangnak

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