Die bes­te Lö­sung

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - THO­MAS MIG­GE

Ita­li­ens neu­er Re­gie­rungs­chef Pao­lo Gen­ti­lo­ni war Au­ßen­mi­nis­ter von Mat­teo Ren­zi. Und er war ei­ner von des­sen engs­ten Ver­trau­ten, und er teilt des­sen po­li­ti­sche Li­nie. So ver­wun­dert es nicht, dass Gen­ti­lo­ni ei­ne Mi­nis­ter­rie­ge prä­sen­tiert, die sich nur mi­ni­mal von der zu­rück­ge­tre­ten Vor­gän­ger­re­gie­rung un­ter­schei­det. Gen­ti­lo­nis frei­ge­wor­de­nen Au­ßen­mi­nis­ter­pos­ten über­nahm Ex-In­nen­mi­nis­ter An­ge­li­no Al­fa­no. Der Chef der Mit­te-Rechtspar­tei Nuo­vo Cen­tro­de­s­tra hat zwar kaum au­ßen­po­li­ti­sche Er­fah­run­gen, ist aber der ver­läss­li­che Ju­ni­or­part­ner der So­zi­al­de­mo­kra­ten von Gen­ti­lo­ni. Das ge­ra­de für ein fi­nanz­po­li­tisch schwer an­ge­schla­ge­nes Land wie Ita­li­en so wich­ti­ge Amt des Wirt­schafts­und Fi­nanz­mi­nis­ters bleibt auch wei­ter­hin in den Hän­den von Pier Car­lo Pa­do­an. Ei­ne gu­te Ent­schei­dung, ge­nießt er doch in­ter­na­tio­na­les An­se­hen und ist so­mit un­er­läss­lich, um die Fi­nanz­märk­te zu be­ru­hi­gen.

Re­gie­rungs­chef Gen­ti­lo­ni hat viel vor. Viel­leicht zu viel für den Chef ei­ner Über­gangs­re­gie­rung. Er will al­le für die­sen Mo­nat und für das kom­men­de Jahr an­ste­hen­den in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen rea­li­sie­ren. Aber er will auch die Be­kämp­fung der Staats­ver­schul­dung, die Ban­ken­ret­tung, und den Wie­der­auf­bau der Ort­schaf­ten in den mit­tel­ita­lie­ni­schen Erd­be­ben­ge­bie­ten an­ge­hen. Doch wie lan­ge wird Gen­ti­lo­ni re­gie­ren?

Dass er der seit Ber­lus­co­nis er­zwun­ge­nem Rück­tritt En­de 2011 vier­ten nicht vom Volk son­dern vom Staats­prä­si­den­ten er­nann­ten Re­gie­rung vor­steht, sorgt aus gu­tem Grund un­ter im­mer mehr Ita­lie­nern für Miss­mut. Des­halb for­dern nicht nur Wäh­ler der 5-Ster­ne-Be­we­gung des Ex-Ko­mi­kers Bep­pe Gril­lo und der aus­län­der­feind­li­chen Le­ga Nord so­for­ti­ge Neu­wah­len, son­dern Um­fra­gen zu­fol­ge ganz ge­ne­rell im­mer mehr Ita­lie­ner. Doch so­for­ti­ge Neu­wah­len sind nicht mög­lich, und sei­tens des Staats­prä­si­den­ten auch gar nicht ge­wollt. Bei­de Kam­mern des Par­la­ments ha­ben ku­rio­ser­wei­se un­ter­schied­li­che Wahl­ge­set­ze. Am 24. Ja­nu­ar wird das Ver­fas­sungs­ge­richt da­zu ei­ne klä­ren­de Ent­schei­dung tref­fen.

Dann muss ein neu­es ge­mein­sa­mes Wahl­recht ver­ab­schie­det wer­den. Das dau­ert, und des­halb hofft Staats­prä­si­dent Ser­gio Mat­ta­rel­la in­stän­dig, dass Gen­ti­lo­ni bis En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode An­fang 2018 wei­ter­re­gie­ren kann. Die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en spre­chen von ei­nem Un­ding. Sie wol­len rich­tig Är­ger ma­chen. Doch viel Ein­fluss ha­ben sie nicht, denn Re­gie­rungs­chef Gen­ti­lo­ni ver­fügt über Mehr­hei­ten in bei­den Kam­mern des Par­la­ments. Er wer­de al­so, er­klär­te Gen­ti­lo­ni mit ei­nem lis­ti­gen Lä­cheln, pro­blem­los bis 2018 durch­re­gie­ren. Für Ita­li­en mit all sei­nen Pro­ble­men wä­re das die bes­te Lö­sung.

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