Die Ar­muts­fal­le

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Ge­fühlt hat man es schon län­ger – die Rei­chen wer­den im­mer rei­cher, die Ar­men im­mer är­mer. Doch das ist nicht nur ge­fühl­te Wahr­heit, es stimmt auch, wie der Ent­wurf des Ar­muts- und Reich­tums­be­rich­tes von Ar­beits- und So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les be­legt. Auf der ei­nen Sei­te ste­hen die reichs­ten zehn Pro­zent der Be­völ­ke­rung, auf der an­de­ren Sei­te sind zehn Pro­zent der Be­völ­ke­rung auf Hartz IV oder auf die Grund­si­che­rung im Al­ter an­ge­wie­sen, 800 000 Men­schen mehr als noch vor fünf Jah­ren. Und fast 4,2 Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger gel­ten als über­schul­det. Trotz Min­dest­lohn. Über­ra­schend kommt die­se Ent­wick­lung nicht. Denn längst ha­ben So­zio­lo­gen her­aus­ge­fun­den, dass die Spal­tung der Ge­sell­schaft sich da­durch ver­fes­tigt, dass die un­ter­schied­li­chen Schich­ten un­ter sich blei­ben und es prak­tisch kaum mehr ei­nen Aus­gleich

durch Auf­stieg gibt. Der Fall, dass die ar­me Kran­ken­schwes­ter den rei­chen Chef­arzt hei­ra­tet, kommt vor, ist al­ler­dings die Aus­nah­me.

Die Rei­chen blei­ben un­ter sich – und die Ar­men auch. Durch Hei­rat, und mehr noch durch Erb­schaf­ten und Schen­kun­gen, häuft das reichs­te Zehn­tel der Ge­sell­schaft im­mer grö­ße­re Ver­mö­gen an und ver­grö­ßert die Kluft zum Rest, der se­hen muss, wie er mit sei­nen Ein­künf­ten zu­recht­kommt. Und wenn das Ein­kom­men nicht mehr zum Aus­kom­men reicht, schnappt die Schul­den­fal­le zu. Ge­sel­len sich dann noch Schick­sals­schlä­ge wie Ar­beits­lo­sig­keit, schwe­re Krank­heit oder Tod des Part­ners hin­zu, ist die Ar­mut pro­gram­miert. Ge­gen die wach­sen­de Ar­mut hel­fen vor al­lem gu­te Jobs mit gu­ter Be­zah­lung. Das al­ler­dings kann die Re­gie­rung in Ber­lin nicht ver­ord­nen.

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