Bes­te Kon­tak­te nach Russ­land

Öl­ma­na­ger Til­ler­son wird US-Chef­di­plo­mat

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von Ma­ren Hen­ne­muth und Tho­mas Kör­bel

New York. Gro­ße De­als ma­chen, Ge­schäf­te zum Wohl der USA: In der Per­son von Rex Til­ler­son hat der künf­ti­ge US-Prä­si­dent Do­nald Trump je­man­den ge­fun­den, der das ver­kör­pert, was er im Wahl­kampf ver­sprach. Noch da­zu mit bes­ten Kon­tak­ten nach Russ­land. Ein di­plo­ma­ti­sches Ge­spür oder ei­ne um­fas­sen­de Kennt­nis für die Kri­sen und Kon­flik­te die­ser Welt schei­nen bei der Wahl ne­ben­säch­lich ge­we­sen zu sein. Trump lobt an sei­nem zu­künf­ti­gen Chef­di­plo­ma­ten des­sen Leis­tun­gen als Un­ter­neh­mer, sein Ver­hand­lungs­ge­schick. „Rex Til­ler­sons Kar­rie­re ist die Ver­kör­pe­rung des ame­ri­ka­ni­schen Traums.“Mit ei­nem Öl­ma­na­ger als Au­ßen­mi­nis­ter und ei­nem Im­mo­bi­li­en­mo­gul im Wei­ßen Haus er­scheint plötz­lich al­les als gro­ße Ver­hand­lungs­mas­se: der Krieg in Sy­ri­en, die Sank­tio­nen ge­gen Mos­kau, die Kämp­fe in der Ukrai­ne, die Anne­xi­on der Krim.

Die von Trump ge­plan­te Re­gie­rung lässt man­chen Be­ob­ach­ter gru­seln. Der Re­pu­bli­ka­ner öff­ne­te sein Ka­bi­nett für die Wall Street, das Mi­li­tär und nun für das gro­ße Öl. Als wä­ren die ei­ge­nen In­ter­es­sen­kon­flik­te nicht hef­tig ge­nug, mit de­nen sich Trump we­gen sei­ner un­ter­neh­me­ri­schen Be­zie­hun­gen kon­fron­tiert sieht, bringt der 64-jäh­ri­ge Til­ler­son noch ein­mal ein gan­zes Bün­del mit. Trump ist au­ßen­po­li­tisch trotz al­ler lau­ten Tö­ne im Wahl­kampf ein un­be­schrie­be­nes Blatt, aber sei­ne Prio­ri­tä­ten wer­den lang­sam deut­lich. Wäh­rend er die ei­ne Hand of­fen nach Mos­kau aus­streckt, ballt er die an­de­re dro­hend zur Faust gen Pe­king. Die ers­ten Zü­ge, die der po­li­tisch Un­er­fah­re­ne auf dem Schach­brett der Di­plo­ma­tie hin­legt, deu­ten dar­auf hin, dass er Chi­na zum Feind­bild auf­bau­en will, wäh­rend er den Kurs­wech­sel ge­gen­über Russ­land vor­an­treibt. Mit sei­ner be­mer­kens­wer­ten Hin­wen­dung zu Mos­kau brach Trump schon im Wahl­kampf mit ei­ner der ur­ei­gens­ten Dok­tri­nen sei­ner Par­tei, nun wirft er sie völ­lig über Bord.

Die Er­ben Ro­nald Rea­gans bli­cken auf ei­nen Scher­ben­hau­fen. Und für Eu­ro­pa lässt das al­les nichts Gu­tes er­ah­nen. Til­ler­sons Nä­he zum Kreml ist reich­lich in Bil­dern do­ku­men­tiert. Ein fes­ter Hän­de­druck, ein freund­li­ches Lä­cheln – Kreml­chef Pu­tin und der künf­ti­ge US-Au­ßen­mi­nis­ter ha­ben ei­ne gu­te Ba­sis, auf der sie ih­re Kon­tak­te auf­bau­en kön­nen. Als Pu­tin dem grau me­lier­ten Öl­ma­na­ger 2013 in St. Pe­ters­burg das grü­ne Band mit dem Freund­schafts­or­den – der höchs­ten Aus­zeich­nung für Aus­län­der in Russ­land – an das schwar­ze Re­vers hef­tet, ist die Stim­mung ge­löst. Til­ler­son gilt in Mos­kau als Freund Russ­lands. Die No­mi­nie­rung sei ei­ne Sen­sa­ti­on, ju­bi­liert der Au­ßen­po­li­ti­ker Ale­xej Pusch­kow. „Die­ser Ge­schäfts­mann ist ein aus­ge­spro­che­ner Prag­ma­ti­ker und hat viel Er­fah­rung mit Russ­land“, schreibt das Mit­glied des Ober­hau­ses bei Twit­ter.

Der 64-jäh­ri­ge Til­ler­son lei­te­te be­reits in den 90er Jah­ren Pro­jek­te des Öl­rie­sen ExxonMo­bil auf der rus­si­schen Pa­zi­fik­in­sel Sa­cha­lin. 2011 schloss der USKon­zern un­ter Til­ler­sons Füh­rung ei­nen Ver­trag mit dem rus­si­schen Staats­un­ter­neh­men Ros­neft zur Er­schlie­ßung von Öl­fel­dern in der Ark­tis und in Si­bi­ri­en. Zu Ros­neft-Chef Igor Set­schin, ei­nem Ver­trau­ten Pu­tins, pflegt er gu­te Be­zie­hun­gen. Dann ver­schlech­ter­te sich das Ver­hält­nis zwi­schen Russ­land und den USA we­gen der vom Wes­ten als Völ­ker­rechts­bruch ver­ur­teil­ten Anne­xi­on der Halb­in­sel Krim. Die dar­auf­hin ver­häng­ten US-Sank­tio­nen sind Til­ler­son

Die Mos­kau­er Pres­se ju­belt

ein Dorn im Au­ge. Auch des­we­gen fei­ern Kom­men­ta­to­ren in Mos­kau die No­mi­nie­rung. „Das Sta­te De­part­ment ist un­ser!“, schreibt die Bou­le­var­dzei­tung „Kom­so­mols­ka­ja Praw­da“– ei­ne An­spie­lung auf die Pa­ro­le „Die Krim ist un­ser!“, be­liebt ge­wor­den nach der Ein­ver­lei­bung 2014. Be­ob­ach­ter ver­wei­sen dar­auf, dass der Ma­na­ger Til­ler­son vor al­lem des­we­gen ge­gen die Straf­maß­nah­men ist, weil die­se sei­nem Kon­zern scha­den. Die meis­ten der ExxonPro­jek­te in Russ­land muss­ten Be­rich­ten zu­fol­ge auf Eis ge­legt wer­den, wo­durch dem Un­ter­neh­men an­geb­lich Ge­schäf­te im Wert von 1,6 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ent­gin­gen. Die Re­ak­ti­on des Kremls auf die Personalie fällt nüch­tern aus.

GU­TE FREUN­DE: Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin hält gro­ße Stü­cke auf den Öl­ma­na­ger Rex Til­ler­son (rechts), der jetzt US-Au­ßen­mi­nis­ter wird. Fo­to: dpa

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